AMD Radeon RX 5700/ RX 5700 XT - Test: Konfrontationskurs mit Nvidia Super

Preis-Leistungs-Sieger?

AMDs langerwartete Navi-Grafikkarten sind endlich da, kombinieren die neue RDNA-Architektur des Unternehmens mit dem fortschrittlichen 7nm-Fertigungsprozess, dem wir Radeon 7 zu verdanken haben. Die daraus resultierenden Karten Radeon 5700 (ab etwa 350 Euro) und Radeon 5700 XT (ab etwa 400 Euro) sind bessere Performer als die letztjährigen RTX-Konkurrenten, verbrauchen weniger Energie und erzeugen weniger Hitze als ihre Vega-Vorgänger.

Das rote Team, wie wir AMD gerne nennen, steht also frei vorm Tor, aber Nvidia hat soeben Frisch eingewechselt: Die RTX 2060 Super und 2070 Super. Zwei teurere Karten - nachdem AMD zwei Tage vor Launch den Preis seiner neuen Angebote nach unten korrigierte -, aber Nvidias neue Karten sind ebenfalls starke Performer. Welche dieser Mittelklasse-Karten bietet also den besten Gegenwert für das verlangte Geld? Diese Frage möchten wir in diesem Test beantworten, indem wir uns anschauen, wie sich die Radeon RX 5700 and RX 5700 XT sowohl gegen die normalen 2060/2070er-Karten schlagen, als auch gegen die neuen Super-Varianten.

Für sich allein genommen, sind die 5700er Karten von Radeon beeindruckend. Der 7nm-Prozess und die RDNA-Architektur bedeuten, dass AMDs neue GPUs deutlich mehr Pferdestärken produzieren als der 14nm-Vega 64 - 1,25-fache Performance pro Taktzyklus laut AMD, obwohl weniger Compute Units und weniger Speicherbandbreite drinstecken. Teraflop-Vergleiche beider Generationen haben also keine Bedeutung hier, außer, um zu illustrieren, was für eine beeindruckende Arbeit die Ingenieure bei AMD geleistet haben.

Beeindruckend ist auch das Aussehen der neuen Navi-Karten, in ihrer Aluminium-legierten Hülle, mit nur einem Ventilator in "Bläser"-Konfiguration und einem siebenphasigen VRM fürs Übertakten. Als Stromanschluss wird für beide Karten ein Acht-Pin und ein Sechs-Pin-Stecker benötigt. Die Anschlüsse sind das, was man erwarten durfte: Drei DisplayPort 1.4-Anschlüsse, ein HDMI 2.0-Port. Weder der DVI-D der RTX 2060 Super noch der USB-C VirtualLink, den beide RTX Super cards haben, finden sich hier.

Ein Überblick über die Navi-Reihe, mit Fokus auf die RX 5700.

GPU Cores Boost Clock TFLOPs Speicher Speicher-Bandbreite TDP
Vega 56 4096 1474MHz 10.6 8GB HBM2 410GB/s 210W
Vega 64 4096 1546MHz 12.7 8GB HBM2 484GB/s 295W
RX 5700 2304 1725MHz 7.5 8GB GDDR6 448GB/s 185W
RX 5700 XT 2560 1905MHz 9.0 8GB GDDR6 448GB/s 225W
Radeon 7 3840 1800MHz 14.2 16GB HBM2 1024GB/s 295W

Auch über die neuen Features, die AMD mit der RX 5700 einführt, sollte man reden: Kein Hardware-beschleunigtes Raytracing, das Haupt-Feature, mit dem Nvidia für RTX wirbt, dafür bringt AMD jedoch eine Alternative zu einem anderen RTX-Feature, nämlich zu DLSS Upscaling. Anstatt das KI-getriebene Upscaling Spiel für Spiel zu unterstützen - Nvidias Ansatz - setzt Radeon auf einen allgemeiner anwendbaren Bildschärfe-Effekt namens Radeon Image Sharpening (RIS). Die Idee dahinter ist, dass man Spiele mit einer niedrigeren Auflösung als der nativen des Monitors rendert, um höhere Bildraten zu erzielen, und mithilfe von RIS ein saubereres, hochskaliertes Bild bekommt. RIS ist Kontrast-sensitiv, AMD behauptet, das helfe, die Heiligenschein-artige Artefaktbildung anderer Schärfe-Lösungen zu vermeiden. Ihr könnt RIS aber auch in der nativen Auflösung eures Monitors einsetzen, um dem Weichzeichner-Effekt anderer Anti-Aliasing-Methoden, TAA zum Beispiel, entgegenzuwirken.

Obwohl RIS mit einer größeren Auswahl an Spielen kompatibel ist, gibt es einige Einschränkungen: Spiele unter DX9, DX12 und Vulkan funktionieren, aber DX10 und DX11-Releases werden nicht unterstützt. Auch HDR ist mit RIS ausgeschlossen. RIS übergibt euch eine größere Kontrolle über das Bild als DLSS, ihr wählt eine beliebige Render-Auflösung und sucht euch euren Sweet-Spot zwischen Bildqualität und Performance selbst.

AMD bemüht sich auch um den eSport-Markt, indem man Radeon Anti-Lag entwickelte, das darauf abzielt, die Verzögerung zwischen Eingabe (eine Waffe abfeuern zum Beispiel, berechnet von der CPU) und Effekt auf dem Bildschirm (berechnet von der GPU) in GPU-limitierten Situationen zu minimieren. Das wird erreicht, indem man die CPU bis zur Berechnung des nächsten Frames bremst und so sicherstellt, dass der aktuellste Frame, den die GPU gerade rechnet, auch den aktuellsten Input enthält, den die CPU kalkulierte. Im Optimalfall spart man so einen Frame Latenz, was bei 60Hz 16ms bedeutet oder 4ms bei 240Hz. Das Anti-Lag-Feature funktioniert mit Spielen unter DirectX 9 und DirectX 11, die von den meisten eSport-Spielen genutzt werden.

Die Radeon 5700 Serie unterstützt zudem neue Hardware-Standards und hakt sich bei der RTX-Reihe mit ihrem Support für DisplayPort 1.4 mit Display Stream Compression ein. Dies bietet eine Alternative zu Chroma Subsampling für 8K HDR 60Hz oder 4K HDR 144Hz Displays. AMDs neue Karten sind außerdem die ersten PCIe 4.0 GPUs am Markt. In den meisten Situationen stellt PCIe 3.0 zwar noch keinen Flaschenhals dar, aber einige Content-Creation-Aufgaben und synthetische Benchmarks könnten von der doppelten Bandbreite profitieren.

Einer der größten Unterschiede zwischen den Nvidia und AMD-Karten liegt im Preis. AMD ist diesmal aggressiver, kündigte schon Preissenkungen an, bevor die Hardware erhältlich war, um Nvidia stärkere Konkurrenz zu bieten. Die neuen Preise liegen bei 349 Dollar für die RX 5700 und 399 Dollar für die RX 5700 XT. Das sind 30 beziehungsweise 50 Dollar weniger als ursprünglich angekündigt waren. In der Tabelle hier drunter seht ihr eine Übersicht, wie sich die High-End Karten beider Firma preislich zueinander verhalten.

Ein eingehender Blick darauf, wie die RX 5700 XT die RTX 2060 Super herausfordert und manchmal sogar die teurere RTX 2070 Super erreicht.

AMD Radeon Nvidia GeForce Preisempfehlung
Radeon RX 5700 RTX 2060 FE $349
Radeon RX 5700 XT RTX 2060 Super $399
RTX 2070 FE (eingestellt)
RTX 2070 Super
$499
Radeon 7 RTX 2080 FE
RTX 2080 Super (23. Juli)
$699
RTX 2080 Ti FE $1199

Um das Angebot noch attraktiver zu gestalten, legt AMD noch drei Monate Microsofts Xbox Game Pass für PC dazu, was euch Zugang zu über 100 Spielen verschafft. Während frühere AMD-Bundles zwei bis drei kostenlose Spiele enthielten, die man für immer behalten durfte, bevorzugen es einige Spieler vielleicht, eine größere Auswahl für ein Vierteljahr lang zur Verfügung zu haben.

Jetzt, da wir über die Eckdaten gesprochen haben, geht es ans Eingemachte: Die Spiel-Performance. Wir vergleichen die 5700er Serie mit Nvidias ursprünglicher RTX 2060 und RTX 2070, die neuen RTX-Super-Karten und eine Reihe Vorgänger beider Hersteller. Los geht's!

AMD Radeon 5700/ Radeon RX 5700 XT Analyse

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Über den Autor:

Will Judd

Will Judd

Senior Staff Writer, Digital Foundry

A bizarre British-American hybrid, Will turns caffeine into technology articles through a little-known process called 'writing'. His favourite games are Counter-Strike, StarCraft and Fallout 2.

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