Slime-san - Test

Bisschen Schleim gefällig?

Anspruchsvoller Pixel-Plattformer rund um Schleim über 100 Level mit jeweils vier Screens hinweg. Für Freunde von Super Meat Boy.

Der Schleim gehört wohl zu den ältesten andauernden Gegnerspezies im Computer- und Videospiel. Was daran liegen könnte, dass er besonders leicht darzustellen ist - man nehme einen Pixelbatzen, gebe ihm zwei Augen und unter Umständen noch einen Strich als Mund: Fertig ist ein wunderbarer Schleim, neben der Ratte einer der Standardgegner in diversen Startgebieten zahlreicher Rollenspiele. Als Hauptdarsteller hat man den Schleim bislang eher selten gesehen. Abhilfe schafft Slime-San für PC und Switch. Gewissermaßen eine Ode an den Schleim.

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Die Level in Slime-san sind nicht unbedingt immer ganz übersichtlich.

In Slime-san verkörpert ihr wie schon angedeutet einen Batzen Schleim. Der wanderte durch den Wald als er von einer riesenhaften Wurm-Kreatur gefressen wurde. Jetzt ist er in deren Magen-Darm-Trakt und muss sich den Weg zurück in die Freiheit hüpfen und springen. Freunde von erfolgreichen Indie-Plattformern wie Super Meat Boy oder Dustforce dürfen sich wohl fühlen - ihr kämpft euch durch 100 2D-Level, die aus jeweils vier Bildschirmen bestehen, vom Anfang bis zum Ziel. Zu kämpfen habt ihr unterwegs mit grünen Passagen - durch die kommt ihr nicht durch, es sei denn, ihr benutzt eine Art Zeitlupen-Modus. Dann nämlich könnt ihr euch wie von Zauberhand hindurchschleimen. Das sorgt durchaus für Herausforderungen, denn habt ihr beispielsweise zwei grüne Plattformen untereinander und wollt durch die erste fallen, durch die zweite aber nicht, müsst ihr darauf achten, rechtzeitig die Zeitlupe wieder rauszunehmen. Zusätzlich zu den grünen gibt es rote Plattformen, die sind grundsätzlich Tabu. Außerdem natürlich das in solchen Spielen übliche: Kettensägen und kleine Monster, was auch immer beides im oben erwähnten Riesenwurm eigentlich zu suchen hat.

Das Leveldesign der hundert Level ist gut gelungen und bietet anfangs unmenschlich wirkende Herausforderungen, die - ganz wie bei Super Meat Boy - die ihr mit ein bisschen Übung dann aber eben doch irgendwie bezwingt. Zumal eure Moral auch bei vielen Versuchen nicht zusätzlich dadurch geschwächt wird, dass ihr nach einem Ableben lange Wartezeiten in Kauf nehmen müsst. Seid ihr tot, seid ihr auch gleich wieder da. Gleiches gilt für die abartig schweren Endbosse. Auch hier zeigt sich, genügend Geduld vorausgesetzt: Probiert ihr es nur lang genug, kommt ihr immer ein kleines Stückchen weiter. Einen gewissen Zeitdruck gibt es aber auch. In den meisten Bildschirm beginnt irgendwann der Magensaft des Wurms zu steigen, wenn ihr nicht schnell genug seid. Der ist gnadenlos und bringt euch beim ersten Kontakt um. Frustrierend fand ich das beim Spielen allerdings genauso wenig wie die Levelstruktur. Der Neustart ist einfach wunderbar schmerzlos.

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Der Wurm-Magensaft nähert sich hier gerade gefährlich nah unserem Lieblingsschleim.

Hübsch ist Slime-san unterm Strich allerdings nicht so unbedingt. Ich habe nun wirklich nichts gegen Pixelgrafik, das ist in diesem Fall auch nicht meine Kritik. Merkwürdigerweise haben sich die Entwickler hier aber darauf eingeschossen, das gesamte Spiel in nur fünf verschiedenen Farben zu präsentieren. Derartige Beschränkungen können unter Umständen die Kreativität ankurbeln, wirken hier aber weder besonders Retro-verliebt, noch künstlerisch einzigartig, sondern leider nur ... naja, komisch. Ich sehe ein, dass die Farbcodierung das Spiel leichter lesbar macht als mit noch vielen weiteren verschiedenen Farben. Aber für's Auge, für meins zumindest, ist das Spiel leider eher nichts. Ich habe das Spiel auf der Nintendo Switch gespielt und da auch gerne auf dem kleinen Bildschirm. Gerade dort wurden Schriften doch teilweise fast unleserlich, die Pixelklumpen bisweilen nicht mehr so recht identifizierbar. Das eine oder andere mal bin ich auch gestorben, ohne wirklich zu wissen warum. Musikalisch werdet ihr mit Chip-Tunes-Musik beschallt, die zwar nicht auf die Liebe aller Spieler stoßen dürfte, insgesamt aber durchaus ins Ohr geht.

Positiv fällt dagegen der Umfang des Spiels auf. Wer wenig Geld hat und dafür viele Stunden mit nur einem minimalistischen Spiel verbringen will, das ihm ein Maximum an Fingerfertigkeit abfordert, für den ist Slime-san womöglich perfekt. Nicht nur, weil ihr insgesamt hundert Level bewältigen müsst, auch wegen all dem Kram drumherum. In jedem Bildschirm gibt es nämlich eine Münze einzusammeln. Dazu müsst ihr meist einen kleinen Umweg nehmen, der den Schwierigkeitsgrad auch noch einmal ein bisschen erhöht. Aber dafür könnt ihr shoppen gehen! Über dasselbe Menü, über das ihr auch die verschiedenen Level auswählt, könnt ihr auch den gewünschten Laden aussuchen.

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Nach jedem Level bekommt ihr eine kleine Statistik - ihr dürft also gern auch euren eigenen Highscore übertreffen.

Und da gibt es einiges: Ihr könnt euren Schleim beispielsweise upgraden, sodass er weiter springen kann oder höher. Ihr könnt eurem Schleim aber auch einfach einen neuen Hut oder eine Krawatte anziehen. Oder aber ihr entscheidet euch für eine neue Farbpalette des Spiels. Oder, und das ist natürlich irgendwie am besten, ihr verprasst euer Spiel in der internen Arcade-Halle. Dort gibt es allerhand Minispiele, inspiriert von Klassikern wie Pong, Zelda, Mario Kart oder sogar Doom. Die Entwickler möchten sichtbar, dass ihr euch hier austobt und Slime-san nicht einfach von Anfang bis Ende durchspielt.

Und das ist ein ehrenwerter Ansatz - lange am Stück kann ich das Spiel trotzdem nicht konsumieren. Slime-san bietet hervorragendes Leveldesign, die Steuerung funktioniert intuitiv. Aber die Präsentation hinkt dem hervorragenden Gameplay eben doch ein bisschen arg hinterher. Ich werde mit der Grafik einfach nicht warm und auch der Chiptunes-Soundtrack überlebt sich relativ schnell. Klar ist aber: Die Entwickler wollen hier niemanden übers Ohr hauen, Gameplay und Umfang sind ganz wunderbar. Insofern mag meine Unfähigkeit, mich mit Optik und Sound anzufreunden, schlicht Geschmackssache sein. Wer also etwa großer Fan von Super Meat Boy ist und dringend Nachschub sucht, darf hier genauso zugreifen wie jeder, dem pures Gameplay viel wichtiger ist als Grafik und Sound.

Entwickler/Publisher: Fabraz/Headup Games - Erscheint für: PC, Switch - Preis: 11,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: englisch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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