Nachdem dem einen oder anderen Leser die vor ein paar Wochen getestete, empfehlenswerte Steelseries-Apex-M-500-Tastatur trotz der eigentlich sparsamen Maße noch etwas zu groß war, schaute ich mich ein wenig im Segment der Tenkeyless-Keyboards um - Tastaturen ohne Zehnerblock. So spart man mal eben über den Daumen gepeilte 20 Prozent Breite. Ein schönes, transportables Maß. Ich stieß bei meinen Recherchen, so dachte ich jedenfalls, auf einen alten Bekannten. Beim näheren Hinsehen handelte es sich aber nicht um die fantastische Filco Majestouch 2 Tenkeyless, sondern um das nur etwas mehr als halb so teure Produkt der Berliner Firma Lioncast: die LK20.

Filcos Tastaturen gelten vielen Anwendern seit Jahren als Referenz, da war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand sich mit nur kleinen Anpassungen an deren Designs orientieren würde. Die Frage ist halt nur immer, ob die inneren Werte dem Vergleich standhalten. Kurzum: Nach zwei Wochen Dauerbetrieb mit dem flugs angefragten und gelieferten Testmuster bin ich ein Stück weit begeistert. Das Gefühl, mir eine billige Kopie ins Haus geholt zu haben, beschlich mich bei dieser USB-Tastatur zu keiner Sekunde.

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Schön schmal und sehr robust, die Lioncast LK20.

Der erste Eindruck hilft. Öffnet man die schwarz-blaue Verpackung, fällt einem einiges an Zubehör auf, das alles andere als selbstverständlich ist. Vier hellblaue, unbedruckte Tastenkappen, wenn man WASD einen verspielten Touch geben will, dazu das praktische Kappenheber-Werkzeug, das bei Mechanischen viel zu selten beiliegt und mir bei der ersten fälligen Reinigung sicher gute Dienste leisten wird. Dazu findet sich im Paket eine Handballenauflage aus Schaumstoff, die die gut zwei Zentimeter hohe Vorderkante der Tastatur spürbar abflacht, sollte man den bei mechanischen Tastaturen üblichen steilen Handgelenkswinkel nicht mögen. Allerdings muss man die ein paar Tage zum Lüften nach draußen legen, denn sie stinkt so frisch aus der Schachtel schon ziemlich nach Chemie. Trotzdem eine nette Dreingabe.

Von der restlichen Ausstattung ist es ansonsten eine ziemlich auf dem Boden gebliebene Tastatur. Das hier fällt auch in einem geschmackvoll eingerichteten Büro nicht weiter auf, gefällt mit dem rustikalen Charme eben einer Filco oder der von mir so hoch geschätzten Steelseries 7G. An der Vorderseite prangen Logo und der Slogan "Be part of the game", die Typenbezeichnung und der etwas redundante Hinweis, dass es sich um ein Gaming-Keyboard handelt, finden sich über den Pfeiltasten. Der Font ist angenehm und eigentlich unaufdringlich. Trotzdem hätten diese Details für meinen Geschmack etwas dezenter ausfallen dürfen.

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Die Handballenauflage müffelt zunächst ordentlich, aber das legt sich nach einer Weile an der frischen Luft.

Ein sehr nettes Feature ist die optionale Beleuchtung der Pfeiltasten und von WASD. Wer mag, regelt das in mehreren Stufen rauf und runter oder lässt das Licht sachte pulsieren. Für die nächste Revision sollte man vielleicht noch in Erwägung ziehen, diese beiden Tastenverbünde auch getrennt beleuchtbar zu machen. Die Pfeiltasten brauche ich nämlich so gut wie nie. Trotzdem schön. Extra Medientasten gibt es nicht. Die liefert Lioncast wie einige andere Hersteller auch als Doppelbelegungen der F-Tasten, wenn man zusätzlich die FN-Taste drückt, die den linken Windows-Key ersetzt.

So ruft ihr das jeweils in Windows zugewiesene Standardprogramm für Medienwiedergabe oder Internetbrowsing auf, öffnet den Explorer oder den Taschenrechner. F5 bis F8 pausieren, stoppen und skippen abgespielte Medien, F9 bis F11 regeln Lautstärke und F12 - einfach toll - sperrt die linke Windowstaste. So öffnet man in einer haarigen Mehrspielerpartie nie wieder versehentlich das Startmenü. Ein kleiner Schönheitsfehler sind die an der Vorderseite der F-Keys aufgebrachten Symbole, die ruhig etwas schärfer definiert sein dürften. Macht aber nichts, man erkennt, was es sein soll.

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Entweder mit beleuchteten WASD- und Pfeiltasten oder mit blanken blauen Caps auf WASD - gut sieht sie so oder so aus.

Vom Anfassen her macht das Ding direkt einen guten Eindruck: Es ist schwer, ziemlich verwindungssteif (vielleicht nicht überraschend auf der mit nur 35 Zentimetern sehr schmalen Breite) und gibt sich allgemein resolut verarbeitet. Gummifüße auf der Unterseite sorgen für sicheren Stand, optional darf man die LK20 auch noch mittels gummierter Klappfüße aufbocken. Feinkörniges Plastik für das Gehäuse, klassisch gröberes für die Tasten, deren Beschriftung recht hochprofilig und fühlbar auf den Kappen aufgebracht wurde, bis hierhin aber recht abriebfest scheint. Einzig die beleuchteten Keys bestehen ebenfalls aus dem feineren Kunststoff - ein leichter, aber nicht schwerwiegender Bruch in der Optik, an den man sich gewöhnt.

Zieht man die Keycaps von den Switches, lachen einen entweder blaue oder braune Cherrys an, unter Gamern beide eine beliebte Wahl. Von ihrem nicht-linearen Druckweg, Auslösepunkt und allgemeinen haptischen Feedback her unterscheiden sich beide eher auf dem Papier als vom Gefühl her. Fünf Gramm mehr Auslösegewicht brauchen die blauen, die dann einen hörbaren Klick von sich geben. Ich habe hier die nicht-klickenden braunen im Betrieb und freue mich im LK20 über ein über alle Tasten hinweg schön gleichmäßiges, befriedigendes und verhältnismäßig ruhiges Tippgefühl. Mir gefällt, dass ich direkt merke, dass die Taste ausgelöst wurde. Im Vergleich zu den linearen roten oder schwarzen Switches hämmere ich die Keys nicht so oft bis zum Ende des Weges durch.

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Schaut man so unter die Caps, sieht alles genau so wertig aus wie von außen. Nicht einmal die stabilisierenden Metallbügel unter den größeren Tasten, wie etwa der Leertaste, die heute so oft eingespart werden, hat man sich verkniffen. Allerdings muss man sagen, dass Lioncast es stellenweise mit dem Schmierfett etwas zu gut gemeint hat, das aus den Befestigungen der Bügel hervortritt. Hier dürfte sich schnell Staub verfangen. Weiß man aber darum, entfernt man überschüssige Reste kurz selbst mit einem Q-Tip oder ähnlichem. Vergoldeter USB-Stecker und n-Key-Rollover komplettieren einen aller Ehren werten Leistungsumfang, auch wenn das 1,8 Meter lange Kabel zur Abwechslung mal nicht textilumwickelt ist.

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Was soll ich sagen? Zu diesem Preis sind Verarbeitung und Lieferumfang wirklich bestens. Auch wenn wir es hier mit alles anderem als einem eigenständigen Design zu tun haben, zählt am Ende doch die Performance - und die überzeugt. Lioncast macht nicht den Anschein, irgendwo gespart zu haben, und fast wie selbstverständlich gibt es viele nette Details. Die beleuchteten WASD- und Pfeiltasten, die Ersatzkappen samt Heber oder die Handballenauflage, die ich persönlich zwar nicht brauche, aber mir trotzdem sehr willkommen ist.

Wer auf den Zehnerblock verzichten kann oder will, schlanke und mobile Keyboards schätzt, der ist mit der LK20 dieser Testphase nach zu urteilen kaum schlechter bedient als mit dem ungleich teureren Original. Diese Firma sollte man im Auge behalten.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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