Steelseries Arctis 1 Wireless Test - Kabelloser Voice-Chat für die Switch

Und ein Komfort-Rundumpaket für alle Viel-Umstecker.

So cool und hochwertig zuletzt das Arctis Wireless Pro von Steelseries auch war, preislich bewegte sich das Ding mit 300 Euro schon in das, was man die mittlere Oberklasse der Gaming-Beschallung nennen könnte. Das Arctis 1 Wireless liegt mit etwa 120 Euro deutlich darunter, bringt aber einige der besten Features des großen Bruders mit: Eine Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten an unterschiedliche Systeme, kabellosen Komfort und anständigen Klang. Anständig, jedoch nicht Hi-Fi-überzeugend, es gibt manchmal Gründe, dass ein Gerät das Dreifache kostet.

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In der Box findet ihr auch alles, was ihr direkt brauchen werdet: Ein Mikro-USB-Kabel, ein USB-C-Verlängerungskabel, ein Ansteckmikrofon und einen kleinen, schmalen Adapter mit USB-Stecker. Oh, ja, richtig, ein großes Over-Ear-Headset ist auch noch dabei. Welches ihr mit dem Mikro-USB-Kabel aufladet, was einer der Kritikpunkte ist. Bei diesem Gerät dreht sich vieles um USB-C, wie ihr gleich sehen werdet und eigentlich sollte sich auch jedes moderne Gerät auf diesen neuen Standard konzentrieren. Schlicht, weil ich keine Lust mehr habe, ständig zu gucken, welches Kabel gerade herumliegt und welches ich stattdessen brauche. Einen Standard bitte, vor allem innerhalb einer einzelnen Box.

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Anschlussfreudig: Der kleine USB-C-Funk-Dongle macht den Unterschied.

Für den Anschluss spielt das Mikro-USB dann auch keine Rolle. Selbst mit Steelseries-Treibern wird das Set nicht als Audio-Gerät am PC erkannt, aber kein Problem. Wenn ihr unbedingt mit dem Arctis 1 verkabelt sein wollt, dann gibt es immer die 3,5mm-Buchse. Was ihr aber eigentlich tun sollt: den kleinen USB-Adapter nehmen, auf das "USB-C zu USB" Adapterkabel stecken und dieses geht dann in den USB-Port eines PCs oder einer der großen Konsolen. Bei der Switch steckt ihr den kleinen Knubbel direkt unter das Gerät und habt dann nur einen Nachteil: Es gibt einen neuen Stromfresser ohne Passthrough an einem Gerät, dessen Akku eh schon fast grundsätzlich überfordert scheint. Eine Revision des Adapters sollte zumindest noch einen Stromanschluss erlauben, denn zwischen Blackout und akustischem Aussetzer wählen zu müssen ist nervig. Selbst wenn der Adapter dann größer wäre, das ist es dann wert.

Der Vorteil dieses kleinen Dongles wird dann schnell klar: Es setzt auf eine 2,4GHz-Funkverbindung und nicht auf Bluetooth. Das verringert die Latenzzeit dramatisch und vor allem gibt es keine Probleme beim Pairing. Egal, wo der Knubbel eingesteckt wird, das Set verbindet sich sofort. Das Konzept hat damit nur einen Nachteil, was die Konnektivität angeht: iOS bleibt außen vor. Es gibt keinen USB-C-Port und auch keine Audio-Buchse, damit ist das die eine generelle Inkompatibilität des Arctis 1 Wireless. Schwamm drüber, bei allen Wechseln von Switch zu Phone zu PC dauerte es nie länger als fünf oder sechs Sekunden, bis der Sound kam. Versucht das mal mit Bluetooth, da sind es gerne 30 bis 40 Sekunden, eine Minute, wenn mal was hakt und ein Weg in die Einstellungen, wenn es mal wieder gar nicht will.

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Schade nur, dass man die Switch nicht nebenbei aufladen kann. Damit wäre es dann das perfekte Set für die stromhungrige Minikonsole.

Kommen wir endlich zum Set selbst: Mit 250 Gramm ist es für ein Akku-Set durchaus auf der leichten Seite des Lebens, die Dreh-Muscheln lassen sich besser in Taschen verstauen und der dezente schwarz-matte Look ist schon ein ganz schönes Understatement in der Gaming-Welt. Unter dem Plastik des Bügels steckt ein Stahlriemen, der die Form hält, manchmal sogar zu gut. Es ist das seit Äonen bekannte Konzept, bei dem der Riemen ein paar Einkerbungen hat und wenn der ideale Sitz zwischen zwei davon liegt, dann habt ihr halt Pech gehabt. Da gibt es heute bessere Konzepte, auch in der 100-Euro-Klasse. Es war auf keinen Fall so schlimm, dass ich das Arctis 1 nicht tragen wollte und durch das geringe Gewicht fällt das Problem auch weniger auf. Auch die befremdliche scharfe Plastikkante am Rand des Bügels schnitt nicht in die Kopfhaut, dafür sorgte das bequem sitzende Polster darunter. Aber beim Greifen fasst sich diese Kante schon seltsam an. Fast als hätte jemand beim Design gesagt "das runde ich später ab" und es dann vergessen. Die Stoffpolster trösten aber darüber hinweg und sitzen auch nach Stunden noch ziemlich angenehm und relativ atmungsaktiv. Zumindest mehr als es bei billigem Kunstleder der Fall gewesen wäre.

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Das Set wirkt deutlich seriöser im Look als man es gerade bei etwas preiswerteren Sets gewöhnt ist.

Rechts gibt es den Power-Schalter, links sitzen dann gut ertastbar die Stummschaltung und ein analoger Lautstärkeregler. Dieser hat keine Taster-Funktion und dementsprechend habt ihr am Gerät auch keine Rufannahme oder Musiksteuerung. Daneben findet ihr dann noch die Audio-Buchse, den Mikro-USB-Port und schließlich den Eingang für das Mikrofon. Der ist relativ großzügig geformt, sodass auch andere Mikros hier Anschluss finden könnten. Was ihr nicht habt, ist ein Wechsel-Akku, der bleibt dem Pro vorbehalten. Der Eingebaute hält so um die 15 bis 20 Stunden und ist nach etwa ein bis zwei vollständig aufgeladen. Mit anderen Worten, das Arctis 1 Wireless hält damit 7- bis 8-mal länger durch als die normale Switch.

In der Muschel steckt der gleiche Treiber, den Steelseries in alles steckt, was nicht Pro heißt. Der 40mm-Treiber hat eine Range von 20-20.000 Hz mit 98 dB Empfindlichkeit. Das sind keine Hi-Fi-Werte, aber solche Zahlen sagen am Ende herzlich wenig aus. Klang ist alles und hier kommen wir zu den relativen Stärken des Arctis 1 Wireless: Für das, was er kostet und an Verbindungs-Features bietet, ist der Klang sehr anständig. Nicht brillant, relativ wenig Bass, das ist kein Set, um jetzt Musik neu zu definieren. Das machten Experimente schnell klar, als ich Neon Droids No More Sunsets auf Spaß-Lautstärke drehte und es einfach ein klein wenig dünn blieb. Gut genug halt, was man so für 100 Euro erwartet, aber eben auch nicht mehr. Gleiches gilt für die Feindynamik, wie Nick Caves Skeleton Tree zeigte, das ich Vorbereitung auf das kommende Album endlich nachholte. Stimmliche Nuancen, die das Pro herausarbeitet, verschlucken die einfacheren Treiber des Arctis 1 gerne mal.

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Leicht und prinzipiell bequem, aber Stahlband mit Einrastpunkten muss dann heutzutage nicht mehr sein.

Das gleiche Bild zeigte sich auch bei Spielen. Wenn ihr als E-Sportler im Sound genauso wie im Bild lebt, dann solltet ihr euch was anderes gönnen. Um die rockigen Tracks von Ys VIII auf der Switch zu genießen oder am PC ein wenig durch das Unterholz von Ghost Recon zu krabbeln, reichte es mehr als nur aus. Hier ist es wohl wie immer die Frage, was ihr gewohnt seid. Ich bin verdorben, aber trotzdem, in ihrer Preisklasse überzeugen die Steelseries-Treiber absolut. Vor allem auch, weil ich etwas weniger Bass, aber dann richtig ausgesteuert dem Overkill anderer Sets vorziehe. Ihr habt ausreichend Reaktionsfreudigkeit und Räumlichkeit, um die Weite, aber auch die nahen Details eines Horizon: Zero Dawn zu genießen, ihr habt genug Intimität und Feinfühligkeit, um ein Ethan Carter zu erleben. Lediglich bei Bass-schwachen Sachen wie manchen Retros würde ich von den Arctis 1 Wireless - oder vielmehr von allen Nicht-Pro-Arctis - abraten. Überzeugt, ohne zu überwältigen.

Bestellen könnt ihr das Headset hier: Steelseries Arctis 1 Wireless auf Amazon.de

Andere Headsets auf Eurogamer.de:

SteelSeries Arctis Pro Wireless - Test: Ein Set, sie alle zu verbinden

Lioncast LX60 Gaming-Headset - Test: Gute Verarbeitung und guter Gaming-Sound

Audio Technica ATH ADG1X Headset - Test: Trotz Gummiband und Klebestreifen die neue Klangreferenz.

Das Mikro dagegen ist so eine Sache. Ich sitze gerade in einem leisen Raum ohne Nebengeräusche und die Stimmaufnahme ist absolut sauber, klar und kommt auch so bei der Gegenstelle an. Aber wehe, ich fange an, ernsthaft nebenbei in die Tasten zu hauen oder habe andere Störquellen - wie mein Atmen -, dann gibt es eine gute Chance, dass die andere Seite das auch zumindest leise hört. Über die Software könnt ihr ein paar Dinge konfigurieren, zum Beispiel einen Equalizer oder wie sehr das Mikro euch mit Umgebungsgeräuschen versorgen soll oder ob es diese möglichst ausblendet, aber selbst auf der maximalen Stufe wurden die Tastenanschläge auf einem eher leisen Mac-Keyboard registriert. Bei einer mechanischen Gamer-Tastatur dürfte jeder Anschlag gut vernehmbar sein. Aber, wo ein Problem, da auch eine Lösung und in diesem Fall ist es ein einfacher Schaumstoff-Mikro-Aufsatz für etwa 50 Cent. Damit litt die Sprachqualität, wenn überhaupt, nur minimal, aber die unerwünschte Umgebung blieb weitestgehend außen vor. Also Steelseries, in die nächste Charge dann das gleich bitte mitreinpacken.

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Der kleine USB-C-Knubbel macht den Unterschied. Ohne ihn, mit Bluetooth als Alternative, wäre das Arctis 1 Wireless nur ein weiterer Kandidat in einem weiten Feld und das wohl dann mit der schlechteren Konnektivität auch ein leicht überteuerter. So aber, mit echter WLAN-Funk-Verbindung, praktisch ohne Pairing-Zeiten für maximalen Komfort und kompatibel mit allem, was kein mobiles Apple-Gerät ist, dazu noch ein paar Treiber, die klanglich vielleicht nicht den besten, aber einen sehr ordentlichen Eindruck über das ganze Spektrum hinweg hinterlassen, überzeugt das 1 Arctis Wireless. Vor allem Switch-Freunden sei es ans Herz gelegt, denn hier wird es bei der echten kabellosen Konkurrenz sehr dünn. Bluetooth-Dongles gibt es, sind aber nicht annährend so bequem und zuverlässig und vor allem ist nach wie vor kabelloser Chat ein echtes Problem. Nun, mit diesem Set nicht mehr und das dürfte einigen Switchern allein schon als Argument reichen. Gut also, dass der Rest des Pakets weitestgehend auch überzeugt. Steelseries Arctis 1 Wireless, für Leute, die schnell mal eben ihren Sound immer wieder zwischen Geräten umstecken möchten.

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Über den Autor:

Martin Woger

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