Guter Kampfrhythmus und intelligente Move-Ergänzungen bieten ein immer noch solides Einsteiger- und Fun-Turnier-Erlebnis.

Dead or Alive ist für eine Sache bekannt und das sind weibliche Körperformen. Was ehrlich gesagt schade ist, denn eigentlich ist die Reihe mit ihrem schnellen, mehr auf Timing als komplexe Specials fixierten Kampfsystem ideal, um Zugang zu den komplexeren Turnier-Fightern zu finden. Es kommt weniger darauf an, für jeden Kämpfer sechs Fingerbrecher zu lernen, sondern die Moves des Gegners zu erkennen und auszunutzen, alles über vier einfache Tasten auf dem Pad.

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Schnelle Schlagabfolgen mit dem richtigen Timing, das ist das Herz des Spiels.

In diesem Punkt hat sich bei Dead or Alive 6 nicht viel geändert. Auf den einfacheren Schwierigkeitsgraden reicht ein wenig Button-Mashing völlig aus, um sich gut zu fühlen und weiterzukommen und selbst auf dem höchsten "True Fighter"-Level überlebte ich die eine oder andere Runde in zumindest relativer Unkenntnis der Spezialitäten eines mir nicht vertrauten Kämpfers. Etwas, das in Street Fighter oder Mortal Kombat praktisch unmöglich wäre. Wer einfach Lust auf ein sich flüssig und nett spielendes Prügelfest, nicht viel Ahnung vom Genre hat und trotzdem Treffer landen will, für den ist das sicher nicht der schlechteste Ausgangspunkt. Vor allem jedoch fühlt es sich gut an. Ihr habt schnell Routine in den kleinen Kombos, diese werden präzise und gut fühlbar durch das Pad auf den Screen gebracht und auch wenn selten die Wucht eines Mortal Kombat hinter den Schlägen steckt, es hat den Martial-Arts-B-Movie-Flair, den man bei so etwas haben möchte.

Für etwas mehr Tiefe sorgt das Konter- und Break-System, das zu unvorsichtig drauflosprügelnde Spieler angemessen bestraft. Das und manchmal reicht auch ein Seitschritt in die Tiefe des Raumes, denn viel offensives Hüpfen findet ihr hier immer noch nicht. Der Break-Blow und Hold liegt auf einer eigenen Taste und variiert, ob ihr euch zum Gegner hin- oder wegbewegt. Letzteres sorgt für einen sehr eleganten Konter, der euch in der Regel direkt im Rücken des Gegners positioniert. Geht es zum Gegner hin und ist eure sich aufladende Break-Anzeige gut gefüllt, könnt ihr eine cineastische Vierer-Kombo landen, die mit einem besonders effektiven Move abschließt. Wie auch die normalen Moves sind diese Breaks keine Kunst in der reinen Pad-Beherrschung, es geht "nur" darum, wann genau und mit welcher Positionierung ihr sie für maximale Effizienz ausführt. Wie sehr man das optimieren kann, das dürft ihr euch im ausgesprochen mageren Online-Modus angucken - es gibt nur Ranked Matches, immer noch keine Lobbys -, wo euch Pros das gern demonstrieren.

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Insgesamt ist man etwas züchtiger geworden ...

All das funktioniert seit Jahren solide, ohne die ausgefeilte Spieltiefe des Konkurrenz zu erreichen. Was auch nie das Ziel von Dead or Alive zu sein schien und auch völlig okay ist. Es darf ruhig einen etwas oberflächlicheren Fighter geben, außerhalb des Anime-Bereiches ist die Konkurrenz dafür eh nicht vorhanden. Was niemand wirklich erwarten sollte, ist der irgendwann mal angekündigte Sprung in Richtung E-Sport, das gibt die Engine wie auch Fan-Basis kaum her. Trotzdem, Spaß mit immerhin stolzen 27 Charakteren lässt sich hier auf jeden Fall haben. Auch, weil die Technik nicht mehr annähernd so rückständig wie noch bei DOA 5: Last Round wirkt. Die neue Engine inszeniert vor allem die Kämpfer sehr ordentlich, nur bei den Hintergründen ist man meilenweit davon entfernt, so zu beeindrucken, wie es damals DOA 3 auf der Xbox beispielsweise tat. Selbst wenn der Dino-Stage oder das Museum ein paar nette Gimmicks bereithalten, schön ist was anderes.

Auch in Sachen Spielmodi hat man zugelegt, wenn auch eben nicht im Online-Bereich. Dort sollen die fehlenden Lobbys noch diesen Monat per Patch nachgereicht werden, aber offline habt ihr eine solide Auswahl an Beschäftigungen. Der Story-Modus ist dabei wieder ein konfuses Monster, das sich aus zig einzelnen Szenen und Kämpfen etwas mit Sauriern, Klonen, KI, Ninjas und allem sonst zusammenreimt und jeden, der auf der Suche nach Kohärenz sein könnte, im Staub zurücklässt. Es ist Spaß, chaotischer, primitiver, oft mehr als nur etwas dämlicher Spaß, der aber sicher nicht mit einem Injustice oder auch nur Soul Calibur konkurrieren kann.

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... oder vielmehr hat man die alte Freizügigkeit diesmal hinter die Paywall gepackt.

Es gibt einen Arcade-Modus, aber ohne Intro- oder Extro-Filmchen, einfach nur ein Fighter und ein paar zufällige Gegner aus dem 27er-Pulk. Spannender ist da schon der Quest-Modus, über 100 Herausforderungen, bei denen ihr mit einem bestimmten Kämpfer drei verschiedene Sachen in einem Kampf vollbringen müsst. Das erste ist in der Regel gewinnen und danach folgen Sachen wie ein perfekter Sieg oder immer schwieriger werdende Moves und Kombos teilweise mehrfach ausführen. In der einen oder anderen Form altbekannt, motivierend und vor allem sehr lehrreich, denn mehr als einmal habe ich mir den zugehörigen Trainingsraum aufgerufen, um das Verlangte zu üben.

Was ihr dann vor allem im Quest-Modus, aber auch in den anderen Modi freischaltet, das bringt uns zum Einleitungssatz zurück: Weibliche Körperformen. Und hier macht Dead or Alive 6 klar einen Rückzieher im Vergleich zu früher. Soul Calibur war da zuletzt deutlich schamloser, was aber auch daran liegt, dass dort nicht alle knappen wie auch weniger knappen Kostüme hinter einer massiven Paywall - fast 100 Euro für das Freischalten aller Kostüme und gerade mal zwei neue Kämpfer in etwas, das den Begriff Season Pass nicht verdient, weil dahinter noch mal mehr Bezahlinhalte folgen. Tecmo war bei DOA noch nie zurückhaltend, was das angeht, aber wenn ihr überlegt DOA 6 für knappe Outfits zu kaufen, dann lasst es. Ich kann jetzt nicht sagen, dass etwas mehr Züchtigkeit dem Spiel schlecht tut, es wirkt mehr wie ein normales Spiel, das nicht nur mit dem Physik-Schieberegler - den es natürlich noch gibt - auf sich aufmerksam macht.

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Die Breaker sehen nett und wuchtig aus, sind aber bei weitem nicht so dramatisch wie ihre Äquivalente in anderen Spielen.

Aber ja, nackte Geldgier über normales Maß ist vorhanden und dazu kommt, dass ihr zwar einiges auch so freischalten könnt, das aber in einem komplett zufallsbasierten System, das vage an Lootboxen aus der Hölle erinnert. Ihr bekommt nicht ganze Outfits freigeschaltet, sondern nur Teile und Punkte für das Freischalten. Es kann also vorkommen, dass ihr vier Stunden spielt - so wie ich einen Abend - und am Ende gar nichts habt, was ihr wolltet und eigentlich nicht mal wirklich irgendwas. Es ist alles eine Studie, wie man Freischalten nicht entwerfen sollte, aber zumindest sind alle Kämpfer direkt verfügbar und insoweit berührt das alles nur die eigentlich irrelevanten Teile des Spiels.

Spannend und ungewöhnlich ist die "Core-Fighters"-Version: Das ist eine Free-2-play-Variante, in der ihr die meisten Modi abzüglich der Story habt und nur vier Kämpfer. Zum Anspielen und ein wenig Spaß haben perfekt, also ruhig herunterladen. Hier kauft ihr dann einzelne Kämpfer für 4 Euro das Stück nach oder etwas günstiger im Pack. Die Story kostet 20 Euro - die ich niemals dafür ausgeben würde - und insgesamt und alles zusammen ist es dann natürlich etwas teurer als die normale Version. Trotzdem, eine gute Demo mit optionalem Ausbau.

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Ein Klassiker? Nein, aber immer noch für ein paar Runden gut.

Dead or Alive ist schon lange nicht mehr relevant, weder als Mainstream-Grafikdemo, wie es das zu Teil drei noch war und schon gar nicht in den "ernsten" Turnier-Fighter-Zirkeln. Ein leicht sexistisches - oder "kulturell anders ausgerichtetes" - Relikt aus vergangenen Tagen, das keiner mehr braucht. Oder? Wie viele der aktuellen Fighter kann man einfach einlegen, keine Ahnung von auch nur einem Special-Move haben und trotzdem bis zu einem gewissen Grad glänzen? Es ist fast mehr ein Rhythmus-Spiel, was das angeht, zumindest wenn ihr ein Gefühl für die Timings der Schläge und Kombos spürt. Es geht nicht nur darum, komplizierte Pad-Kunst zu veranstalten, sondern einen Kampffluss zu erleben und das gelingt dem neuen Teil mit seinen Breakern ausgezeichnet. Die Modi können dabei zwar nicht mit einem Soul Calibur oder Mortal Kombat mithalten, aber seinen Platz hat Dead or Alive doch noch in der Welt. Auch wenn es langsam mal seine Suche nach Extremerfahrungen im Mikrotransaktionsbereich beenden könnte.

Entwickler/Publisher: Koei Tecmo / Koch Media - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: ca. 60 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4 Pro - Sprache: Deutsch (Untertitel), Englisch - Mikrotransaktionen: Viel zu viel, viel zu teuer, aber alles, was wichtig ist, muss man nicht dazukaufen

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chief Editor - Eurogamer.de

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