Logitech G435 - Ein günstiger Kompromiss, der viel Flexibilität aber wenig "Gaming" bietet

Ein richtiger Hardcore-Gamer fängt hiermit vielleicht nicht das beste Schnäppchen, dafür hat das Logitech G435 andere Qualitäten.

Das Logitech G435 ist nicht das beste Gaming-Headset, aber eines der vielseitigsten - auch wenn es dafür Kompromisse eingehen muss.

Noch nie hatte ich ein so leichtes Gaming-Headset auf dem Kopf. Zusammen mit der Bluetooth-Funktion ist das Gewicht wirklich der größte Vorteil dieses Headsets - und auch ihr größter Nachteil, denn viele Kompromisse mussten gemacht werden, um die hohe Flexibilität dieser Kopfhörer zu erreichen. Versteht mich nicht falsch, ich mag das Headset echt gerne und für seine 79,99 Euro ist es für ein Gaming-Headset im unteren Preissegment, aber an der ein oder anderen Stelle hätte ich mir im Bereich "Gaming" ein bisschen mehr erhofft - und das sage ich nicht nur, weil das Logitech G435 kein RGB und auch keinen G-Hub-Support bietet.

Ein Kompromiss aus Leidenschaft

Aber lasst uns erstmal zurück auf Anfang spulen. Zu dem Tag, an dem ich das farblich wirklich schicke Headset mit seinen federleichten 165 Gramm aus der platzsparenden Verpackung holen durfte, die aus Holz von FSC-zertifizierten Wäldern hergestellt wurde. Eine Freude für jeden, der gerne Gutes tut. Das Headset selbst besteht ebenfalls zu 22 Prozent aus recyclebaren Materialien und ist kohlenstoffneutral. Musik in meinen Ohren, aber nicht in meinen Händen, denn so ganz wertig fühlt sich der kleine Plastikhaufen nicht an. Ich glaube zumindest, ich könnte den Bügel ohne große Mühe in der Mitte zerbrechen. Einen Selbsttest hierzu habe ich nicht durchgeführt - ich bitte um euer Verständnis.

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Das Logitech G435 gibt es in drei verschiedenen Farben

Um sein rekordverdächtiges Gewicht zu erlangen, wurde an vielen Ecken gespart: Überall gibt es Aussparungen im Material, es gibt kein Kopfpolster - das ist bei der Last einer mittelgroßen Tafel Schokolade auf dem Kopf aber auch nicht nötig - und kein Mikrofon weit und breit. Zumindest keines, dass aus dem Headset herausragt. Mit zwei integrierten Mikros wird Platz, Gewicht und leider auch Qualität gespart. Man versteht mich zwar, aber überall wo ich sonst mit meinem Standmikrofon zu hören war und nun das G435 nutzte, wurde sich über Hintergrundrauschen beschwert. Und ja, das liegt auch nicht fern, wenn man bedenkt, dass das Mikrofon deutlich weiter vom Sprechorgan entfernt ist als üblich.

Logitech G435: Sitzt bequem, klingt... okay

Sonst ist alles aber recht sauber verarbeitet, es gibt keine scharfen Kanten, die Scharniere zum Verstellen der Muscheln lassen sich flüssig schieben und die drei Knöpfe auf der linken Seite wackelt nicht. Obwohl es nicht fluffig weich ausgepolstert ist, liegt das G435 auch nach mehreren Stunden noch bequem auf dem Kopf. Für Dickschädel ist das Headset aber nicht so empfehlenswert, da es nur für kleinere Köpfe ausgelegt ist - Kinder, Teenager, Frauen und vielleicht der ein oder andere Mann, der bei seinen Kappen immer die engsten Knöpfe nehmen muss. Die weichen Ohrpolster sind zwar gut darin, dem Hörorgan Luft zukommen zu lassen, können entgegen der anfangs so freudig aufgenommenen Nachhaltigkeit des Produkts nicht ausgetauscht werden. Ebenso wenig der Akku. Sind die Polster zu versifft oder der Akku hinüber, muss das Teil weg. Schade drum.

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Immerhin Material und Verpackung des G435 sind nachhaltig gestaltet.

Egal ob mit Dolby Atmos oder im Normalzustand: Der Sound ist okay, aber ein bisschen crispy. Kennt ihr das, wenn euch die "S"-Laute das Ohr unangenehm zerstechen? Genau dieses Gefühl hatte ich im Dolby-Atmos-Trailer. Umgekehrt liefert das Headset in Bezug auf Bassstärke nicht wirklich ab. Metal- und Elektro-Musik wirkt flach und auch die tiefen Geräusche vieler Waffen verlieren durch die 40-mm-Audio-Treiber des g435 an auditiver Schlagkraft. Beim Spielen in League of Legends fiel mir zudem auf, dass einige Sound-Details fehlten, die ich sonst gewohnt war. Dafür hebt es dank Windows Sonic die Richtungen, aus denen verdächtige Geräusche kommen, ganz brauchbar hervor. Auf der PS5 übernimmt Tempest 3D AudioTech diesen Job. Gut, der Sound ist also auch keine wirkliche Stärke des Headsets - was ist es dann?

Flexibilität: Fluch und Segen zugleich

Absolut praktisch ist die Möglichkeit, das Logitech G435 per Lightspeed mit USB-Empfänger oder per Bluetooth an Smartphone, Laptop, PlayStation und Mac anzuschließen. Ich muss zugeben, ich habe es in meiner Testphase deutlich öfter am Handy genutzt als am PC. Ein Grund dafür ist sicherlich mein etwa doppelt so teures Headset mit Soundkarte, die mich immer so sehnsüchtig angesehen haben. Viel interessanter ist aber der zweite Grund, denn der Wechsel zwischen PC und Smartphone (also Lightspeed und Bluetooth) ist anfangs unfassbar unintuitiv.

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Mit einem USB-C-Kabel könnt ihr das G435 aufladen während ihr zockt.

Der richtige Modus muss für die Verbindung eingestellt sein. Diese wird durch eine farbige Kontrollleuchte unterschieden - durch zwei Blautöne, die nur kurz blinken, nachdem ihr den Modus gewechselt habt. Bei allen anderen Aktionen leuchtet sie grün. Tja, also dürft ihr den Modus wechseln, um herauszufinden, ob ihr gerade noch im dunkelblauen Bluetooth-Modus seid oder das Cyan für Lightspeed aufleuchtet. Ganz schön viel Gefummel also, vor allem, weil das G435 nur mit einem einzigen Gerät verbunden sein kann. Wenn man das alles aber erstmal raus hat, ist es nur noch halb so anstrengend. Zum Umschalten müsst ihr Power- und Mute-Button zusammen ein paar Sekunden gedrückt halten. Lautstärkeknöpfe sind ebenfalls verbaut - ein Rädchen wäre mir lieber gewesen.

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Welches Blau ist das denn nun, Logitech?

Nachdem die etwa 18 Stunden Akkulaufzeit langsam zur Neige gehen, könnt ihr einfach ein USB-C-Kabel in den linken Kopfhörer stecken und es direkt am PC laden, ohne auf das Headset verzichten zu müssen. Für alle Bluetooth-Nutzer ist die Reichweite sicher nicht uninteressant. Ich konnte mich verlustfrei in meiner kleinen Wohnung überall hinbewegen. Damit dürfte es an die angegebenen 10 Meter recht gut herankommen.

Logitech G435: Fazit

Als Gesamtpaket gibt das Logitech G435 einiges her. Es verbindet Gaming-Features mit praktischen Funktionen für den Alltag und kostet dabei nicht die Welt. Wer zwischen Arbeit und Gelegenheits-Gaming am PC pendelt oder für Mobile-Games ein passendes Headset sucht, kann mit diesem bunten Leichtgewicht glücklich werden. Viele gute Gedanken stecken in diesem ungewöhnlichen Headset - nur an der Ausführung hapert es ein wenig. Für das Standard-Klientel des PC Masterrace, kompetitive Spieler oder Hardcore-Gamer ist dieses Headset ein eindeutiges "No-Go". Für den Preis von etwa 80 Euro gibt es rein qualitativ bessere Alternativen. Zum Glück ist diese hier nicht das Verkaufsargument.

Viel eher spricht das Logitech G435 eine jüngere Zielgruppe an, für die ein erschwingliches Headset, mit dem zwischen PC und lebensnotwendigem Smartphone gewechselt werden kann, genau die richtige Option ist. Das können die Eltern unter den Weihnachtsbaum legen und schon hat die Leni einen blau- und himbeerfarbenen Hingucker für jede Lebenslage - und das komplett kabellos und durch sein federleichtes Gewicht fast unsichtbar auf dem Kopf. Damit füllt das Gaming-Headset eine völlig neue Lücke im Markt, die vielleicht nicht für jeden interessant ist, aber für einige genau das, was sie schon lange gesucht haben.

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Über den Autor:

Melanie Weißmann

Melanie Weißmann

News-Redakteurin  |  Melancholia_Mel

Melanie ist meist online am PC zu finden. Neben Multiplayern und Meer mag sie Alliterationen und dumme Wortspiele. Gelegentliches Lego-Bauen hilft ihr beim Abschalten.

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