Moderne Nostalgie: Call of Duty Modern Warfare Remastered

Das Denkmal des modernen Shooters wurde ordentlich poliert.  

Freunde, es ist Call of Duty 4: Modern Warfare. Das erste CoD, das sich nicht des Zweiten Weltkriegs als Bühnenbild bediente, sondern vor einem alternativen Jetztzeit-Szenario den Kampf gegen den Terror inszenierte. Bedeutet: westliche Spezialeinheiten in so richtig dreckigen Missionen - natürlich gegen böse Russen und noch viel bösere Araber.

Das hat 2007 funktioniert, der Kristian Metzger nannte das Spiel seinerzeit einen Meilenstein, das funktioniert auch neun Jahre später tatsächlich noch ausgezeichnet. Der Grund: Eine Eins-zu-Eins-Umsetzung des Originals durch Raven Software, die sich seit einigen Jahren mit Zuarbeiten zu der Ballerserie einen Namen gemacht haben. Optisch ordentlich aufpoliert, mit schicken Texturen und reichlich Details, die die Neuauflage des betagten Klassikers streckenweise wie einen aktuellen Reihenableger aussehen lassen.

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Der Klassiker Call of Duty 4: Modern Warfare wurde für die Neuauflage optisch ordentlich aufpoliert.

Auf dem Fan-Fest Call of Duty XP konnte ich zwar leider nicht die Kampagne anspielen, mich aber ausgiebig mit dem Multiplayer beschäftigen. Schon nach den ersten Runden Domination, ein Modus bei dem es darum geht, Schlüsselstellungen auf der Karte zu erobern und möglichst lange zu halten, war ich mitten in einem ausgewachsenen Nostalgie-Flash.

Keine in futuristischen Kampfausrüstungen steckenden Supersoldaten, die haushoch in die Luft springen und in einem irren Tempo an Wänden entlanglaufen, wie es seit Call of Duty: Advanced Warfare die Norm geworden ist. Keine Strahlenkanonen und Schutzschilde im Arsenal, nur ich und meine treue Uzi in einem knallharten Häuserkampf. Vorsichtig sprinte ich von Deckung zu Deckung, immer mit einem besorgten Blick auf die Fenster in den Ruinen um mich herum. Perfekte Plätze für Sniper, die es sich bequem gemacht haben und nur darauf warten, einen Augenblick des Übermuts mit einem Kopfschuss zu quittieren.

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Ein Versionsvergleich: Hier der richtig gut getarnte SAS Offizier MacMillan mit Scharfschützengewehr.

Im Vergleich zu den Spezialisten der letzen Call-of-Duty-Spiele fühlt sich jede Bewegung meines Soldaten erst einmal bleischwer an und die Überwindung eines Hindernisses dauert eine gefühlte Ewigkeit. Aber der Bewegungsminimalismus aus kurzen Sprints zur nächsten Deckung, Schleichen, Ducken und Kriechen unterstreicht nur die bekannte bodenständige Spielerfahrung.

Es kommt eben auf cleveres Taktieren, Teamkommunikation und die Beherrschung der Waffe an. Und auf das Sammeln von Erfahrungspunkten, mit denen ich mir mehr Gesundheit oder besondere Fähigkeiten und Ausrüstungsteile erkaufen kann. Beispielsweise Munition, mit der sich Wände durchschlagen lassen oder die Möglichkeit, den Voice-Chat des gegnerischen Teams abzuhören. Jede Verbesserung erhöht dann auch die Chance, einen Killstreak hinzulegen und zur Belohung den verheerenden Angriff einer Harrier-Staffel anzufordern. Bei den Kollegen in unserem Anspielraum ist das angenehm schnörkellose Oldschool-Geballere wohl auch gut angekommen, denn jeder Spielzug wurde von lauten Gebrüll respektive derben Flüchen untermalt.

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Und so sah MacMillian noch 2007 aus

"Wir wollten das Original weitgehend unangetastet lassen", erklärt mir David Pellas, Studioboss von Raven Software, im Gespräch. "Wir haben lediglich an einigen Stellen ein paar Animationen hinzugefügt. Beispielsweise bei dem Überspringen einer Mauer. Da blieb die Spielfigur erst einmal kurz stehen und zog sich dann hoch. Das haben wir mit einigen zusätzlichen Bildern flüssiger gestaltet. Das war es eigentlich." Eine klare Untertreibung, denn die Komplettsanierung betrifft keineswegs nur die Optik. Auch der Sound, der bei einem Kriegsspiel ja nun wirklich keine Nebenrolle spielt, bekommt eine Modernisierung spendiert. Aus den ursprünglichen Einkanal-Klängen wurden in aufwändiger Studioarbeit 7.1 Surround-Sounds, die mit satten Schussgeräuschen und wuchtigen Explosionen daherkommen.

Zudem wurden die bekannten Exploits, das Ausnutzen von Schwachstellen im Programmcode, entfernt. Beispielsweise gab es eine eingestürzte Treppe in einem Haus auf der Karte Backlot. Obwohl vom Layout der Karte nicht vorgesehen, konnte man das Hindernis überwinden und über den dritten Stock das Spielareal verlassen und an einer anderen Stelle wieder betreten. Direkt an einem perfekten Platz für einen Sniper, der dann unbehelligt das gegnerische Team zur Verzweiflung treiben konnte. Also durchforstet gar nicht erst die YouTube-Videos, die bekannten faulen Tricks kommen in der Remastered-Version nicht mehr zum Einsatz. Was geblieben ist, sind allerdings die sogenannten Skill-Jumps. Wer sich durch ausgiebiges Auskundschaften der Karte und Geschicklichkeit beim Springen und Klettern in eine vorteilhafte Position bringen kann, der soll das auch weiterhin machen können.

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Enthalten sind die Kampagne und der Mehrspielermodus mit 16 Karten. Ein echter Fan-Service, der allerdings vorerst nur zusammen mit Infinite Warfare verkauft wird.

Neben der Kampagne sind 16 Mehrspielerkarten enthalten, von denen zehn gleich beim Erscheinen im November verfügbar sind und sechs im Dezember kostenlos nachgeliefert werden. Allerdings gibt es Modern Warfare Remastered nur im Doppelpack mit den teureren Digital Deluxe- und Legacy-Editionen von Call of Duty: Infinite Warfare. Zumindest nach dem heutigen Stand der Dinge. Es ist durchaus denkbar, dass sich Activision später doch noch mal dazu entschließt, die gelungene Auffrischung des Ballerveteranen einzeln zu verkaufen.

Eine Sache sollte unbedingt noch erwähnt werden: Auch die Remastered-Version wird an zwei Stellen gekürzt sein. Warum? Weil das Original 2007 nur unter diesen Auflagen einen "frei ab 18 Jahren"-Aufkleber bekam und die ungekürzte internationale Version seit 2009 sogar auf dem Index steht. Nach zehn Jahren kann eine Streichung von der verhängnisvollen Liste der jugendgefährdenden Medien in einem vereinfachten Verfahren beantragt werden. Die Dekade ist aber noch nicht vorbei, also hätte eine erneute Überprüfung mit ungewissem Ausgang angestrebt werden müssen. Das hat man sich dann doch lieber gespart. Und ganz ehrlich, diese Streichungen sind jetzt auch kein herber Verlust, wenn der Rest immer noch so viel Spaß macht.

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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