Kennt ihr diese Kugellabyrinthe aus Holz, bei denen ihr mit zwei Drehknöpfen eine Kugel zum Ziel manövrieren müsst, ohne dass sie herunterfällt? Falls eure Antwort ja ist, habt ihr jetzt schon grob begriffen, wie Arca's Path funktioniert. Ich habe selten ein Spiel erlebt, bei dem schon auf den ersten Blick genau klar ist, was ich zu tun habe und wie ich das Spiel steuern kann. Das liegt unter anderem daran, dass ich in diesem Fall nicht mal meine Hände brauche. Was zählt, sind allein eure Kopfbewegungen. Damit steuert ihr einen kleinen Ball durch ein Labyrinth, sammelt unterwegs Diamanten und gelangt schließlich zum Ziel des Levels.

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In dieser virtuellen Realität könnte sich Arca eigentlich wohl fühlen. (Arca's Path - Test)

Nun geschieht das nicht einfach so, die Entwickler versuchen durchaus, euch einen Story-Kontext zu liefern. Arca's Path spielt in einer postapokalyptischen Welt. Die junge Arca trifft eine Androidin, die zu besseren Zeiten dazu diente, kleine Kinder zu umsorgen. Jetzt geht das nicht mehr, weshalb sie Kinder sucht, die sie einfangen und behalten kann. Genau das geschieht mit Arca, der sie prompt ein VR-Headset auf den Kopf setzt - darin findet sich die Protagonistin nun als kleine Kugel wieder, die in der virtuellen Realität einen Weg zurück in die echte Welt finden muss. Ihr seht schon, die Story wirkt ein bisschen bemüht. Allerdings fügt sie sich durchaus ordentlich ins Spiel. Während Arca zu Beginn noch begeistert von der virtuellen Realität ist, weil sie grün ist und blüht, ganz im Gegensatz zu ihrem von Schrottplätzen dominierten Alltag, wird die Umgebung in späteren Spielabschnitten dunkler und komplexer, der Hintergrund flackert, als gäbe es hier ein paar Mechanismen, die sich gegen Arcas Versuch wehren, diese Welt wieder zu verlassen.

Aber ja, Arca's Path besticht nicht durch seine Geschichte, sondern durch sein einfaches, eingängiges Gameplay. Indem ihr euren Kopf dreht und neigt, bewegt ihr auch einen Cursor über die Spielwelt. Dessen Position zeigt die Stelle an, zu der die Kugel als nächstes rollt. Ist der Cursor weiter weg, nimmt sie an Geschwindigkeit auf, ist er näher dran, rollt sie eher langsam. Verrenken müsst ihr euch nicht, das System reagiert ziemlich empfindlich. Für jemanden, der euch beobachtet, dürfte es fast aussehen als würdet ihr gar nicht spielen, so geringfügig bewegt ihr euren Kopf teilweise nur. Und genau das fühlt sich unheimlich entspannend an.

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... in dieser schon nicht mehr so sehr. (Arca's Path - Test)

Die Art der Steuerung hat mich positiv überrascht, denn ich habe ernsthaft erwartet, hier mit Nackenkrämpfen kämpfen zu müssen. Ist aber nicht so. Im Gegenteil, mit fällt es in Arca's Path sehr leicht, alles um mich herum komplett zu vergessen und mich nur auf das Spiel zu konzentrieren. Schon fast meditativ fühlt sich das an, wenn ihr da sitzt, theoretisch noch nicht einmal den Fernseher angeschaltet haben müsst und euren Kopf millimeterweise bewegt, um einen kleinen Ball zu bewegen, den nur ihr seht und sonst niemand. Gerade zu Beginn ist das Spiel nicht sonderlich herausfordernd, die meisten Streckenabschnitte haben rechts und links Banden, die verhindern, dass euer Ball allzu leicht herunterfallen kann. Was nicht bedeutet, dass ihr hier völlig sorglos agieren könntet, denn auch es gilt: Hat euer Ball eine zu hohe Geschwindigkeit, springt er möglicherweise über die Hürde.

Arca's Path fühlt sich deshalb teilweise an wie eine moderne Version des Arcade Klassikers Marble Madness. Ihr müsst die Kugelphysik in gewisser Weise verinnerlichen, um das Tempo des Spielgeräts zu managen und so vor eventuellen Abgründen noch zur Ruhe zu kommen. Im weiteren Spielverlauf fallen besagte Banden teilweise auch weg, sodass ihr dann mit einer gewissen Ruhe an das Spiel herangehen müsst. Der Cursor darf dann nur ganz kurz vor dem Ball sein, damit er sich nicht zu schnell bewegt und unkontrollierbar wird. Einmal versucht mit dem Genick zu knacken? Ball im Abgrund. Einmal überrascht worden, weil jemand spontan die Zimmertür geöffnet hat? Ball im Abgrund. Einmal am Kopf gekratzt? Vielleicht reicht auch das schon, damit der Ball im Abgrund landet.

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Ihr könnt die Diamanten links im Bild sammeln, müsst aber nicht. (Arca's Path - Test)

Die gute Nachricht ist aber, dass das nicht viel ausmacht, weil die Checkpoints meistens sehr fair gesetzt sind. Zumal bleiben einmal gefundene Diamanten auch noch eurem Absturz in eurem Besitz. Die haben übrigens auch einen Zweck. Habt ihr nämlich alle gefunden, schaltet ihr in jedem Level einen Time-Trial-Modus frei, eine zusätzliche Herausforderung also, sämtliche Level nochmal auf Zeit zu spielen und dadurch verschiedene Medaillen freizuschalten. Pro Level gibt es eine unterschiedliche Anzahl dieser Diamanten, mal sind sie mehr, mal weniger gut versteckt, häufig aber verlangt das Spiel von euch, dass ihr nach alternativen Wegen sucht, bevor ihr den offensichtlichen Pfad weiter entlangrollt, um alle zu bekommen.

Ich will nicht zu viel versprechen: Arca's Path ist letzlich nicht viel mehr als das eingangs erwähnte Kugellabyrinth. Es hat 25 dieser Labyrinthe, für jedes braucht ihr zwischen drei und zehn Minuten. Ihr könnt euch ausrechnen, dass die Spielzeit bis zum Ende nicht gerade lang ist, zumindest dann, wenn ihr nicht wirklich alle Diamanten sammeln und in den Time-Trial-Modi auch noch Bestzeiten erreichen wollt. Aufs Durchspielen und damit auch auf die schiere Spielzeit kommt es bei diesem Titel aber vielleicht auch gar nicht an. Es ist wirklich die Erfahrung an sich, das Erleben der Ballsteuerung, mal schnell, mal unkontrolliert, mal ganz langsam und vorsichtig.

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Manchmal gibt euch das Spiel recht klar vor, wohin ihr zu rollen habt. (Arca's Path - Test)

Auch wenn das Spielprinzip simpel ist: Ich möchte Arca's Path nicht missen. Ich hatte einen wahnsinnigen Spaß damit, der mir meistens erst dann bewusst geworden ist, als ich nach Stunden das Headset wieder vom Kopf genommen habe und Mühe hatte, mich in der echten Welt wieder zurechtzufinden. Arca's Path findet eine neue Variante, wie VR genutzt werden kann, die Entwickler erdachten eine unkomplizierte Kopfsteuerung, die sehr schnell in Fleisch und Blut übergeht. Und genau das macht das Spiel so gut. Ihr kommt furchtbar schnell in einen Zustand, in dem ihr gar nicht mehr wahrnehmt, dass ihr gerade spielt. Das ist VR wie VR sein sollte.

Entwickler/Publisher: Dream Reality Interactive/Rebellion - Erscheint für: PSVR, Oculus Rift, HTC Vive, Samsung Gear VR, Oculus Go, HTC Focus - Preis: Konsole und PC: 16,99 Euro, Autarke VR-Systeme: 8,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PSVR - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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