"Du hast den zweiten Weltkrieg nie gespielt, wie er gespielt werden sollte", heißt es in einem Online-Fact-Sheet über Hell Let Loose. Nun bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich diese Aussage zynisch finden soll, aber ich verstehe schon, was man mir damit sagen will.

Hell Let Loose ist nicht das nächste Battlefield, keine permanente Action. Die Entwickler sind mit dem Anspruch an ihre Aufgabe herangegangen, einen möglichst realistischen Weltkriegs-Shooter zu machen und zwar online, in Partien von 50 gegen 50 Spielern. Wie das funktioniert, davon konnte ich mir am vergangenen Wochenende im Rahmen der Beta einen Eindruck machen.

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In Hell Let Loose lohnt sich nur gemeinsames Vorgehen wirklich.

Man merkt Hell Let Loose seinen Anspruch schon beim Start des Spiels an. Hier springt ihr nicht einfach in ein beliebiges Match, ihr sucht euch zunächst aus, welcher Einheit ihr beitreten wollt. So könnt ihr etwa als einfacher Schütze durch die Gegend laufen oder aber ihr schließt euch einer Panzerbesatzung an. Oder aber ihr spielt einen Medic oder Sniper, ganz wie es euch beliebt. Habt ihr diese Entscheidung getroffen, bekommt ihr eine erstaunlich detailreiche strategische Karte präsentiert, die euch den aktuellen Schlachtverlauf zeigt. In jeder Partie geht es darum, dem Gegner bestimmte Sektoren der Karte abzunehmen, indem eure Soldaten die Mehrheit in diesem Gebiet stellen. Habt ihr euch also für eine Einheit und einen Einheitentypus entschieden, könnt ihr euch an einem Spawn-Punkt eurer Wahl auch schon in die Schlacht stürzen.

Oder naja, auch das nicht sofort, denn ein Schlachtfeld von Hell Let Loose ist umgerechnet etwa vier Quadratkilometer groß, was zur Folge hat, dass ihr häufig lange Wege zurücklegen müsst, um überhaupt erst mal dort hinzukommen, wo es gerade knallt. Seid ihr in dieser Phase des Spiels aber nachlässig, kann es passieren, dass ihr schon jetzt von jemandem erschossen werdet und nicht mal bemerkt, woher der Schuss kam. Also immer schön in Deckung bleiben, auch wenn das manchmal schwer fällt.

Beachten solltet ihr auch, dass ihr, wenn ihr sterbt, nicht nur euch selbst schadet, sondern eurem Team. Denn so ziemlich alles in Hell Let Loose kostet Ressourcen. Es gibt Munition, Treibstoff und eben Manpower. Stirbt ein Spieler, sinkt die Manpower und ist sie zu niedrig, könnt ihr nicht mehr ins Spiel einsteigen. Allerdings frischen sich die Ressourcen auch wieder auf und zwar umso besser, je mehr Sektoren ihr haltet, alle 60 Sekunden. Zudem bekommt ihr immer dann eine Ressourcenspritze, wenn ihr einen neuen Sektor erobert, gleichzeitig verliert das gegnerische Team dann eine Portion.

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Die schöne Artillerie wartet nur auf jemanden, der sie bedient.

Im eigentlichen Spiel merkt man das insbesondere, wenn man eine Klasse wie den Engineer spielt. Der kann auf dem Schlachtfeld bestimmte Hindernisse wie Panzersperren oder Stacheldrahtsperren aufstellen, braucht aber auch dafür, ihr vermutet es schon, Ressourcen. Wenn ihr mögt, könnt ihr sogar ein kleines Artilleriegeschütz in die Landschaft setzen, nur dafür werden dann eben besonders viele Rohstoffe benötigt.

Ob dieses System auf lange Sicht gut funktioniert, muss sich im fertigen Spiel erst noch zeigen. Im Moment begünstigt es vor allem das Team, das ohnehin gerade schon die Oberhand hat, weil es mehr Sektoren hält, die unterlegene Seite muss sich also immer ganz besonders anstrengen.

Problematisch empfand ich auf einigen Maps die Tatsache, dass einige der Spawn-Punkte ziemlich weit voneinander entfernt sind. Wenn ihr den Weg zum Kampfgeschehen dann zu Fuß zurücklegen müsst, kann das etwas frustrierend sein, zumal ihr keine Garantie dafür habt, dass ihr nicht in den ersten Sekunden des Kampfgeschehens das Zeitliche segnet. Insgesamt fühlt sich dieses etwas langsamere Gameplay aber gegenüber Spielen wie Battlefield recht erfrischend an. Absprachen untereinander, insbesondere mit dem eigenen Squad, sind hier weitaus relevanter und wenn ihr einfach wie die Hasen übers Schlachtfeld hoppelt, werdet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit auch genauso abgeknallt.

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Bevor ihr in die Partie einsteigt, seht ihr auf einer taktischen Karte, was gerade geschieht.

Gerade für einen Multiplayer-Shooter baut Hell Let Loose doch eine erstaunlich dichte Atmosphäre auf, wenn ihr euch durch einen schon völlig zusammengeschossenen Wald bewegt, während ihr im Hintergrund die feindliche Artillerie schießen hört. Schon jetzt sieht der Shooter sehr ordentlich aus, nur in Sachen Sound scheint es noch nicht ganz rund zu laufen. Die Waffengeräusche wirken zwar authentisch, nicht immer hat ihre Lautstärke aber zur Entfernung der Geräuschquelle gepasst. Das gehört aber zu den Spielelementen, an denen die Entwickler noch arbeiten.

Zu Beginn der Early-Access-Phase im Juni werdet ihr übrigens (wie ich in der Beta) nur Amerikaner und Deutsche spielen können, das Studio will den Shooter aber sukzessive um weitere Armeen wie Briten, Sowjets oder Japaner ergänzen. Auch sonst bin ich recht gespannt, in welche Richtung Black Matter Hell Let Loose noch entwickeln wird. Das, was ich bisher sehen konnte, ist jedenfalls vielversprechend, auch wenn ich immer noch nicht glaube, dass es eine ultimative Antwort auf die seltsame Frage gibt, wie der Zweite Weltkrieg "gespielt werden sollte".

Entwickler/Publisher: Black Matter/Team17 - Erscheint für: PC - Preis: 29,99 Euro - Erscheint am: 6. Juni 2019 im Early Access - Gespielte Version: PC - Sprache: englisch, deutsch

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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