ARMS - Test

Das Mario Kart unter den Prügelspielen.

Nintendo hat ARMS ja als Vorzeigetitel für die Switch angekündigt, vor allem, um die Joy-Con-Controller ein bisschen in Szene zu setzen. Und da sitze ich nun, habe brav die Plastik-Aufsätze mit Schlaufe auf die Controller gesteckt und fuchtle wie ein Irrer in der Gegend herum. Ich habe extra gewartet, bevor ich das ausprobiert habe, denn ich wollte nicht, dass das irgendjemand sieht. Tatsächlich bekomme ich die einfachen Schläge relativ gut hin - sogar häufiger als ich will. Manchmal klappt auch das Greifen des Gegners, für das ein paralleler Schlag mit beiden Armen erforderlich ist. In seltenen Fällen funktioniert das Blocken. Aber so gut wie gar nicht bewegt sich meine Spielfigur so, wie ich das gerade möchte. Meine Arme sind angespannt, ich versuche behutsam die Joy-Cons zu drehen, um eine einigermaßen gezielte Bewegung hinzubekommen, während ich mir schon wieder ein paar Kinnhaken des Gegners einfange. Auf relativ leichtem Schwierigkeitsgrad. Und deshalb: Eure Versuche mit der Bewegungssteuerung bei ARMS in allen Ehren, Nintendo, aber ich wechsle dann doch mal auf den Controller.

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Auch Kobras treffen nicht immer.

Und siehe da: Plötzlich spielt sich ARMS ganz anders. Ihr habt auf einmal die direkte Kontrolle über eure Figur, lasst die Fäuste auf Knopfdruck fliegen, schwitzt nicht mehr unnötig, weil ihr wild in der Gegend herumwedeln müsst. Dieser Artikel ist noch nicht lang und dennoch muss ich schon jetzt einfach sagen: Spielt ARMS mit dem Controller. Dann nämlich erwartet euch ein durchaus interessantes Spiel. Arms ist ein Prügelspiel, in dem ihr in eine von zehn Figuren schlüpft, die ihrerseits austauschbare Waffenarme haben. Alles ist dabei: Boxhandschuhe, Raketenwerfer, Schilde, Bohrmaschinen, riesige Gummihämmer, Wasserminen, Torpedos mit Gesicht, brennende Bumerangs. Was ihr euch so vorstellen könnt. Dabei kann jede Figur vor jedem Kampf zwei auswählen, für jeden Arm eins und das aus einem Repertoire von dreien. Letzteres lässt sich im Laufe des Spiels noch erweitern, aber dazu später mehr.

Euren ersten Kampf startet ihr beispielsweise im Grand-Prix-Modus, der ist aufgebaut wie in klassischen Prügelspielen auch. Ihr tretet gegen einen Gegner nach dem anderen an und müsst dabei zwei von drei Kämpfen gewinnen. Am Ende warten auf euch ein Halbfinal-Gegner, der sich von Figur zu Figur unterscheidet, und ein Boss, der immer derselbe ist. Habt ihr beide besiegt, dürft ihr euch freuen, dann habt ihr ARMS in einem bestimmten Schwierigkeitsgrad und mit einer bestimmten Figur durchgespielt. Schwierigkeitsgrade gibt's aber zehn und Figuren ebenfalls - und gerade wer neu einsteigt, wird am Anfang erst mal die leichteren Schwierigkeitsgrade testen wollen, um sich ins Spiel hineinzuarbeiten.

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Volleyball! Es sieht zwar nicht so aus, aber wenn ich diesen Ball nicht schnell genug zum Gegner boxe, explodiert er in meinem Gesicht.

ARMS ist nämlich kein gewöhnliches Prügelspiel, nicht nur, weil ihr das Geschehen aus der Ego-Perspektive seht. Die üblichen Moves (Hoher Schlag, mittlerer Schlag, niedriger Schlag, das gleiche nochmal für Kicks) gibt's hier nicht. Stattdessen könnt ihr genau auf zwei Arten zuschlagen: Mit links und mit rechts. Zudem könnt ihr springen und ausweichen und wenn ihr beide Punch-Buttons gleichzeitig drückt, dürft ihr den Gegner zu euch heranziehen und ihm eine extra Abreibung verpassen. Darüber hinaus lädt sich im Laufe der Spielzeit ein Punktekonto auf, das, wenn es denn mal voll ist, eine Spezialfähigkeit freischaltet. Die unterscheidet sich wiederum je nach ausgerüstetem Arm, so habt ihr beispielsweise ein effektvolles Raketen-Sperrfeuer zur Verfügung oder einen besonders wirksamen Elektroschock. Ihr müsst also nicht, wie bei Prügelspielen sonst üblich, jede Menge Tastenkombinationen lernen. Stattdessen solltet ihr hauptsächlich wissen, wie man gut ausweicht, wie man einen Angriff blockt und wie man den Gegner im richtigen Moment zu sich heranzieht.

Die Kämpfer unterscheiden sich dabei etwa so stark wie die Figuren bei Mario Kart: Nehmen wir den flinken Spring Man, der mit Leichtigkeit einmal die Karte von einem Ende zum anderen entlang hüpft. Er steht im krassen Gegensatz zu beispielsweise Master Mummy, einer schwerfälligen Mumie, die deshalb auch eher auf schwerfällige Arms setzt. Dabei muss es aber nicht bleiben, denn: Beim Kämpfen in der Kampagne oder im freien Kampf sammelt ihr Credits und die könnt ihr dann wiederum im Arms-Depot ausgeben. Was folgt, ist ein kleines Minispiel - ihr schlagt mit euren gefederten Fäusten auf eine Reihe von Zielscheiben und kommt so zu einem gewissen Punktestand. Zwischendurch könnt ihr aber auch neue Eigenschaften treffen und je nachdem, welche Figur ihr gewählt habt, dürft ihr dann auch mit dem Arms der anderen Kollegen spielen. Ein Spring Man mit den Arms von Master Mummy ist also zumindest theoretisch erst mal kein Problem.

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Aufgrund solcher Animationen fühlt es sich stets recht befriedigend an, einen Gegner zu Boden zu schlagen.

Wo ich eben schon den Vergleich zu Mario Kart ins Feld geführt habe: ARMS lässt sich ohne Probleme auch lokal an einer Konsole spielen. Nicht nur gegeneinander, was freilich jede Menge Spaß macht, nein, auch im Kampagnen-Modus. Dann treten eben zwei gegen zwei Kämpfer an und ihr dürft selbst auswählen, welchen ihr gerade angreift. Ein bisschen Spielerfahrung vorausgesetzt, erlaubt ARMS so präzise Absprachen und tolle Manöver, die dazu führen, dass der Computergegner gar nicht mehr so richtig aufstehen kann. Und wenn ihr derartige Manöver einmal gelernt habt, behaltet sie am besten für euch, denn ihr könnt sie auch im Zuge einer Online-Rangliste einbringen. Zumindest falls ihr im Einzelspielermodus gut genug seid - also mit mindestens einer Figur den Endboss auf Level 4 bezwungen habt.

Das war aber auch noch nicht alles, das euch ARMS an Abwechslung bietet. So ein Prügelspiel erschöpft sich ja ganz oft im gegenseitigen Kaputtschlagen. Nicht so hier. ARMS hat Spielmodi, bei denen ihr beispielsweise einen explodierenden Volleyball in das Feld des Gegners bugsieren müsst, es hat sogar einen Basketballmodus. Hier müsst ihr den Gegner selbst nehmen und ihn in einen Korb werfen, was oftmals gar nicht so einfach ist wie gedacht. Dafür spielt Waffenschaden hier keine Rolle. Alternativ gibt's auch noch die Variante „Ins Schwarze", bei der ihr eurem Gegner gegenübersteht und auf allerhand Zielscheiben schießt, wobei sich der Schadensmultiplikator erhöht, je mehr davon ihr trefft. Außerdem dürft ihr euch im Hundertkampf üben, wobei es hier darum geht, so viele schwache Gegner aufeinanderzuwerfen wie es nur irgendwie geht - wobei auch die von Runde zu Runde stärker werden.

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Vor jedem Match dürft ihr euch eure Arms aussuchen.

ARMS hat so alles, was ein Partyspiel mit sich bringen muss. Sobald ihr nur einen Zusatz-Controller gekauft habt, könnt ihr mit der Switch lokal angenehm gegeneinander antreten, aber auch gegen Computergegner (Zugegeben, es geht auch mit zwei Joy-Cons, Spaß macht das aber nicht). Seid ihr allein, könnt ihr mit allen Figuren den Grand-Prix durchkämpfen und immer besser werden, neue Fähigkeiten freischalten und eure eigenen, menschlichen Skills verbessern. ARMS macht einfach jede Menge Spaß. Auch wenn es nicht gerade ein E-Sport-Titel ist, denn manchmal ist das Spiel doch zu unberechenbar. Ihr könnt also nicht die Art von professionellem Spieler werden, wie ihr es meinetwegen bei Street Fighter seid. Bisweilen erscheinen mitten im Match heilende Items oder solche, die eure Spezialfähigkeit aufladen, und das geschieht oft nicht gerade zu Gunsten desjenigen, der gerade die Oberhand hatte. Nintendo ging es hier eben um Spaß.

Trotzdem: Ich habe mich jahrelang mit Spielen wie Mortal Kombat oder Street Fighter herumgequält, konnte immer ein paar Moves, habe aber nie die Brillanz derer erreicht, die echt gut darin waren. Genauso ging es mir letztlich bei Rennspielen. Und dann entdeckte ich irgendwann Mario Kart für mich, ich wurde gut darin und nur noch wenige waren in der Lage, mich darin zu schlagen. ARMS könnte das für Prügelspiele sein, was Mario Kart für Rennspiele ist. Eine simplifizierte Fassung, mit der auch Gemüter klarkommen können, die gerade nicht vorhaben, eine echte Roboterschlägerei zu simulieren. Wobei die Profis das durchaus können, denn die höheren Schwierigkeitsgrade sind erbarmungslos. Und Volleyball geht auch immer. Insofern: Round 1 - Fight!

Entwickler/Publisher: Nintendo/Nintendo - Erscheint für: Switch - Preis: etwa 60 Euro - Erscheint am: 16. Juni 2017 - Getestete Version: Switch - Sprache: deutsche Bildschirmtexte, englische Sprachausgabe - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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