Monaco: What's Yours is Mine - Test

Ob alleine oder in Gesellschaft, Spaß ist garantiert.

Monaco ist die halluzinogene Pac-Man-Version eines Raubüberfalls und verwandelt das oft träge Stealth-Genre in einen flotten Arcade-Titel, bei dem Reflexe genauso wichtig sind wie ein gut überlegtes Vorgehen. Anstatt ein kahles Labyrinth vor den Augen zu haben, blickt ihr auf die Blaupause eines Gebäudes. Dessen ausgegraute und beschriftete Räume füllen sich erst mit Neon-Farben und Details, wenn euer Sichtkegel durch Türen oder Fenster scheint oder ihr um eine Ecke blickt. Die bunten Pillen wurden gegen Münzen ausgetauscht, die euch neue Munition für Waffen geben oder den C4-Vorrat auffüllen. Keine Geister jagen euch durch die mit Lasern sowie Kameras versehenen Hallen, denn hier warten Wachen oder Bodyguards mit Pistolen bewaffnet auf unvorsichtige Schritte.

Keine Zeit für Pausen

Das Arcade-Feeling, das der Titel an jeder Ecke versprüht, kann sich wegen des freien Aufbaus jeder Karte gut entfalten. Hier wird haut euch niemand bei dem kleinsten Fehler auf die Finger und fordert einen Neustart. Monaco spielt sich besonders in den ersten Missionen sehr offen und erlaubt leichte Patzer, die nicht direkt zum Game Over führen. Wachmännern stolpern über euch und brauchen zuerst einen kurzen Moment, bevor sie die Verfolgung aufnehmen. Ein sich füllendes Fragezeichen über dem Kopf symbolisiert dabei ihre Aufmerksamkeit. Rennt schnell um die nächste Ecke und schon verlasst ihr die Gedanken eures Verfolgers. Monaco lässt euch in der Anfangsphase in Ruhe experimentieren und zieht danach Stück für Stück den Schwierigkeitsgrad nach oben.

Plötzlich zögern die Feinde nicht länger mit ihren Waffen und tauschen Pistolen gegen Maschinengewehre ein, die euch in wenigen Sekunden zu Pixelbrei verarbeiten. Auch ihre Wahrnehmung steigert sich. Befindet sich eine Wache mit euch im Raum, klebt ihr den Zeigefinger besser auf die Schleichtaste und seht zu, dass ihr keinen Alarm auslöst. Chancen dazu bieten sich praktisch überall. Ob nun Kameras, Laserschranken oder Bewegungssensoren am Boden, auf der gesamten Karte lauern Fallen auf eure Unachtsamkeit.

Haltet die Pfeiltaste beziehungsweise den Analogstick nur auf das gewünschte Objekt gerichtet und schon erklimmt ihr Leitern, knackt Schlösser oder hackt euch in das Sicherheitssystem.

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Markierungen auf dem Boden führen euch in die korrekte Richtung.

Zur Gegenwehr verstecken sich in jedem Areal mehrere Schalter beziehungsweise Computer, an denen ihr die Geräte ausschaltet oder für kurze Zeit umgeht. An manchen Personen schleicht ihr sogar unbemerkt in einer Tarnung vorbei. Alle Interaktionen in der Umwelt passieren ohne zusätzlichen Knopfdruck. Haltet die Pfeiltaste beziehungsweise den Analogstick nur auf das gewünschte Objekt gerichtet und schon erklimmt ihr Leitern, knackt Schlösser oder hackt euch in das Sicherheitssystem. Bis auf wenige Szenen, in denen ein klarer Weg eindeutig vorgegeben wird, entscheidet ihr euch für passende Strategien und Wege. Je genauer ihr die Orte untersucht, desto mehr Optionen erkennt ihr und entwickelt über die Zeit hinweg einen eigenen Spielstil.

Die üblichen Verdächtigen

Um die Mentalität des persönlichen Spiels zu fördern, versammelt Monaco acht verschiedene Charaktere, die neben ihrer eigenen Farbe auch eine spezifische Fähigkeit besitzen. In Windeseile Schlösser knacken vollführt ihr mit dem Locksmith, während der Cleaner als einziger unliebsame Personen ohne Werkzeug ausschaltet. Vier Figuren stellt euch das Spiel direkt zur Auswahl und versteckt die anderen vier im ersten Kapitel der Kampagne. Obwohl ihr jeden Auftrag mit einer beliebigen Person erledigen könnt, wurden bestimmte Missionen mit einer Figur im Hinterkopf programmiert. Wenn das gesamte Erdgeschoss einer Villa vor versammeltem Wachpersonal aus allen Nähten platzt, dafür allerdings wenige elektronische Fallen bietet, solltet ihr zum Redhead greifen. Die Dame wickelt Männer für kurze Zeit um den Finger, um unbeschadet an ihnen vorbeizuschlüpfen.

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Vor jeder Mission erfolgt ein kurzer Dialog zwischen den Figuren.

Dabei macht es für die Qualität eures Erlebnisses keinen Unterschied, ob ihr alleine auf Streifzug geht oder mit bis zu drei weiteren Personen den Überfall plant. Jedoch solltet ihr euch im Klaren sein, dass Monaco im Multiplayer zu einem vollkommen anderen Spiel mutiert, das zwar immer noch auf vorsichtiges Vorgehen setzt, aber gleichzeitig das Chaos zelebriert. Seid ihr im Singleplayer noch alleine für eure Aktionen verantwortlich, könnt ihr unmöglich ein Auge auf drei Räuber werfen. Egal, wie langsam ihr voranschreitet oder wie clever ihr die Fähigkeiten ausnutzt, irgendjemand stolpert nebenher über einen Laser oder zieht die Aufmerksamkeit einer Wache auf sich.

In diesem Moment verwandelt sich Monaco in einen Partyspaß, bei dem jeder unkontrolliert in sein Mikro brüllt, während er die eigene Figur solange durch die Gänge jagt, bis jeder Feind alarmiert und sämtliche Fallen aktiviert wurden. Und auch hier passt sich das intelligente Design erneut an die Spieler an. Denn selbst unter panischen Schreien und wildem Gerenne könnt ihr in den Zustand der Normalität zurückkehren, wenn es jeder zur nächsten Ebene des in drei oder vier Stockwerke unterteilten Levels schafft. Erreicht die Gruppe ein neues Gebiet, können alle beruhigt aufatmen. Zumindest bis zum nächsten gemeinsamen Sturz ins Chaos.

Auf die Auswahl kommt es an

Natürlich lässt sich jede Mission mit genügend Wissen, Taktik sowie Teamwork ohne einen einzigen Fehler bewältigen. Um nach dem ersten Akt die restlichen Aufträge freizuschalten, in denen ihr alte Diebstähle neu erlebt, müsst ihr dies sogar tun. In jeder Mission verstecken sich eine feste Anzahl von Münzen, die sich normal in neue Munition oder Gesundheit verwandeln, sobald ihr zehn davon einsammelt. Schnappt ihr euch alle Goldtaler, gilt der Level als perfekt abgeschlossen und hilft euch bei der Freischaltung zusätzlicher Kapitel.

Wollt ihr einfach nur dem Chaos freien Lauf lassen und sorglos durch die Areale spurten, könnt ihr dies ohne Restriktionen im ersten Akt ausleben, der bereits ein paar Stunden Zeit für sich beansprucht.

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Dieser Nachtclub gehört zu den kniffligsten Stellen im Spiel.

Eine wirklich innovative Art der Schwierigkeitsregulierung, die euch dazu zwingt, den Titel auf verschiedene Arten zu spielen. Wollt ihr einfach nur dem Chaos freien Lauf lassen und sorglos durch die Areale spurten, könnt ihr dies ohne Restriktionen im ersten Akt ausleben, der bereits ein paar Stunden Zeit für sich beansprucht. Wer die nächste Ebene sehen will, startet einen neuen Versuch und beobachtet dieses Mal die Umgebung näher, um die gegebenen Möglichkeiten auch wirklich auszuschöpfen. Es erhöht nicht nur den Wiederspielwert, sondern zeigt euch mehrere Wege, wie ihr Monaco erleben könnt. Sowohl alleine als auch lokal mit Freunden (auch am PC mit vier Spielern an einem Gerät!) oder Fremden im Internet. Wie ein wunderbarer Kuchen, der euch in jeder Schicht mit neuen Geschmäckern überrascht und den Sehnerv mit seiner wunderbaren Farbpalette massiert.

Ich hatte Monaco zu Beginn ehrlich gesagt nur der Optik wegen auf dem Radar. Und obwohl die Einzelteile aus steriler Blaupause, kräftigen Regenbogenfarben und Pixelfiguren faszinierend zusammenspielen, funktioniert es doch nur wegen des auf Hochglanz polierten Gameplays. Auch wenn ihr im Sekundentakt Alarme auslöst und die meisten Gebiete erst nach mehreren Durchgängen fehlerfrei übersteht, schiebt ihr die Schuld niemals dem Spiel in die Schuhe. Eher verflucht ihr eure eigene Dummheit, während ihr vor den schießwütigen Wachen flieht und dabei trotzdem Spaß habt.

Monaco lebt von seiner Vielschichtigkeit. Sei es nun in Form der acht unterschiedlichen Charaktere mit ihren persönlichen Fertigkeiten, den in Stockwerke unterteilten Arealen, dem spielerischen Unterschied zwischen Single- und Multiplayer oder den Aktionsmöglichkeiten in den Leveln selbst. Alle Lagen fügen sich passend zusammen und erzeugen eine Erfahrung, die ihr euch, egal in welcher Form auch, nicht entgehen lassen solltet.

9 /10

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Über den Autor:

Björn Balg

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Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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