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Tom Clancy's Ghost Recon

Ghost? Recon?

Spielt man Tom Clancy's Ghost Recon auf seiner Wii, stellt man sich als Kenner der Reihe erstmal unweigerlich die Frage, was dieses Spiel – mal abgesehen vom Namen und den Ghosts – eigentlich mit seinen entfernten Verwandten auf den anderen Plattformen zu tun hat? Nun, im Grunde genommen nicht allzu viel, setzt man hier doch auf eine völlig andere Spielmechanik.

Erstmal könnt ihr euch nicht völlig frei bewegen. Ihr ahnt es vielleicht schon, Ghost Recon für die Wii ist ein Rail-Shooter geworden. Oder anders ausgedrückt: Ein Rail-Shooter mit Deckung. Das beschreibt auch so ziemlich genau das, was ihr im Spielverlauf macht. Ihr hechtet von Deckung zu Deckung und schaltet munter böse Jungs aus.

Nun ist es ganz sicher nicht so, dass die euch stets schon freudig erwarten und direkt das Feuer eröffnen. Immer wieder bemerken sie euch bei eurer leisen Annäherung gar nicht, sofern ihr nicht direkt in ihren Blickwinkel lauft, und daher könnt ihr oftmals das Überraschungsmoment ausnutzen. Je länger man spielt, desto mehr entwickelt sich das Spiel aber in diesen Bereich, wird etwas fordernder. Nehmt ihr es im ersten Level noch vornehmlich mit ganz gewöhnlichen Soldaten auf und quittiert das Ganze eher mit einem leichten Gähnen, gibt es später unterschiedlichere Gegnertypen. Es kommen unter anderem Scharfschützen, RPG-Schützen, große und kleine Drohnen sowie Panzer und andere Fahrzeuge hinzu – teilweise wird das alles bunt zusammengewürfelt.

Einer zielt, einer gibt Deckung.

Hierbei kommt es dann auf die richtige Vorgehensweise und gezieltes Ausschalten an. Kümmert ihr euch nicht rechtzeitig um einen Panzer, befindet der sich irgendwann in idealer Schussposition und bereitet eurem virtuellen Leben ein schnelles Ende. Ähnliches gilt für kleinere Drohnen, die sich in unmittelbarer Nähe zu euch in die Luft sprengen. Schaltet sie früh genug aus und ihr könnt damit sogar noch ein paar Gegner mit in den Tod reißen.

Ebenso gibt es Abschnitte, in denen ihr nicht munter drauflosballern könnt, sondern leise agieren müsst. Schaltet die Feinde mit euren schallgedämpften Waffen aus, bevor sie Alarm auslösen können – manchmal entpuppt sich das als echter Nervenkitzel. Sonderlich clever sind die Kontrahenten jedoch nicht, was aber auch an den Limitierungen des Gameplays liegt. Sie können euch beispielsweise nicht flankieren, wechseln mal die Stellung und kommen regelmäßig aus ihrer Deckung hervor, wodurch ihr mehr oder weniger leichtes Spiel habt. Wirklich gefährlich wird es erst bei größeren Gegnermassen oder wenn ihr unvorsichtig agiert.

Während ihr euch also von Deckung zu Deckung voranarbeitet, sammelt ihr hin und wieder auch zwei Boni ein. Einerseits Gesundheitssymbole, mit denen ihr euch heilen könnt, andererseits Fokussymbole, die das Spiel auf Knopfdruck für mehrere Sekunden in Zeitlupe ablaufen lassen, was insbesondere bei manch größerer Feindgruppe hilfreich sein kann.

Alles in allem ist Ghost Recon auf Koop ausgelegt. Ihr seid stets zu zweit unterwegs, während euer KI-Kollege selbstständig Ziele aufs Korn nimmt und euch dabei nicht unnötig verrät, sondern wartet, bis ihr selbst das Feuer eröffnet - praktischerweise seht ihr, worauf er zielt. Für manche Aufgaben eignet er sich allerdings nicht ganz so gut wie ein menschlicher Mitspieler – kleiner Tipp: Überlasst lieber ihm den Raketenwerfer und haltet selbst anrückende Feinde mit dem MG fern, während er auf Fahrzeuge zielt –, mit dem ihr erfreulicherweise die komplette Kampagne anpacken könnt.

Welche Waffen man in den Missionen mit sich führt, lässt sich leider nicht manuell bestimmen. Manchmal bekommt ihr während eines Einsatzes neue Schießeisen und könnt eure Ausrüstung an diesen Nachschubpunkten mit der eures Kollegen tauschen, wenn ihr denn wollt. Abwechslung bietet das Spiel zudem durch ein paar Fahrzeugabschnitte, in denen ihr beispielsweise eine Drohne steuert, in einem Truppentransporter unterwegs seid oder die Minigun eines Helikopters bedient. Hier zeigt sich dann die echte Rail-Shooter-Seite des Spiels, wenn euch zeitweise wirklich Dutzende Gegner über den Weg laufen und in Sekunden niedergemäht werden.

Feinde laufen euch reihenweise über den Weg.

Herzstück des Spiels ist der Kampagnen-Modus mit seinen zwölf Levels, in denen ihr Russland beziehungsweise Moskau aus den Klauen des Ultranationalisten Maxim Cherskiy befreien müsst. Neben der im Koop spielbaren Kampagne gibt es noch den „Arkade-Modus", der sich wiederum in „Kooperativ" und „Wettkampf" aufteilt. Bei ersterem arbeitet ihr zusammen, um eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen, bei letzterem konkurriert ihr um den Highscore. Vergleichen könnt ihr das dann mit anderen Spielern in Bestenlisten.

Technisch gibt es hier wenig zu meckern. Ganz im Gegenteil: Das Spiel profitiert eher von seinen vorgegebenen Wegen und muss somit nicht jeden x-beliebigen Winkel einer großen Karte berechnen. Ghost Recon sieht in Bewegung wirklich ganz ansehnlich aus, läuft stets flüssig und auch die Steuerung macht euch hier keinen Strich durch die Rechnung. Einzig und allein das Nachladen, bei dem ihr das Fadenkreuz aus dem Bildschirm bewegen und dann B drücken müsst, hätte man ein wenig eleganter lösen können.

Zugegeben, grundsätzlich hat Tom Clancy's Ghost Recon auf der Wii wenig mit dem zu tun, was die Serie sonst so ausmacht, zum Beispiel die Nutzung von unterschiedlichen Vorgehensweisen oder Wegen zum Ziel. Und natürlich die Möglichkeit, sich frei zu bewegen. Ebenso sucht ihr vergeblich irgendwelche nützlichen, technischen Gadgets. Am Ende des Tages ist und bleibt es immer noch ein Rail-Shooter, ist also linear, nicht übermäßig anspruchsvoll, nach dem Durchspielen schnell wieder vergessen und ganz sicher keine Revolution des Genres. Mit der Zeit wird das Gameplay ein klein wenig zu repetitiv, dennoch kann Ghost Recon durchaus Spaß machen – insbesondere wenn man es zusammen mit einem Freund spielt, der effektiver arbeitet als euer guter, aber eben nicht perfekter KI-Begleiter. Und das ist dann auch das entscheidende Kriterium: Habt ihr jemanden, der mit euch spielt? Dann könnt ihr einen Kauf schon eher in Betracht ziehen, im Koop-Modus macht Ghost Recon sicher am meisten Spaß. Tut euch jedoch selbst den Gefallen und erwartet bitte kein echtes Ghost Recon, da müsst ihr euch noch gedulden, bis Future Soldier erscheint.

Tom Clancy's Ghost Recon ist bereits für die Wii erhältlich.

6 / 10

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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