China schränkt Online-Spielzeiten für Kinder ein - um "Sucht vorzubeugen"

Eine Regierungsdatenbank hilft dabei.

Dass in China die persönliche Freiheit nicht an oberster Stelle steht, ist hinlänglich bekannt. Nun werden strenge neue Restriktionen öffentlich, mit denen die chinesische Regierung durchsetzt, dass Kinder unter 18 nur noch eine beschränkte Zeit in Online-Spielen verbringen können.

Die South China Morning Post berichtet, dass die neuen Anti-Sucht-Maßnahmen kürzlich von der "Staatlichen Verwaltung von Presse und Veröffentlichungen" (in China auch für Spiele zuständig) geschildert wurden. Diese umfassen Beschränkungen von Ausgaben und Spielzeit in Online-Spielen.

Jeder unter 18 Jahren darf nun nur noch eineinhalb Stunden am Tag in solche Spiele investieren (außer an Feiertagen, wo das Doppelte erlaubt ist). Gespielt werden darf zwischen 8:00 Uhr morgens und 22:00 Uhr abends. In Sachen Online-Ausgaben darf man monatlich nicht mehr als umgerechnet nicht ganz 52 Euro verdaddeln. Unter acht Jahren darf man gar nichts kaufen.

Zu jungen Spielern wird außerdem der Zugang zu nicht altersgemäßgen Titeln verwehrt. China hat zwar kein formales Einstufungssystem, aber Tencent benutzt zum Beuispiel eine vierstufige Skala - 6+, 12+, 16+ und 18+, die die Analysten von Niko Partners für eines der "bisher robustesten Alterseinstufungssysteme in China ist" (danke GamesIndustry.biz).

Wie die Regierung diese Maßnahmen durchsetzt? Mit aller Kraft der Staatsgewalt natürlich: Echtnamen-Registrierungssysteme werden für PC-Spielen dort seit zwölf Jahren verwendet. Aber im letzten Jahr gab es vonseiten Tencent ein Upgrade, das sich in eine Polizeidatenbank einhakt, um das Alter zu verifizieren, was absolut und vollkommen normal ist, so viel ist schon mal klar. Dieses System soll sich über alle Spiele erstrecken. Selbstverständlich bleibt die Datenbank immer schön up-to-date, damit sich die Kids nicht drumherumwieseln, mit all dem kriminellen Eifer, den die bekanntlich an den Tag legen.

Publisher müssen mit Eltern, Schulen und anderen Gruppen kooperieren, um sicherzustellen, dass die Angebote sich im Rahmen der Regularien bewegen.

Spiele-Analyst Daniel Ahmad erzählte der South China Morning Post, dass diese Neuerungen den Erwartunge entsprächen, da viele dieser Regeln seit längerem bereits für PC-Spiele gälten und sich nun auch auf das Mobile-Segment erstrecken. Überhaupt kommen die neuen Bemühungen nicht von ungefähr. Im letzten Jahr sprach Staatspräsident Xi Jinping über weitere Einschränkungen, um die Augen von Kindern zu schützen, während Spiele, die Blut, Poker oder Themenbezug zur Kaiserreichsgeschichte nicht länger das Okay der Behörden erhalten.

Gleichzeitig sagt Niko Partners vorher, dass dies sich voraussichtlich nicht auf das Wachstum und die Einnahmen der Publisher auswirken werde, Kinder machten immerhin einen niedrigen Anteil der zahlenden Kundschaft aus und die Einführung vergleichbarer Regularien hätte in der Vergangenheit ebenfalls keine Auswirkungen gezeigt. Mit dem neuen Prüfsystem der Behörden müssten sich die Publisher aber sehr wohl vorsichtig auseinandersetzen, denn die Gefahr, dass Spiele nicht mehr durch gewunken werden, ist nun höher.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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