CrossCode: Ein Action-RPG-Traum, der nicht früh genug auf Switch und Co kommen kann

Auch wenn das eine Menge Arbeit ist.

Nach sieben Jahren Entwicklungszeit und langer Early-Access-Zeit erschien letzten Herbst endlich CrossCode in seiner 1.0-Version auf Steam. Nicht viele haben das gemerkt - auch ein Effekt von Early Access, der "Buzz" ist nach all den Jahren einfach aufgebraucht -, zumindest nicht so viele, wie es eigentlich hätten merken sollen. Aber das dürfte sich ändern, sobald das wunderhübsche Retro-Rollenspiel auch auf den Konsolen erhältlich ist, was noch dieses Jahr passieren soll.

Laut Deck13, die für den Saarbrücker Entwickler Radical Fish Games als Publisher fungieren, will man sich so viel Zeit nehmen, wie nötig ist. Dass so viel davon nötig ist und an einen gleichzeitigen Release mit der Steam-Version nicht zu denken war, liegt in erster Linie daran, dass das Spiel in HTML5 entwickelt wurde, was an sich schon nicht ganz einfach gewesen sein kann. Nun also die Arbeit, CrossCode performant auf PS4, Switch und Xbox One zum Laufen zu bekommen, was ebenfalls nach einer Herausforderung klingt.

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Wunderschöne Pixelart von internationalem Format ... aus Saarbrücken.

Aber wie gesagt, aktuell rechnet man noch mit einem Release 2019 - aber wenn es 2020 wird, wäre es die Warterei immer noch wert gewesen, denn dafür, dass ich CrossCode so lange verpasst habe, ist ein dickes "mea culpa" angesagt. Im Grunde habe ich nicht einmal eine Ausrede, weil es eine kostenlose Demo gibt, die ich sogar mal runtergeladen hatte, weil mir die Art Direction so gut gefiel, dann aber nicht zum Spielen kam.

Dieses Spiel steckt jedenfalls so wahnsinnig voller Systeme und Ideen, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Vielleicht beim Auffälligsten: Die Aufmachung erinnert an eine Sci-Fi-Version von Secret of Mana, vermittelt mir aus einem mir nicht ersichtlichen Grund aber auch einen gewissen Sega-Vibe (und wenn ihr eine Ahnung habt, woher der kommt, lasst es mich bitte in den Kommentaren wissen, ich komme nämlich partout nicht drauf). Hier trifft nämlich ein actionreich aufgezogenes Rollenspielregelwerk auf World-Building und Dungeons eines Zelda, wenn ihr euch als Avatar durch ein Spiel im Spiel bewegt.

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In den Kämpfen ist ganz schön was los. Gut so!

Wobei ... auch das ist nicht so ganz einfach, die Welt, in der ihr euch bewegt, ist nämlich real, nur das Spiel, das ihr dort spielt, CrossWorlds, ist es nicht. Verwirrend, ich weiß. Ich bin erst etwa 15 bis 20 Stunden drin und habe nicht das Gefühl, die Science hinter dieser Science-Fiction zu durchschauen, aber so wichtig ist die Rahmenhandlung bisher nicht. In erster Linie geht es darum, wer ihr seid und die Antwort auf diese Frage, so mein Verdacht, dürfte einige meiner offenen Fragen beantworten. So oder so: CrossCode ist ohnehin ein mehr auf seine Systeme bedacht als auf alles andere (auch wenn die Dialoge sehr sympathisch und häufig lustig geschrieben sind).

Ein motivierender Action-Kampf lässt euch Nah- und Fernkampf sowie Spezialattacken mit Cooldown einsetzen, um Gegner-Pulks einzuheizen, die in der Oberwelt nach Art eines virtuellen MMOs spawnen - und das immer wieder. Aggressiv sind die wenigsten, bis ihr sie angreift. Wer nur von A nach B kommen will, dürfte damit nur wenige Probleme haben, aber mir machen die Kloppereien dermaßen Spaß, dass ich keinen Bildschirm durchquere, ohne ihn nicht von seiner Fauna zu befreien.

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Hat da jemand 'Aggro' gesagt? Die Musik ist übrigens fantastisch.

Dass der Kampf so motivierend ist, liegt daran, dass ihr ein Rating für ein Scharmützel bekommt, das ihr immer weiter hochtreiben könnt, je länger eure Kombo nicht abreißt. Ist also ein Mob tot, beginnt ein Timer runterzuzählen und läuft er aus, wird abgerechnet und die verdienten EXP wandern in euren Char. Schafft ihr es zum nächsten Feind, bevor die Zeit abläuft, prügelt ihr eure Wertung weiter nach oben. So lassen sich wahre Erfahrungspunkteduschen erzeugen.

Das Problem ist natürlich, dass ihr euch in Kämpfen nur begrenzt und mit Verzehr-Items heilen könnt, während sich eure Gesundheit außerhalb der Kämpfe von selbst regeneriert. Wer mit wenig Gesundheit in das nächste Gefecht prescht, um das höchste Ranking und die beste Belohnung einzufahren, riskiert auch zu sterben und so alle Erfahrungspunkte zu verlieren.

Ein schönes Tauziehen zwischen Risiko und Belohnung, das CrossCode stets in Bewegung hält. Ein bisschen chaotisch ist es schon, vor allem, wenn man mit zwei Partymitgliedern unterwegs ist, aber mit der Zeit lernte ich, das Chaos zu lesen und meine Ausweich-Moves so einzusetzen, dass ich mich immer wieder neu sortieren und die Situation lesen konnte.

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In den Dungeons ist man alleine unterwegs, in der Oberwelt flankieren euch bis zu zwei NPCs.

Und während man so nach der besten Route für einen gepflegten Grind sucht, Sprungpassagen zu versteckten Schatztruhen oder versprengten NPCs auftut, vergisst man häufig, dass es auch gut gemachte Dungeons hat, die das Spiel mit cleveren Puzzles ausstattet, in denen es gilt, Blöcke zu verschieben, Schalter zu erreichen und Projektile korrekt abprallen zu lassen, dass sie ein Ziel treffen, das euch das Weiterkommen ermöglicht. Dazu das Farmen und Handeln mit Rohstoffen und viele, viele eher auf Sammelarbeit abonnierte Quests, ein an das Sphärenbrett von Final Fantasy 10 angelehntes Circuit Board, auf dem ihr neue Skills freischaltet ...

CrossCode ist einfach ein unfassbar dichtes Spiel, das auf die gute Art an der Grenze zu "überladen" vorbeischrammt. Irgendwas, das man sofort begreift, gibt es immer zu tun - und es fühlt sich einfach verdammt gut an, so Schicht um Schicht zum Kern dieser spannenden Mischung aller guten RPG-Dinge vorzudringen.

Insofern: Ja, CrossCode kann nicht früh genug auf die Konsolen kommen. Es mag mittlerweile ein Klischee sein, aber besonders auf der Switch dürfte es sich bestens eignen, um unterwegs mal hier, mal da ein paar Screens von Gegnern zu säubern und abends, am Fernseher, die eigentliche Suche nach eurer verlorenen Identität wieder aufzunehmen. Ich schäme mich fast ein bisschen, dass mir das Spiel bis hierhin durch die Lappen gegangen ist - so hübsch, wundervoll retro und gleichzeitig frisch und modern war lange kein Rollenspiel japanischer Prägung.

Entwickler/Publisher: Radical Fish/Deck13 - Erscheint für: PC erhältlich; Switch, PS4, Xbox One 2019 - Preis: PC ca. 15 Euro - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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