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Turtle Beach VelocityOne Flight - Test: Eine Bereicherung, wenn es erst einmal funktioniert

Und richtig eingerichtet ist.
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Ein tolles Steuerungssystem für den Flight Simulator für Enthusiasten. Mit ein paar Macken, für die Turtle Beach aber nichts kann.

Der VelocityOne Flight von Turtle Beach ist ein schönes... nennen wir es Werkzeug für den Microsoft Flight Simulator. Jedenfalls dann, wenn er erst einmal richtig funktioniert und korrekt eingerichtet ist. Bis dahin könnte etwas Zeit vergehen. Zeit, die aber besonders Enthusiasten vermutlich sehr gerne aufbringen. Die viel wichtigere Frage ist folgende: Ist der VelocityOne Flight die 380 Euro wert, die Turtle Beach dafür haben möchte?

Ja und nein. Wie erwähnt, richtet sich das System besonders an Enthusiasten. Wenn ihr nur ein bisschen hier und da im Flight Simulator durch die Gegend fliegt, reicht der Controller vollends aus. Aber für manche ist das eben nicht genug. Am Anfang hat mich das gute Stück aber ein paar Nerven gekostet.

Nicht alles läuft perfekt

Als die Cloud-Version des Flight Simulators veröffentlicht wurde, dachte ich mir, ich kann endlich ein paar Runden drehen, ohne extra Platz auf der Festplatte dafür freiräumen zu müssen. Also das gute Stück an meinen PC angeschlossen – kompatibel ist er mit Xbox Series X/S, Xbox One und Windows – und ab in die Lüfte. Denkste... Die Erkennung funktionierte zwar prima, aber beim Flight Simulator in der Cloud tat sich exakt nichts.

Wie ich nach rund einer Stunde herumprobieren, Neustarts, geänderten Einstellungen und aufkommender Verzweiflung herausfand, ist der Turtle Beach VelocityOne Flight schlicht nicht mit der Cloud-Version kompatibel. Uff. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht so ganz, aber für mich ist es ehrlich gesagt ein echter Nachteil, zumal der Flight Simulator einiges an Platz auf der Festplatte beansprucht.

Vor euch habt ihr mehrere LED-Statusanzeigen.

Entfernt damit zu tun hat ein anderes Problem, für das aber Turtle Beach nichts kann. Das Navigieren durch die Menüs des Flight Simulators funktioniert mit dem VelocityOne Flight – oder irgendwelchen anderen Third-Party-Sytemen – nicht, ihr müsst dafür auf einen Controller oder eine Maus zurückgreifen. Das ist nervig, zumal das System eben speziell für den Flight Simulator gedacht ist. Aber es ist zugleich ein Problem, das die Entwickler auf ihrer Seite angehen müssten.

Gleichzeitig solltet ihr euch darauf einstellen, noch ein Weilchen mit der Einrichtung des Systems beschäftigt zu sein. Plug and Play passt hier nicht so wirklich, wenn mir der Flight Simulator auf der Xbox bei Nutzung des VelocityOne Flight irgendwas von Joystick-Button 30 zur Lösung der Bremsen zeigt, ich aber erst einmal keine Ahnung habe, wo dieser Knopf exakt ist. Da hilft nur herumprobieren oder, was wahrscheinlich einfacher ist, ihr richtet das System und seine Buttons zuerst so ein, wie ihr es für richtig haltet.

Der VelocityOne Flight hat alles, was ihr braucht

Der Schubquadrant, den ihr auf der rechten Seite anschließt, umfasst zehn anpassbare Tasten, ein Neigungstrimmrad, Schubhebel und mehr. Direkt vor euch vor dem Steuerhorn habt ihr zudem noch mehrere LED-Anzeigen für den Status eures Flugzeuges. Mithilfe des im Steuerhorn integrierten Displays schaltet ihr wiederum zwischen verschiedenen Profilen um, ändert die LED-Farben oder wechselt vom Xbox- zum PC-Modus und zurück. Es ist die kleine Kommandozentrale des VelocityOne Flight und ermöglicht schnelle Anpassungen.

Was die Verarbeitung anbelangt, setzt der VelocityOne Flight überwiegend auf Plastik. Erwartet kein Leder wie manchen der höherpreisigen Lenkräder, aber trotzdem fühlt sich das Steuerhorn gut an und liegt gut in den Händen. Die RGB-Beleuchtung trägt ihren Teil dazu bei, dass alles ein wenig mehr fancy aussieht, wenngleich ich das VelocityOne Flight insgesamt nicht als großen Blickfang bezeichnen würde. Aber gut, solange es seinen Dienst tut, ist das eher ein zu vernachlässigender Aspekt.

Auf dem Display am Steuerhorn nehmt ihr Einstellungen vor.

Öffnet ihr das Hauptteil des VelocityOne Flight auf der Oberseite, seht ihr dort zwei Schrauben und einen passenden Inbusschlüssel. Dreht die schrauben und auf der Unterseite kommen zwei einfache Halterungen zum Vorschein. Damit ließ sich das Gerät sogar ganz gut an einem Schreibtisch mit Schubladen anbringen, auch wenn ich eine der Schubladen dafür ein Stück weit geöffnet lassen musste. Aber besser, als sie für Lenkräder komplett herausnehmen zu müssen. Jedenfalls ist es schnell montiert und einsatzbereit, aufgrund nicht vorhandener Vibrationen muss es auch keine allzu komplexe Halterung sein.

Ein Vorteil ist, dass ihr die Halterung gar nicht erst einsetzen müsst. Ich stellte den VelocityOne Flight auf meinen Wohnzimmertisch und konnte so den Flight Simulator spielen, ohne dass er groß verrutschte, sofern ihr nicht mit aller Gewalt am Steuerhorn zieht. Kleinere Bewegungen des Geräts gibt es beim Steuern, aber nichts, was sich störend auswirken oder eine ständige Anpassung verlangen würde.

Wie fliegt es sich mit dem VelocityOne Flight?

Kommen wir zu einem der mit am wichtigsten Punkte: Dem Fliegen. Ist erst einmal alles angeschlossen, eingerichtet und funktioniert, transformiert der VelocityOne Flight das Fluggefühl im Vergleich zu einem normalen Xbox-Controller deutlich. Das Steuerhorn reagiert feinfühlig auf die kleinsten Bewegungen und setzt diese präzise im Spiel um. Es ist sehr leicht zu bedienen und alles funktioniert reibungslos. Für Flugmanöver müsst ihr das Steuernhorn weder komplett durchdrücken noch herausziehen, die Feinfühligkeit ist spitze und ermöglicht Präzisionsarbeit.

Mir machte das Fliegen damit ein gutes Stück mehr Spaß als mit dem gewöhnlichen Xbox-Pad und dessen Sticks. Erst recht, wenn ihr alles vernünftig und euren Wünschen entsprechend eingerichtet habt und euch später blind damit auskennt. Im Gegensatz zum Xbox-Gamepad bin ich beim Spielen mit Turtle Beachs Gerät nicht ein einziges Mal versehentlich abgestürzt. Mein einziger Crash war natürlich geplant, weil ich das Spiel sowieso gerade beenden wollte. Man fühlt sich mit dem VelocityOne Flight definitiv mehr wie ein richtiger Pilot. Wenn ihr euch jetzt noch ein Cockpit rundherum baut, ist die Immersion perfekt.

Das VelocityOne Flight in seiner ganzen Pracht.

Beim Belegen der Buttons auf dem VelocityOne Flight helfen übrigens einige Sticker, die mit im Paket liegen. So behaltet ihr bei individueller Belegung den Überblick. Der einzig nervige Faktor ist die erwähnte Notwendigkeit eines normalen Controllers oder einer Maus, um die so schon grausigen Menüs des Flight Simulators zu bedienen. Ständig das Pad griffbereit haben zu müssen, nur um etwa die Kameraperspektive zu ändern, ist nicht das, was ich unter einer intuitiven Steuerung verstehe. Aber der Ball liegt dahingehend nicht in der Hälfte von Turtle Beach, es ist die Aufgabe von Entwickler Asobo Studio, das möglich zu machen. Rein theoretisch sollte der VelocityOne Flight in der Lage sein, durch die Menüs zu navigieren.

Und was ist mit anderen Spielen neben dem Flight Simulator? Mit Elite Dangerous funktioniert der VelocityOne Flight etwa nicht, mit Star Wars Squadrons hingegen schon. Wobei ihr euch da aufgrund der Feinfühligkeit immer an das jeweilige Spiel anpassen müsst, was nicht immer einfach ist. Mein Vorschlag: Das Gerät ist primär für den Flight Simulator gedacht und in Anbetracht dessen solltet ihr euch auch nur darüber Gedanken machen. Wenn es mit anderen Spielen funktioniert, ist das mehr ein Bonus.

Turtle Beach VelocityOne Flight Test – Fazit

Für rund 380 Euro ist der VelocityOne Flight letztlich definitiv keine günstige Investition. Aber es ist auch kein Produkt, das sich nicht an Leute richtet, die nur hier und da mal eine Runde im Flight Simulator drehen. Zumindest würde ich euch, wenn ihr euch zu der Zielgruppe zählt, nicht zum Kauf raten. Wenn ihr aber jetzt bereits wisst, dass ihr in Zukunft noch viel Zeit mit dem Flight Simulator verbringen werdet, egal ob auf Xbox oder auf PC, ist es eine lohnenswerte und langfristige Investition. Der VelocityOne Flight macht seine Sache gut, mit ihm lassen sich die virtuellen Flugzeuge bestens steuern und er ist qualitativ gut verbaut. Für die nervigeren Faktoren beim Test können Turtle Beach und das Gerät selbst nichts, das liegt eher am Spiel. Insofern ist zu hoffen, dass die Implementierung solcher Systeme in Zukunft nur noch besser wird.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur und seit 2006 bei Eurogamer.de. Er schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps. Benjamin spielt Videospiele hauptsächlich auf Konsolen. Seine Expertengebiete sind breit gefächert, von Shootern und Action-Adventures über RPGs bis hin zu Sportspielen und Rennspielen. Zu seinen Hobbys gehören Lego, Science Fiction, Bücher, Filme und Serien sowie Star Wars und Star Trek.

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