Ninja Gaiden 3 • Seite 2

Metzelorgie

Dass es, gemessen an den Vorgängern, eine deutlich umfangreichere Story geben wird, wurde aber zweifelsfrei geklärt. Leider bleiben nach wie vor Ryus seltsame Blut-Tattoo-Linien Ziel weiterer Spekulation und ob diese wirklich eine Art Moral-System darstellen, indem sie die Ausrichtung des Ninjas repräsentieren.

Wenig Zweifel besteht außerdem daran, dass, solange kein QTE passiert, Ninja Gaiden zu leben beginnt. Das System bleibt simpel, der Schwierigkeitsgrad steigt aber wieder einmal schnell an und man spürt nach kurzer Zeit sehr deutlich, dass man die gegebenen Möglichkeiten geschickt einsetzen muss, um zu bestehen. Grundsätzlich wird euch ein leichter Schlag gereicht, ein schwerer dazu und ein paar Shurikens. Aus den ersten beiden formt ihr lange Kombos, die mit dem gelegentlichen Unterhandwurf abgerundet werden.

Durch Kills lässt sich ein Super-Angriff aufladen, der euch einen guten Teil der Feinde eines ganzen Raumes vom Hals schafft, aber bis es soweit ist, müsst ihr hart arbeiten. Kombo-Gameplay mit anspruchsvollem Timing war schon immer die Stärke von Gaiden und Teil 3 sollte dabei nicht enttäuschen. Sowohl die Abläufe als auch die Wucht der Kämpfe wirkten gleichzeitig fließend, aber mit der Stoppwirkung einer 200-fach gefalteten, stählernen Naturkatastrophe.

Und es blutet. Literweise. Der Kampf lässt nicht nur rollende Köpfe zurück, auch Verwundete und Verstümmelte, die davonkriechen, während sich Ryu schon der nächsten Runde übermütiger Gegner zuwendet. Um auch sie niederzuringen, fügen sich die Kombos immer schneller zusammen und auch hier taucht das gelegentliche Mini-QTE auf, um einen besonders spektakulären Move abzuschließen und das maximale Maß an Rot aus einer Attacke beziehungsweise seinem Opfer zu holen. Wer es besonders hinterhältig mag, darf sich anschleichen und mit ebenso ausufernden, comicartigen Blutmanövern ahnungslose Feinde von hinten oder durch lautloses Heruntergleiten von höher gelegenen Positionen niederstrecken.

Der Bosskampf läuft dann hammerhart ab. Nicht ganz so blutig, weil es sich um eine gigantomanische Roboterspinne handelt, aber eine, die definitiv alle Upgrades intus hat. Ein ganzes Raketenarsenal hält euch mit Dauerfeuer in Schach, schnelle Reflexe sind gefragt und das auch, wenn ihr es ihm überhaupt mal ein wenig zurückzahlen wollt. Der Roboter denkt gar nicht daran, euch ständig die verwundbaren Stellen zu präsentieren, sondern wendet diese geschickt ab. Ein knochenharter, die Pad-Finger weiß werden lassender Fight ganz im Sinne der Philosophie der Serie. Verbissen hart und doch irgendwo fair und machbar.

Die QTE-Einlagen sind aber nicht einmal das Rückständigste an Ninja Gaiden 3. Während die Optik an sich einen durchaus ansprechenden Eindruck hoher visueller Güte hinterlässt, scheint die Spielwelt keine Lust darauf zu haben, die Straßen von London näher kennenzulernen. Teilweise muss Ryu sogar von einer bestimmten Seite um kleinere Hindernisse wie Autos herummanövrieren, obwohl auf der anderen Seite der Weg frei scheint. Dort wartet aber nur eine der berühmten unsichtbaren Wände.

Gaiden war jetzt nie eine Open-World-Serie und soll es auch gar nicht sein. Aber man kann den Spieler auch zu sehr in seine Schranken verweisen. Zumindest lässt sich aber auch sagen, dass sich Tecmo bei der Optik deutlich steigern konnte, zwar noch nicht ganz auf das derzeitige Hoch-Niveau westlicher Entwickler, aber die Richtung stimmt. Mal sehen, was hier das Polishing der aktuellen Version binnen der nächsten Monate noch hinzuzufügen hat.

Der etwas überbordende Einsatz der QTEs ist eine etwas bedenkliche Entwicklung für eine Serie, die normalerweise ja ein in Grundzügen schlichtes, aber unglaublich hart zu meisterndes und flexibles Kämpfen zum Markenzeichen erklärte. Neben Hektolitern an Blut natürlich, aber diese Dämme brechen in Ninja Gaiden 3 eh schnell und stürzen alles in eine rote Flut. Prinzipiell gibt es nichts daran auszusetzen, dass das Kernspiel mit einer etwas umfangreicheren Story verziert wird und sich bei der Grafik auch ein Fortschritt zeigt.

Wenn da nur nicht die unsichtbaren Wände wären – aber im Gegenzug sitzt halt jeder Schlag mit einer so unnachahmlichen Wucht, dass man diesen Umstand zumindest vergeben, wenn schon nicht ganz vergessen kann. Am Ende spielt der englische Premier wahrscheinlich sowieso keine so große Rolle. In dieser Serie waren es schon immer die hinreißend harten Kämpfe und die hinterließen wie eh und je einen hervorragenden Eindruck.

Ninja Gaiden 3 erscheint 2012 für Xbox 360 und PlayStation 3.

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Kristian Metzger

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