Schon die Videofunktion eröffnet den Halo-Fans ungeahnte Möglichkeiten, doch die Schmiede macht aus Halo 3 ein mächtiges Entwicklertool, das auf Grundlage der bestehenden Elemente der Kreativität der Spieler Flügel verleiht. Gemeinsam mit bis zu 16 Freunden können sie jede beliebige Karte bis ins kleinste Detail verändern. Die geometrischen Rahmenbedingungen sind von dieser Radikalkur ausgenommen. Eine Änderung der Grundstruktur hätte ein enormes Vorwissen der Spieler erfordert, doch die Veränderung bestehender Karten und Konzepte dürfte eine gigantische Zielgruppe ansprechen. Gestartet wird eine Schmiede-Sitzung recht klassisch. Die Spieler werden auf die Karte geworfen und können sich abschießen.

Neben den klassischen Objekten sind überall seltsame Symbole auf dem Boden verteilt, die sich erst im Kreativ-Modus von selbst erklären. Mit einem einfachen Knopfdruck kann sich jeder Kämpfer in ein so genanntes Orakel verwandeln. Diese fliegende Kamera kann sich frei im Level bewegen, per Knopfdruck Levelobjekte packen oder gar neue generieren. Abgesehen von etwaigen Waffen und Kisten kann man auch Startpunkte, Ausrüstungsteile und Fahrzeuge platzieren. Dadurch kann man den Charakter eines Level komplett auf den Kopf stellen und gar neue Spielmodi erfinden. In einem weiteren Arbeitsschritt kann man sogar Siegbedingungen, Gravitation oder Lebensenergie verändern. Mit etwas Arbeit ist es so selbst für unerfahrene Zockernaturen ein Leichtes, ihre eigenen Gamedesign-Ideen auf den Bildschirm bringen.

Zu Testzwecken habe ich mir einen Freund geschnappt und etwas an der Karte Hochebene herumgedoktert. Drei verschiedene Spielmodi sind dort anwendbar. Klassisches 'Deathmatch', ein einfaches 'Capture the Flag' und ein 'Bombmodus', der sehr an Counter-Strike erinnert. Das eine Team startet an einem lauschigen Strand, währen das andere direkt in einer Festung beginnt. Unser Ziel war es, eine Art Counter-Strike zu schaffen, bei dem jedes Team pro Runde nur einmal startet und es nur eine begrenzte Auswahl an Waffen gibt.

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Große Gefühle trotz Helm.

Dazu haben wir erst einmal alle Spawn-Punkte und Waffen entfernt. Für jeder Löschung bekamen wir eine bestimmte Summe auf ein virtuelles Konto transferiert. Um die Performance nicht zu beeinträchtigen, darf nämlich nur eine bestimmte Anzahl von Objekten auf der Karte platziert werden. Dies wird über Kosten pro Objekt geregelt und lässt eine ganze Menge Spielraum.

In einem zweiten Schritt haben wir alle Waffen an den Anfang gelegt, an dem sich die Spieler des Team für eine Waffe entscheiden müssen. Pro Runde liegen diese nur einmal bereit und tauchen auch nicht wieder auf. Ein paar schwere Geschütze auf beiden Seiten helfen den Vormarsch zu beschleunigen und einige Zugänge wurden so verbarrikadiert, das sie besser zu halten sind. Abschließend mussten noch die Startpunkte und das Bombenziel festgelegt werden, dann war unser Meisterwerk fast fertig. Wenn man dann damit eine freies Spiel generiert, muss man nur noch dafür Sorge tragen, dass jeder Spieler nur einmal startet, die Lebensenergie nach unten und die Gravitation nach oben korrigiert wird - schon besitzt man eine Counter-Strike-Modifikation.

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Der doppelte Brute-Spiker garantiert im Multiplayer viele Abschüsse.

Uns ist es natürlich gelungen, durch einen falschen Knopfdruck unser Schmuckstück zu löschen und ca. eine Stunde Arbeit zunichte zu machen. Als Ausgleich sind wir anschließend gemeinsam auf die Karte Walhalla gegangen und haben ein lustiges Schmiede-Deathmatch gespielt. Da die Spieler sich jederzeit in ein Orakel verwandeln können, ist es ohne Probleme möglich, sich immer die passende Waffe zu spawnen. Die Baukamera ist übrigens durch ein anderes Team zerstörbar, so entwickeln sich skurrile Schlachten mit Dutzenden Kampfjets der Marke „Hornet“ und fliehenden Orakeln, die vom Gegner durch den Level gehetzt werden. Halo 3 bietet damit genau die Spielwiese, die Little Big Planet uns 2008 auch auf der Playstation 3 bescheren wird. Nur eben mit Laserwaffen, Panzern und jeder Menge toten Soldaten.

Das Gesamtkunstwerk Halo 3 ist einmalig. Kein Spiel liefert so viel Spielspaß, Inhalte und Modifikationsmöglichkeiten. Speziell der Mehrspieler-Bereich lässt wirklich keine Wünsche offen und wird die Spieler noch viele Jahre beschäftigen. Mit der Schmiede wurde gleichzeitig ein fast übermächtiges Tool geschaffen, das die Spieler selbst zu Schöpfern macht. Für dieses Wunder verdient Halo 3 eigentlich die Bestnote. Tja, eigentlich, wäre da nicht noch der Solisten-Part.

Denn genau dort, wo Bungie mit dem ersten Halo Zeichen setzte, dominiert nun Stagnation. Immer wieder keimt das Gefühl auf, das alles schon einmal gespielt zu haben. Natürlich alles hübscher, fehlerfreier und noch ein wenig ausgeklügelter, doch wirklich herausragende, gänzlich frische Momente bleiben aus. Weder Grafik noch Gameplay können sich hier gegen die starke Konkurrenz behaupten, auch wenn die höheren Level nahezu perfekt choreographierte Kämpfe bieten, die echte Fans begeistern werden.

Kurzum: Hier hat sich Bungie einfach zu sehr auf seinen Kultstatus verlassen, statt ebenso einen großen Offline-Wurf zu landen und sich damit den Thron im Wertungsolymp zu sichern. Dennoch: Ein einmaliger, definitiv empfehlenswerter Titel.

9 /10

Seit heute kann man auf der Xbox 360 den verzweifelten Kampf des Master Chiefs gegen die übermächtigen Feinde miterleben.

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