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Costume Quest

Zuckersüß

Als Kind hat man noch große Träume. Man will Astronaut, Feuerwehr-Mann, Forscher oder, wie in meinem Fall, Kampfjet-Pilot werden. Aufregende, fantastische und welterschütternde Jobs, die leider oft nur wenig mit der Realität zu tun haben.

Stattdessen schleppt man sich Tag ein und Tag aus in seine Büro-Box, ärgert sich mit Kollegen, Chefs und dem eigenen, inneren Schweinehund herum. Nur in Computerspielen und der eigenen Vorstellungskraft tauchen wir ab in eine fantastische Welt voller Helden, Monster und großer Taten.

Für Costume Quest Projektleiterin Tasha Harris ist die Erschaffung von Träumen dagegen Tagesgeschäft. Sie darf ihre eigene Fantasie ausleben und bei Tim Schafers Studio Double Fine mit Costume Quest in die Virtualität umsetzen. Genauer gesagt eine "Vision", die die sie seit ihrer Kindheit verfolgt: Halloween. Schon als kleines Mädchen schlüpfte sie am gruseligsten Tag des Jahres in ganz unterschiedliche Rollen.

In ihrer Fantasie zog sie mit Pappschild und Plastikhelm bewaffnet als Ritter in große Abenteuer. Sie verwandelte sich mit zwei Geschenkboxen in einen gewaltigen Roboter, der ganze (Ameisen-)Städte in Grund und Boden stampfte oder setzte sich ein angemaltes Fischglas auf den Kopf und wurde so zu einem Weltraumkrieger.

Costume Quest ist im Prinzip eine Eins-zu-eins-Umsetzung dieser Erfahrung. In diesem knuffigen Download-Rollenspiel schlüpft ihr in die Rolle eines kleinen Jungen oder Mädchens, die gemeinsam mit ihrer Schwester bzw. ihrem Bruder an Halloween auf Süßigkeitenjagd gehen. Doch sie sind nicht alleine hinter den klebrigen Plombenziehern her. Eine finstere Hexe und ihre fiesen Kobolde sehen in der leckeren Ware ein großes Geschäft und räumen Haus um Haus aus. Doof nur, dass die beiden Blutsverwandten auf ein solches Vieh treffen, das einen der beiden entführt und in das finstere Land der Hexe verfrachtet.

Nun ist es an dem verbleibenden Geschwisterteil, den zweieiigen Zwilling zu retten, sonst gibt es von den Eltern bösen Hausarrest. So weit, so kindisch. Interessant wird das Ganze durch die Fähigkeit eures Hauptcharakters, sich mit Hilfe von Kostümen in mächtige Kämpfer zu verwandeln. Kaum trefft ihr auf einen der Gegner, wechselt der Bildschirm und ihre befindet euch in einer klassischen Final-Fantasy-Taktik-Schlacht.

In den Kämpfen verwandelt ihr euch in mächtige Krieger.

Aus dem Pappschwertkämpfer wird ein mächtiger, zwanzig Meter hoher Ritter, aus den zwei Plastikschachteln ein japanischer Superkampfroboter. Auf Knopfdruck löst ihr Attacken und Zauber aus, setzt Gegenstände ein oder flieht vor einer Übermacht.

Das System dahinter ist sehr simpel. Es gibt zwei Attacken. Eine Standard-Variante, die ihr mit einem gut getimten Quicktime-Event oder dem guten alten Joypadrütteln aufladen könnt. Nach drei geglückten Angriffen startet ihr dann eine Art Ultimate, das mit einer herrlich kitschigen Animation eingeläutet wird. Schnelle Schnitte gepaart mit Cell-Shading-Grafik und dicken Explosionen sorgen zumindest zu Beginn für ein breites Grinsen. Später gehen einem die ständigen Animationen dagegen etwas auf den Keks. Sonst ist das Art-Design aber äußerst gelungen. Wie schon bei Deathspank versprüht die Comic-Grafik einen ganz eigenen Charme und versetzt euch direkt in eine wunderschön animierte Zeichenwelt.