Minit ist das fast perfekte Smartphone-Zelda - wäre da nicht die Steuerung

Du hast eine Minute zu leben. Mach' das Beste draus!

Letztes Jahr war Minit in Indie-Kreisen ein viel beachtetes Action-Adventure. Vor allem, weil es auf ziemlich magische Art die Zelda-Formel auf ein minimalistisches Format herunterkochte, bei dem man immer nur 60 Sekunden hatte, bevor man starb und noch einmal "von vorn" anfing.

"Von vorn" ist dabei natürlich relativ gemeint, denn genaugenommen handelt es sich um eine Zeitschleife: Ihr sterbt zwar und werdet zum letzten Haus zurückgesetzt, in dem ihr eingekehrt wart, aber euer Fortschritt, eure Gegenstände und Fähigkeiten behaltet ihr. Und so fegt man ungeheuer fix im 60-Sekunden-Takt durch diese Welt, immer ein bisschen, wegen der kurzen Strecken und überschaubaren Aufgaben aber nie zu sehr gehetzt durch diese schwarz-weiße Welt und puzzelt sich den richtigen Weg durchs Abenteuer zusammen.

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Aus der Auflösung und ohne Farben muss man erstmal so viel Charakter rausholen wie Vlambeer mit Minit.

Minit ist dermaßen aufs Nötigste runtergekocht, dass es im Grunde perfekt auf Smartphone passt - alleine schon der kurze Lebenszyklus eignet sich bestens, um an der Bushaltestelle oder auf dem Klo mal wieder ein wenig Fortschritt zu machen und das Handy dann wieder wegzustecken. Dieses Spiel ist schlicht extrem elegant und schlüssig designt, sodass man sich immer vorkommt, als hätte man wieder etwas erreicht.

Ich fand es übrigens besonders charmant, dass es ausgerechnet das heldenhafte Schwert ist, mit dem ihr das Abenteuer begeht, das dafür verantwortlich ist, dass ihr immer wieder sterbt. Richtiggehend imponiert hat mir, neben dem tollen Soundtrack, dass die Welt trotz der kurzen Wege nicht klein oder erdrückend wirkt. Ein Trek von eurem Start Haus bis ins Hotel nach Norden, um euren Rücksetzpunkt zu ändern, dauert kaum 45 Sekunden, und doch - weil es Dreiviertel eures Lebens sind vermutlich - fühlt es sich wie eine Reise an. Ein lustiger Effekt, der beweist, wie recht Einstein hatte.

Dieses Spiel ist wirklich ein sympathisches Kuriosum, das ich also nur zu gerne empfehlen würde, wie es Markus in seinem Minit-Test der stationären Version tat. Leider krankt die iPhone-Version an einer entscheidenden Sache - zumindest, wenn man sich vornimmt, das Spiel allein mit Touch-Kontrollen zu erleben: Die Steuerung ist einfach zu ungenau. Oft lief ich auf den letzten Sekunden meines Lebens an einer Schatztruhe oder einem wichtigen Gegenstand vorbei und musste nach meinem Tod den (zugegebenermaßen kurzen) Weg noch einmal gehen. Ich habe mich mit der Zeit ein wenig mehr an das Handling gewöhnt, aber hatte immer mal wieder Probleme.

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Trial and Error tat selten so wenig weh.

Mangelnde Präzision und Zeitlimits sind eben keine guten Partner. Zum Glück lässt sich das Spiel auch per MFi Controller spielen, aber das macht wiederum den Unterwegsfaktor kaputt, der Minit eigentlich so gut zu Gesicht steht. Wer Willens ist, den einen oder anderen Weg zweimal zu laufen, wird mit Minit aber auch auf iPhone oder Android einigen Spaß haben. Und ansonsten gibt es ja auch noch PC-, PS4-, Xbox One- und Switch-Versionen, die ebenfalls nicht mehr die Welt kosten und drei bis vier Spielstunden spannend andersartige Zelda-Kost liefern.

Entwickler/Publisher: Vlambeer/Devolver - Erscheint für: iOS, Android - Preis: 5,49 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: iPhone 8

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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