Perfect Dark - Test

Die Beste macht das Licht aus

Perfect Dark in der N64-Version ist mit einem Metacritic-Schnitt von 97 Prozent das am sechstbesten bewertete Spiel aller Zeiten. Kein Wunder also, dass Microsoft Wert darauf legt, diesen Ego-Shooter-Klassiker aus dem Backkatalog von Rare zu seinem Xbox-Live-Arcade-Angebot zu addieren. Wie das mit Klassikern aber so ist, sind die oft nicht nur wirklich gut, sondern in erster Linie meistens richtig, richtig alt.

Besonders auffällig ist das bei 3D-Spielen, die in der Nachbetrachtung Jahre später ausnahmslos zum Wegschauen und Weinen aussehen. Nichts ist schließlich älter als die 3D-Grafik der letzten Generation - und das im Jahr 2000 erschienene Perfect Dark ist mittlerweile zwei Generationen alt. Außerdem ist der GoldenEye-Nachfolger ein Shooter aus der Ära vor Halo, als Ego-Spiele auf Konsole noch ausnahmslos ungenaue und ungelenke Steuerungslösungen hatten. So wurde PD etwa mit nur einem Analog-Stick im Sinn entwickelt. Alles andere als perfekte Voraussetzungen für eine 1:1-Umsetzung.

Trotzdem ist Perfect Dark ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass gute Spiele nie so wirklich alt werden. Sicher, hier hat man es nicht mit echt wirkenden Gebäuden und Straßenzügen zu tun. Weil sich das Leveldesign voll und ganz in den Dienst eines runden Missionsablaufs stellt, endet hier schon mal eine Treppe oder eine Straße vor einer unpassierbaren Wand, einfach, weil ihr an diesen Orten nichts zu suchen habt.

'Perfect Dark' Screenshot 1

Joanna in ihrer Posh-Spice-Tarnung

Perfect Dark ist eben keinem vermeintlichen Realismus verpflichtet. Es ist einer der letzten Ego-Shooter, in denen die Areale noch im klassischen Sinne Videospiel-Level sind - und keine Embedded-Journalism-Best-Ofs aus der Regie von Michael Bay.

Ein besonders motivierender Faktor ist das gewissermaßen modulare Missionsdesign. Jeder der 17 ausgeklügelten Aufträge des Science-Fiction-Shooters kann auf drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden angegangen werden: Agent, Special Agent und Perfect Agent. Während auf Agent selten mehr als drei Missionsziele erfüllt werden müssen, fallen auf Perfect Agent sämtliche kugelsicheren Westen aus der Rechnung, während die Feinde bedeutend zielgenauer und aggressiver vorgehen und die Missionsziele sich durchaus mal verdoppeln können. Toll ist, dass das Spiel sich dadurch nicht zu "billigen" Designmethoden herablassen muss, um euch die höheren Stufen zur Hölle zu machen. Es gibt keine Endlos-Respawns one-hit-killender Supergegner. Die Missionen selbst werden einfach schwieriger, während von euch höhere Präzision gefordert wird. Daran sollten sich viele heutige Studios ein Beispiel nehmen.

Bei der Gestaltung der Aufträge spielte das Sci-Fi-Szenario, in dem man als Joanna Dark für das Carrington Institut eine Verschwörung aufdeckt, den findigen Leveldesignern so geschickt wie vielfältig in die Karten: Mit Hacking-Tools wollen Computerterminals geknackt, Sicherheitsanlagen umgangen oder Computerviren hochgeladen werden. Man pappt Wanzen an Fluchtfahrzeuge, schaut mit Röntgenbrillen durch Wände und fernsteuert fliegende Mini-Kameras unbemerkt in gefährliche oder verbotene Bereiche. Für heutige Verhältnisse vermutlich unglaublich: Es gibt weder eine Karte noch einen Kompass mit Marker, der euch verraten würde, wohin ihr müsst und was dort zu tun ist. Alles, was ihr wissen müsst, verrät euch ein umfangreiches Text-Briefing, das ihr über die Back-Taste aufrufen könnt und auch solltet.

'Perfect Dark' Screenshot 2

Die Seitwärtsrolle des Todes ist eines der beliebtesten Manöver feindlicher Truppen.

Dabei kommt es zugegebenermaßen hin und wieder zu Trial-and-Error, weil man Wanzen oder Störgeräte am Ziel vorbeiwirft und diese nicht erneut aufheben kann, ein Terminal zerschießt, das man mit einem Hacking-Gerät unschädlich hätte machen sollen und in Bereiche hineinstolpert, die eigentlich nur für das fliegende Auge bestimmt waren.

Während einige das für ein steinzeitliches Design-Relikt halten dürften, so ist es doch gleichzeitig sehr reizvoll, beinahe wie in einem Point'n'Click-Adventure auszuknobeln, wo und auf welche Weise nun ein bestimmtes Gadget einzusetzen ist. Die Level brauchen in ihrer Gesamtheit selten länger als zwölf bis 13 Minuten, trotzdem könnte das Fehlen von Checkpunkten oder einer Speicherfunktion vielen ebenfalls sauer aufstoßen. Doch so tickt Perfect Dark einfach nicht. Es will nicht, dass ihr eine Mission auf Anhieb schafft, weil ihr euch von einem Speicherpunkt zum nächsten hangelt und euch zum Gesunden hinter eine Deckung begebt. Ihr sollt einen Level kennenlernen, die für euch perfekte Vorgehensweise ausbaldowern und Arbeit, Mühe und Leidenschaft in dessen Lösung stecken. Ein leichtes Zufallselement bei den Patrouillen und - vielleicht gewollte, vielleicht ungewollte - Anfälle von Hellsicht der KI sorgen dafür, dass reines Auswendiglernen nicht zum Erfolg führt und ihr oft genug auch einfach schnell reagieren müsst.

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Kommentare (10) Latest comment vor 2 Jahren

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  • gigsen #1 vor 2 Jahren

    das orginal hatte ich leider nicht aber das hol ich mir!
  • hulksta #2 vor 2 Jahren

    Das Original war schon super, hat leider geruckelt wie Sau.
    Das Remake habe ich mir direkt beim Erscheinen gesichert. Fängt den Scharm des Originals Perfect ein ohne das ich Augenkrebs bekomme.
  • crackajack #3 vor 2 Jahren

    Hab gestern die Demo angeguckt: im Gegensatz zur PD-Zero-demo bereitete es mir immer noch Spass.
    Das Original habe ich nie komplett durchgespielt. Schon der mittlere Schwierigkeitsgrad war mir zu heftig. Im Gegensatz zum Bruder aus dem selbem Haus wo ich 00-Agent packte.
  • Frybird #4 vor 2 Jahren

    Da ich in Sachen Ego Shooter beim PC angefangen habe gucke ich bei 10 Jahren alten Shootern in richtung Deus Ex oder dem zwei Jahre älterem Half-Life.

    Sorry N64 Fans, aber für mich wurden Konsolen-Ego-Shooter erst mit dem dramatisch unterbewertetem Red Faction und dem zugegebenermaßen in vielen Dingen Spirituellen Nachfolger von PD, Timesplitters 2 (Abgesehen von seiner Exklusivität jedoch habe ich nie verstanden, warum für die meisten Halo auf der Xbox der erste "richtige" Konsolenshooter war). Damals war einfach der PC zu weit voraus, und für jemanden der zu der Zeit eher PC gespielt hat wirkt auch in der HD Version Perfect Dark bestenfalls eigenartig...
    Editiert von 1 um 24/03/10 @ 11:21
  • Jimpanse #5 vor 2 Jahren

    @Frybird: Timesplitters2 war so genial!!! TS2 und Halo1 hab ich damals auf xbox1 bis zur vergasung gezockt :) bei TS2 bin ich immer als affe rumgerannt :) hehe
  • Lorrn #6 vor 2 Jahren

    ^^als was denn sonst? :D ohman, meine geilen timesplitters level liegen irgendwo auf einer alten xbox - vermutlich werden die level nun hochgelobt (die waren auch einfach geil!!!)
  • Majesty #7 vor 2 Jahren

    wie ich schon an anderer Stelle schrieb:für mich der beste Ego Shooter der je gemacht wurde:) Zock ich heute noch gern auf N64!!
  • Praetorianer #8 vor 2 Jahren

    Buhuhu ich hätte es so gerne für PC! So wie es ausschaut, wird Perfect Dark: Source aber wohl leider nicht fertiggestellt werden :(
  • --shady-- #9 vor 2 Jahren

    wow..mein lieblingsspiel auf dem n64(wie kinderkonsole? geb dir mal DAS*hihi*)..und auf der 360 allein mit der demo mehr spaß gehabt als mit ganz modern warefare 2..lad ich direkt runter wenn meine box zurück ist! SO müssen ego shooter sein*punkt*.
  • headrush #10 vor 2 Jahren

    Nostalgie pur, einfach nur phantastisch! Fehlt nur noch Golden Eye :)