Transport Fever 2 - Test: Die Komplexität, Dinge von A nach B zu befördern

Eine Reise durch die Transportgeschichte.

Ein paar Waren und Rohstoffe durch die Gegend zu kutschieren, ist nicht so schwer, oder? In der Theorie nicht, in der Praxis sieht es häufig ganz anders aus. Stadt A braucht Rohstoff B, um Produkt C herzustellen. Stadt B benötigt indes Produkt C, um seine Bürger zufriedenzustellen, gleichzeitig stellt sie Ware E mit Rohstoff D her. Es ist ein großes Hin und Her und eine gute Planung ist vonnöten, um in Transport Fever 2 alles effektiv dort abzuliefern, wo es hin soll, und den Überblick über alles zu behalten.

Es geht darum, das Transportwesen sinnvoll miteinander zu verknüpfen und Städten zum wirtschaftlichen Aufschwung zu verhelfen. Der dann automatisch stattfindet, das hier ist kein City Builder wie SimCity. Wie im Vorgänger kümmert ihr euch allein um die Beförderung von Waren und Personen und reist dabei durch die Zeit. Nicht buchstäblich wie in Zurück in die Zukunft 3 per Zeitreise-Lok, vielmehr durchlebt ihr in der Kampagne die Transportgeschichte von 1850 bis hin zur Gegenwart - und im freien Spiel passt ihr nach Lust und Laune an, in welchem Jahr ihr loslegt.

Letzteres ist im Grunde das Herzstück des Spiels, die Kampagne ist mit ihren 18 Missionen so was wie ein umfangreiches Tutorial. Transport Fever 2 bringt euch so seine Eigenheiten und Spielmechaniken bei, nebenbei lernt ihr ein wenig was über die Transportgeschichte und helft zum Beispiel Mallorca dabei, sich dem Massentourismus zu öffnen, habt eure Finger bei der Transsibirischen Eisenbahn im Spiel oder baut die Infrastruktur auf tropischen Inseln auf.

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Ich baute meine Residenz mitten auf einem Vulkan. Weil ich es konnte. Schöne Aussicht von hier. (Transport Fever 2 - Test)

Das nimmt der Kampagne insgesamt ein wenig die Spannung, großartig viel Abwechslung gibt es bei den Missionszielen nicht. Baut dies, baut das. Befördert Menge X von Ware Y dort hin. Bringe eine bestimmte Zahl an Passagieren von A nach B. Den Eindruck eines Tutorials verstärkt das Gefühl, dass ihr dabei immer massenhaft Geld zur Verfügung habt, sodass ihr nie in ernsthafte Probleme geratet. Ebenso schwankt die Qualität der Nebenmissionen. Zum Teil tut ihr hier sinnvolle Dinge, seid aktiv und baut Dinge, zum Teil geht es allein darum, ein wenig über die Karte zu scrollen und Fragezeichen anzuklicken.

Aber wie gesagt, das ist nicht das, was Transport Fever 2 im Kern ausmacht. Im freien Spiel baut ihr frei Schnauze drauf los, zudem lässt sich nach euren Wünschen eine Karte in verschiedenen Klimazonen erstellen. Ihr legt zum Beispiel fest, wie viel Wasser es geben soll. Neu ist die Tropenregion, die euch auf Inseln spielen lässt. Dabei spielen neben Zügen und Automobilen noch Boote und Flugzeuge eine entscheidende Rolle. Zugleich wählt ihr aus, welches Fahrzeugset ihr für die Map verwenden möchtet. Fahrzeuge europäischer oder amerikanischer Bauart, neu sind die asiatischen Beförderungsmittel. Zwei Optionen habt ihr beim Erstellen der Karte: Dreht an Schiebereglern und lasst sie automatisch generieren oder legt im Editor bis ins letzte Detail selbst Hand an.

Entscheidend für ein überzeugendes Spielerlebnis ist die Simulation der einzelnen Transportfahrzeuge und -flugzeuge und die Harmonie mit der Wirtschaft. Und das funktioniert gut. Wie anfangs erwähnt geht es darum, für wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen, also bringt ihr das zu den Städten, was diese benötigen - das vermittelt euch das Spiel einfach und übersichtlich. Ebenso braucht es Verbindungen untereinander, für die Passagiere von Stadt zu Stadt und von den Rohstoffen zu Fabriken. Denn ihr karrt natürlich nicht allein die Rohstoffe in die Städte. Diese verlangen nach fertigen Waren, daher beliefert ihr zuerst die Fabriken auf der Karte, die dann die Waren produzieren, die ihr nach Fertigstellung in die Metropolen liefert.

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Karten fürs freie Spiel erstellt hier wie hier automatisch, indem ihr einzelne Dinge beeinflusst, oder bastelt selbst im Editor herum. (Transport Fever 2 - Test)

Und wenn eine Fabrik zur Produktion mehrere Dinge benötigt, ist es ratsam, den Überblick zu behalten. Da kommt es dann auf die richtige und effiziente Planung an. Funktioniert was nicht ordentlich, krempelt es um und macht es besser. Es gibt immer einen Anreiz, Dinge zu ändern und zu optimieren, sich zu verbessern. Ein motivierender Faktor. Für mehr Überlegungen sorgt die Tatsache, dass hier jede Stadt nicht mehr als zwei Anforderungen an euch hat. Somit beliefert ihr nicht einfach jede Stadt mit allem in der Nähe, ihr macht euch viel mehr Gedanken darüber, wie ihr das gewünschte Produkt zu liefern habt, ohne dass es in große Komplexität ausartet. Schade ist, dass über die Jahrzehnte hinweg kein neuer Bedarf hinzukommt, wie es zum Beispiel in einem Railway Empire der Fall ist, wenn Städte wachsen.

Gleichzeitig gibt es kein unbegrenztes Wachstum. Erneut: Es ist kein City Builder, dennoch spielt der Aufbau der Stadt eine Rolle. Behaltet den Verkehr im Auge, damit es keine Staus gibt. Lasst eure Massen an LKW nicht durch Wohngebiete rollen. Und schaut, dass ihr die Stadt nicht mit Abgasen verpestet. Hier und da ist Detailarbeit vonnöten, um die optimalen Ergebnisse zu erzielen, fummelig oder lästig ist das nie. Um solche Dinge gut zu erkennen, umfasst Transport Fever 2 verschiedene Ansichten, die euch unter anderem zeigen, wo die Industrie- und Wohngebiete sind, wo die Verschmutzung am größten ist und ähnliche Dinge, die euch bei der Planung helfen.

An anderer Stelle haben die Entwickler das Spiel vereinfacht, indem zum Beispiel einzelne Betriebe Gewinne abwerfen, wenn ihr Rohstoffe dorthin bringt und sie Waren produzieren. Auch dann, wenn es bis dato keinen Abnehmer dafür gibt. Den Schwierigkeitsgrad zu ändern, sorgt hier nicht für Abhilfe. So gut die Simulation des Wirtschaftskreislaufes an anderer Stelle ist, so simpel ist sie hier - das schmeckt wahrscheinlich nicht jedem.

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Aller Anfang ist schwer: Viele Fabriken, viele Rohstoffe und Städte, die Dinge brauchen. (Transport Fever 2 - Test)

Davon abgesehen, fahren die Entwickler viele coole und nette Features auf, die euch das Leben einfacher machen. Dazu zählt der modulare Aufbau von Bahnhöfen, Häfen und anderen Gebäuden. Statt einen Bahnhof abzureißen und einen neuen aufzubauen, erweitert ihr ihn Stück für Stück um neue Bahnsteige und Gleise. Das erspart große Umbauarbeiten. Weiterhin lassen sich das Tempo des Spiels sowie das Datum unabhängig voneinander anpassen. Gefällt euch ein spezifisches Zeitalter besonders gut? Dann friert das Datum ein oder verlangsamt es, während der Rest - Fahr- und Flugzeuge bewegen sich, ihr habt eure Einnahmen uns Ausgaben - im normalen Tempo weiterläuft.

Obendrein unterstützt Transport Fever 2 Modding-Optionen. Das gilt zum einen für Karten, zum anderen für Szenarien und andere Sachen. Die Community ist bereits kurz nach dem Release fleißig damit beschäftigt, neue Karten (250+), Fahrzeuge und Gebäude zu erstellen, die ihr bequem über den Steam Workshop bezieht.

Die Entwickler von Transport Fever 2 bezeichnen ihr Spiel dabei bewusst als Transportsimulation. Es zeigt, was hier im Mittelpunkt steht. Der Transport von Rohstoffen, Waren, Passagieren. Ihr baut keine Städte, übernehmt keine Fabriken und kümmert euch um keine Mitarbeiter. Und es gibt keinen Konkurrenzdruck. Nur ihr alleine, euer Konto und die Herausforderung, auf jeder Karte das perfekte Transportnetzwerk aufzubauen. Es ist motivierend und fordernd, die optimale Vorgehensweise auszutüfteln und bis ins letzte Detail an der eigenen Effizienz zu arbeiten. Zugleich gibt es sinnvolle Verbesserungen im Vergleich zum ersten Teil und das Spiel eignet sich vorzüglich für Neueinsteiger - spielt die Kampagne und ihr kommt gut rein -, darüber hinaus fühlen sich erfahrenere Spieler nicht vernachlässigt. Sucht ihr nach einer Alternative zur klassischen Wirtschaftssimulation, schaut euch Transport Fever 2 näher an.

Entwickler/Publisher: Urban Games/Good Shepherd, Astragon - Erscheint für: PC - Preis: zirka 40 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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