Guardians of the Galaxy, Mud - Kein Ausweg

Der beste Star-Wars-Streifen seit 34 Jahren und ein McConaughey in Bestform.

Guardians of the Galaxy (2014)

Buch und Regie: James Gunn

Darsteller: Chris Pratt, Zoe Zaldana, Bradley Cooper, Dave Bautista, Vin Diesel, Lee Pace

Nicht der tollste Marvel-Film, aber der beste Star-Wars-Streifen seit 34 Jahren

Erinnert sich noch wer an die Ankündigung dieses Films? Noch 2012 quittierte fast jeder die Erkenntnis, dass dieser Nischen-Comic des Marvel-Universums einen zentralen Pfeiler von "Phase 2" darstellen würde, noch mit irritiertem Stirnrunzeln. Heute weiß jeder, wer die Guardians sind: Nach mehr als sechs Wochen in den amerikanischen Kinos ist der Film noch immer auf Platz eins, mittlerweile spielte er allein dort fast 300 Millionen Dollar ein. In Übersee läuft es nicht viel schlechter. Das Zuschauerecho ist unzweideutig, viele sprechen sogar vom besten Marvel-Film.

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Eine Bande grundverschiedener Helden und ein Artefakt unbändiger Macht. 'Business as usual' also?

"Es ist ein sagenhaft runder Film ohne jeden Tadel, dessen charmante Figuren ein hohes Tempo gehen."

Aber ist er das auch? Was er vor allem ist: Ungemein verquatschte Unterhaltung, der in jedem Augenblick ein treffsicherer Scherz auf den Lippen liegt. Es ist ein sagenhaft runder Film ohne jeden Tadel, dessen charmante Figuren ein hohes Tempo gehen. Genau die Sorte routinierte Unterhaltung, die im allerbesten Fall dabei rauskommt, wenn Marvel seine Helden von der Leine lässt. Ich habe jede Minute genossen, und doch steht Guardians für mich nicht an erster Stelle dieses Filmkosmos. The Avengers hatte nach holprigem Start die denkwürdigeren Ensemble-Momente. Guardians gewährt zwar ebenfalls jeder seiner Figuren gute Szenen, allerdings bleiben davon deutlich weniger hängen, vielleicht auch, weil der Plot mittlerweile etwas ausgelatschte Pfade abschreitet.

Auf der anderen Seite steht mit dem zweiten Captain America ein Film, der neben exzellenten Unterhaltungswerten sogar etwas zu sagen hat. Und ganz nebenbei würfeln die Brüder Russo das gesamte Marvel-Universum in ihrem Verschwörungsstreifen gehörig durch. Im Kontext dieser Kontinuität ein sehr viel ambitionierterer Film und deshalb im Ergebnis beeindruckender. Trotzdem kommt man um Guardians of the Galaxy mit seiner beneidenswerten Leichtigkeit kaum herum. Ich hatte beinahe vergessen, weshalb ich damals Star Wars so sehr liebte, bevor [ihr wisst schon was] passierte. Gunn und seine traumhafte Besetzung - allen voran Wrestler Dave Bautista als Drax the Destroyer, bei dem mir zunächst nichts Gutes schwante - gaben mir den Glauben an beschwingte Space-Opern zurück. Das war nach meiner Prequel-Verknöcherung (jetzt hab ich doch das "P-Wort" gesagt!) kein leichtes Unterfangen. Ziemlich Spitze!

Mud - Kein Ausweg (2012)

Buch und Regie: Jeff Nichols

Darsteller: Matthew McConaughey, Tye Sheridan, Jacob Lofland, Reese Witherspoon, Sam Shepard

Südstaatenporträt, Coming-of-Age-Drama und Thriller in einem

Die beiden Arkansas-Jungs Ellis und Neckbone entdecken auf einer Insel im Mississippi ein Motorboot in einer Baumkrone. Ein Jackpot für die abenteuerlustigen Vierzehnjährigen, allerdings stellt sich schnell heraus, dass sie nicht die einzigen sind, die Anspruch auf die ungewöhnliche Behausung erheben. Auch Mud (ein selten räudiger McConaughey) lebt dort und bietet den Jungs Geld an, wenn sie ihm Nahrungsmittel bringen. Seine Pistole im Hosenbund lässt nichts Gutes vermuten, so sehr der geheimnisvolle Heimatlose auch von der Liebe spricht, die ihn dazu bewegt, auf dem Eiland auf eine Frau zu warten. Anders als die Jungs ist man sich nicht einmal sicher, ob es sie überhaupt gibt.

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Schönling war gestern. McConaughey traut sich einmal mehr auf seine abgehalfterte Seite.

"Jeff Nichols zeichnet ein beherztes Porträt einer der einfachsten und ärmsten Gegenden der USA und beweist einmal mehr außerordentliches Feingespür für facettenreiche Figuren."

Autor und Regisseur Jeff Nichols (famos auch: "Take Shelter" mit Michael Shannon, in Mud in einer Nebenrolle zu sehen) zeichnet ein beherztes Porträt einer der einfachsten und ärmsten Gegenden der USA und beweist wieder einmal außerordentliches Gespür für facettenreiche Figuren. Die gefährliche Freundschaft zwischen Mud und Ellis sowie die komplizierte Beziehung zwischen McConaugheys Tagsdieb und Witherspoons vermeintlicher Femme fatale unterlegen den Streifen mit der Sorte unmerklich pulsierender Spannung, die dafür sorgt, dass man bei aller Coming-of-Age-Herzlichkeit ständig auf die Katastrophe wartet. Eine permanente Verunsicherung umfließt den Zuschauer trügerisch friedlich, wie der gewaltige Mississippi, für seine Anwohner Lebensquell und Todbringer zugleich.

McConaughey ist hier großartig, aber das war er auch in Killer Joe bereits und hätte er für Dallas Buyers Club nicht eine ungesunde Menge an Pfunden fallen lassen, hätte er für diesen Film schon eine vergleichbare Anerkennung erfahren. Es ist die kraftvolle, unschöne Darbietung eines Verlierers, der in einer besseren Welt keiner wäre. Enorm auch die Leistung des jungen Tye Sheridan, der als Ellis keinen Zentimeter des schlammigen Arkansas-Bodens an den groß aufspielenden McConaughey verliert. Klar, dass der fantastische Sam Shepard ebenfalls nicht anders kann, als einen kleinen, aber erinnerungswürdigen Auftritt abzuliefern. Große Freude machte sich ebenfalls breit, als ich bemerkte, dass sich der große Joe Don Baker offenbar bester Gesundheit erfreut. Leider ist in dem Film nicht mehr von ihm zu sehen. Dennoch: Mud ist in seiner Entromantisierung des Südens ein einnehmender und echt anmutender Film für Jungs und alle, die es mal waren.

Guardians of the Galaxy läuft aktuell im Kino. Mud - Kein Ausweg ist auf Blu-ray, DVD und digital erhältlich.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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