Wenn euch James Bond zu langweilig wird: Evil Genius 2 - Test

Einmal Superschurke sein.

Ich mag die James-Bond-Filme. Nicht nur das, diese ganze Thematik rund um Spione und Superschurken trifft bei mir exakt einen richtigen Knopf und daher sollte Evil Genius 2 genau mein Ding sein, oder? Hier drehe ich den Spieß einmal um, mime nicht den Agenten, der die Welt rettet, sondern übernehme den Schurken und arbeite mich Stück für Stück in Richtung Weltherrschaft. Muhahahahaha....

Inhalt:

Okay, was braucht der moderne Superschurke als erstes? Klar, einen Unterschlupf, wo ihn keiner findet. Wäre ja noch schöner, die Weltherrschaft vom Wohnzimmer aus zu planen, wo einen jeder Privatschnüffler mit Leichtigkeit aufspürt. Also eine schicke, unscheinbare Insel mit einem größeren Berg aussuchen, dazu noch eine Tarnfirma, die harmlose Touristen anlockt und den Anschein einer friedlichen Urlaubsinsel erweckt, während im Inneren des Berges die finsteren Machenschaften ihren Lauf nehmen.

Welcher Aufwand hinter einem Superschurken steckt

Ein Spiel wie Evil Genius 2 zeigt mir eine ganz andere Seite der Superschurken. Wie viel Aufwand dahinter steckt, um sein eigenes, böses Imperium aufzubauen, Leute anzuheuern, Weltuntergangsmaschinen zu erforschen und so weiter. Da kriege ich fast ein wenig Mitleid, wenn ein Agent wie James Bond daherkommt und die ewig lange, akribisch ausgearbeitete Planung mit einem Schlag zunichte macht. Im Kern bedeutet der Aufbau eurer schurkischen Organisation echte Arbeit. Weniger für euch, vielmehr für die virtuellen Schergen, die bereitwillig euch als kriminellem Mastermind zu Diensten stehen.

Evil_Genius_2_Test_Basis
Aller Anfang ist klein. Eure Basis wächst Stück für Stück, wie euer Perfektionismus. (Evil Genius 2 Test)

Planung ist das A und O in Evil Genius 2, das sich in Sachen Stil an Spionagefilmen und -serien aus den 60ern und 70ern orientiert. Eure Schergen brauchen zum Beispiel Orte zum Schlafen und zum Essen. Dann einen Raum zum Trainieren und ein wenig Freizeitunterhaltung schadet ebenso wenig. Für gefangene Agenten benötigt ihr Zellen und Verhörgeräte. Für die Planung eine Kommandozentrale. Eure gestohlene Beute landet in der Schatzkammer. Und ohne Strom geht schon mal gar nichts! Der Weg vom Möchtegern-Superschurken zum richtigen Superschurken ist lang.

Stück für Stück wächst euer finsteres Versteck, ihr erforscht neue Technologien und Methoden, um auch andere Ebenen zu erschließen, bessere Stromgeneratoren zu bauen und so weiter. Ihr werdet nach und nach stärker, effektiver, was ebenso bessere Agenten auf eure Insel lockt, die dort herumschnüffeln. Um die kümmert ihr euch, indem ihr sie entweder ablenkt, gefangennehmt oder ausschaltet - egal was, Hauptsache ihr lasst sie nicht entkommen. Der Aufbau eurer Basis könnte dank Drag and Drop nicht simpler sein, wenngleich er eine vorausschauende Planung erfordert. Lasst Platz für eine spätere Erweiterung der Räume, statt dutzende kleine Räume hier und da auszuheben. Und ihr solltet immer alles im Blick haben, um nicht auf einmal ohne Strom dazustehen, was Einfluss auf eure Fallen oder laufende Operationen habt.

Erobert in Evil Genius 2 die Welt

Wenn es hart auf hart kommt, dreht ihr einfach bei manchen Dingen kurzzeitig den Strom ab, aber im Normalfall möchtet ihr ja, das alles läuft, was ihr baut. Aufmerksamkeit ist wichtig, damit euer Schurkenstützpunkt wie ein Uhrwerk läuft und es keine großen Störungen gibt. Das Mikromanagement euer Schergen spielt dabei keine große Rolle, das wäre des Guten zu viel gewesen. Direkte Kontrolle habt ihr einzig über euer Mastermind - ihr habt die Wahl zwischen vier verschiedenen - und deren Handlanger, während Schergen, Wächter, Wissenschaftler und andere eurer Unterstützer - alle basieren wiederum auf den Schergen, ihr gebt eine bestimmte Zahl von Typen vor - agieren eigenständig. Nicht immer perfekt, aber meines Erachtens ist das verschmerzbar, wenn ich mich dafür nicht manuell um jeden einzelnen Angestellten kümmern muss.

Evil_Genius_2_Test_Weltkarte
Schickt eure Schergen rund um die Welt, um Geld zu beschaffen und Böses zu tun. (Evil Genius 2 Test)

Ein wichtiger Bestandteil eurer Aktivitäten sind neben dem Aufbau eurer Basis die Pläne. Das sind allgemeine Missionen, die auf einer Weltkarte automatisch im Hintergrund ablaufen. Das Einzige, was ihr dafür tun müsst, ist, Schergen zur jeweiligen Mission zu schicken. Die dienen primär dazu, euch neue Goldvorräte aus aller Welt zu beschaffen, denn ohne Kohle wird das nichts mit der Weltherrschaft. Wobei hier ein unbedachtes Vorgehen ebenso wenig zum Erfolg führt. Für jede Mission verschwinden Schergen aus eurer Basis, die anschließend nicht zurückkehren. Schickt ihr daher zu viele gleichzeitig los, nimmt das unter Umständen Einfluss auf den laufenden Betrieb eures Stützpunktes. Also gut überlegen, wann ihr was initiiert und ob ihr ausreichend Leute dafür habt.

Jede Aktivität in den verschiedenen Regionen rund um die Welt sorgt für Aufmerksamkeit. Diese Argwohn euch gegenüber reduziert ihr mit anderen Missionen. Ob ihr das tun möchtet (kostet Geld), liegt an euch. Steigt die Argwohn aufs Maximum, unterbricht das laufende Missionen im jeweiligen Gebiet und kurzzeitig lassen sich keine weiteren starten. Und ihr lockt so Ermittler beziehungsweise Agenten zu eurem Versteck. Das reicht von eher unfähigen Ermittlern, die kein großes Problem für eure Leute darstellen, bis hin zu Superagenten, die euch echte Schwierigkeiten bereiten.

In die Falle getappt

Früher oder später bekommt ihr definitiv Besuch und zu Anfang kümmern sich allein eure Schergen und Wächter primär um die Eindringlinge. Später gibt's zudem immer mehr Fallen, die ihr in den Gängen anbringt, wenngleich deren Nutzen eher beschränkt ist. Die Meisten von ihnen verlangsamen den neugierigen Besucher einfach, die Wenigsten sind tödlicher Natur. Zudem lernen Agenten mit höherem Level Fallen zu umgehen. Ihr solltet daher immer ein Auge auf die Schnüffler haben, im schlimmsten Fall klauen sie euch Bares, töten eure Leute oder zerstören Teile des Unterschlupfes. Und das könnt ihr als Superschurke nun gar nicht gebrauchen, nicht wahr?

Evil_Genius_2_Test_Forschung
Über die Forschung erhaltet ihr neue Fallen und andere Verbesserungen. (Evil Genius 2 Test)

Auf jeden Fall ist es amüsant mit anzuschauen, wenn Agenten in solche Fallen geraten, wie ein Flummi durch die Gegend fliegen, im Haifischbecken landen oder es mit Killerbienen zu tun bekommen. Da kommt ein wenig die sadistische Ader durch, aber hey, Evil Genius 2 ist immer mit einem kleinen Augenzwinkern zu spielen. Zwar habt ihr wie gesagt vier verschiedene Masterminds zur Auswahl, das übergreifende Ziel in den Kampagnen besteht aber immer darin, eure Weltuntergangsmaschine zu bauen. Davon abgesehen lädt der Sandbox-Modus dazu ein, munter mit allem zu experimentieren, was euch das Spiel so an Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

Evil Genius 2 Test - Fazit

Im Endeffekt stellt Evil Genius 2 mehr eure Management-Fähigkeiten als Superschurke auf die Probe als irgendwas anderes. Ihr bastelt ständig an eurer Basis herum, versucht Abläufe und Räume zu optimieren. Gleichzeitig kümmert ihr euch im Hintergrund um neue finanzielle Mittel, weil ohne Geld nichts läuft, erforscht neue Technologien, die euch in allen möglichen Bereichen weiterhelfen, sichert die Basis gegen feindliche Agenten und habt zwischendrin immer kleine Nebenmissionen, die euch mit mehr Geld belohnen. Das bringt euch schnell in einen Flow, der euch immer weiter in Richtung Perfektionismus treibt. Hier geht noch was, da lässt sich was optimieren, dort was verbessern. Das alles präsentiert das Spiel auf eine amüsante, verspielte Art, als eine gelungene Hommage an die Agentenfilme und -serien der 60er und 70er. Wer sich entfernt für diese Thematik interessiert und einmal die andere Seite sehen möchte, fühlt sich hier von Beginn an pudelwohl. Fehlt nur noch die weiße Katze auf eurem Schoß und ein Monokel im Auge, während ihr Evil Genius 2 spielt, dann habt ihr die maximale Immersion erreicht. Was mich jetzt noch glücklich machen würde, wäre eine Umsetzung für Konsolen.

Evil Genius 2 ist auf Steam erhältlich.

  • Entwickler / Publisher: Rebellion / Rebellion
  • Plattformen: PC
  • Release-Datum: Erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: zirka 40 Euro

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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