Die Siedler 2019 - Siedle, als wäre es '94 ...

... weil irgendwie fühlt es sich schon so an.

Die Siedler ist zurück. Juhu. Oder so. Die Reaktionen, dass der neue, nicht im Vorfeld der Gamescom angekündigte Ubisoft-Titel Die Siedler - oder vielmehr, weil international, The Settlers - heißt, wurde von so ziemlich jedem erstmal mit einer Frage kommentiert: "Das ist jetzt aber kein Mobile-Spiel, oder?" Wohlahnend, dass dann nicht ganz so viele Leute aufgetaucht wären, hielt man also mit dem altehrwürdigen Siedler-Namen hinterm Berg, bis wir sicher in der Kammer saßen und nicht mehr so leicht flüchten konnten.

Was dann folgte, war... Die Siedler. Sicher, es war HD, es war hübsch, aber am Ende des Tages war das die Siedler. Etwas wuseliger als auf dem Amiga vor so langer Zeit, etwas komplexer und in den Mechaniken dahinter ausgefeilter, aber es war unverkennbar, ganz eindeutig und absolut Die Siedler. Hier kann ich jetzt Schluss machen, oder? Ich meine es ist die Siedler, lest diesen Test der Power Play aus dem Jahr 1994 und ihr wisst, was los ist.

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Okay, es sieht schon schicker aus und hat auch mehr unter der Haube, aber der Spirit of '94 ist definitiv da.

Na gut, ein wenig frischer ist es schon, die Serie hat ja eine gewisse Feature-Historie und so suchte man sich für den Relaunch der Reihe das raus, was wichtig schien. Das wäre erst einmal das Grundlegende eines Aufbaus: Ressourcen. Ihr habt die Kette aus Rohstoffen, die zu erst einfachen Produkten und später deren Verfeinerung durch eine Reihe an Handwerkern führen. Angefangen mit dem Typen, der Eisen abbaut oder Bäume fällt geht es weiter zum dem, der damit das Schwert schmiedet und dem Meister, der es zu einer würdigen Klinge aufwertet. Oder eben Werkzeuge aller Art, die einen solchen Prozess durchmachen, denn schließlich ist Die Siedler nicht in erster Linie Krieg, sondern Aufbau und Expansion. Was oft genug Krieg mit sich bringt.

Ihr landet also mit einem Schiff an unbekannter Küste, ein Großteil der Karte unzugänglich und auf der Karte ausgegraut. Ein paar Leute schickt ihr in die Wälder, ein paar andere in andere Wälder, einige holen Kaninchen, andere Holz, Hütten entstehen, Straßen werden gezogen, um den stetiger werdenden Fluss von Siedlern in gelenkten Bahnen zu halten. Langsam sortiert ihr euch die einfachen Arbeiter, einige werden zu Spezialisten, andere absolvieren in sehr niedlicher Animation ein Training für die Red-Shirts - das Militär trägt hier rot. Ich habe nur eine Viertelstunde davon gesehen, in drei kurzen Phasen von der Landung bis zu einer mittelgroßen Siedlung mit einer nun wunderbar einfach und natürlich zu ziehenden Mauer. Und in dieser kurzen Zeit setzte sofort der Reflex ein, dass ich das spielen will. In einer langen, langen Nacht, mit ein paar guten Bieren und bis in die frühen Stunden. Es war seltsam, dieses heimisch vertraute Feeling in der stickigen Demo-Kammer der Gamescom zu haben, aber es zeigt doch, dass sie den richtigen Nerv treffen, den ich bei mir und den Siedlern schon lange für verloren hielt.

Die letzten Minuten mussten natürlich noch mal die Soldaten ran und persönlich hielt ich die Scharmützel um Grenzverschiebungen immer für den schwächsten Aspekt der Siedler. Sicher, in den ersten Teilen war es okay, aber irgendwie hielt ich es immer für eine schwächere Form von Populous 2 damals und heute für eine schwächere Version von Stronghold. Zumindest das Bisschen, was in drei Minuten zu sehen war und noch fast ein Jahr in der Entwicklung zubringen wird. Also Schwamm über meinen Pessimismus und gucken, was wird.

Was schon ist - wie die Live-Demo-zeigte, als sie abstürzte, um die Ehrlichkeit ihrer Existenz zu beweisen - und was gerade auf diesen Mikro-Level begeistert, ist: nichts kommt aus dem Nichts. Jedes Produkt, jeder Gegenstand, jede Waffe hat eine mal kurze, mal lange Produktionskette hinter sich, die ihr komplett von A bis Z nachverfolgen könnt. Sicher, große Wirtschaftssims machen das fast grundsätzlich, aber es auf dem Level zu sehen, bei dem sich die Handwerker die Hand geben, ist so viel persönlicher. Und um einen Beitrag zu Gender-Debatte zu leisten, die Siedler sind komplett emanzipiert. Es gibt keinen Job, den ein Mann oder eine Frau nicht tun würde. Außer nachvollziehbar kleine Siedler zu produzieren, denn dazu sind sie zu beschäftigt. Was die Frage aufwirft: Sind es überhaupt Männer und Frauen und nicht doch Aliens, die sich zwischen zwei Broten und Schwertern durch Zellteilung mehren ... ? Alles andere ist hier so exakt nachvollziehbar, warum nicht auch das?

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Die können mich dann nächsten Herbst auch begeistern. Ein wenig die Red Shirts polieren, dann wird das.

Wie die Gedanken in so kurzer Zeit doch abdriften können. Es ist noch ein Weilchen hin, bis gesiedelt wird, aber der erste Eindruck ist tadellos. Das ist Die Siedler und nichts anderes. Wenig Experimente, zurück zu dem, was die Serie so liebenswert machte. Das in zeitgemäß hübsch, komplex genug wirkt es auch, ich weiß nicht, was schiefgehen könnte. Der eine Absturz wird ja wohl kaum ein Omen sein, sondern die erfrischend ehrliche Feuertaufe - lief ja gleich wieder - eines vielversprechenden Pre-Alpha-Builds, auf den sich alle freuen dürfen, die heute noch gerne so siedeln wollen wie früher.

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Über den Autor:

Martin Woger

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