War of the Visions: Final Fantasy Brave Exvius - FF Tactics goes Gacha

Der Sprung von FF6 zur Iso-Taktik, noch einmal neu erlebt.

Final Fantasy Brave Exvius dürfte das Final Fantasy sein, mit dem ich mit Abstand die meiste Zeit verbracht habe. Über drei Jahre und ungefähr 1500 Euro später - was mich auf den Monat gerechnet schwerlich als "Wal" qualifiziert - gebiete ich über eine ansehnlich Armee von Charakteren aus allen möglichen Final-Fantasy-Spielen, verbringe viel Zeit auf einer Meta-Gaming-Charakter-Builder-Seite, die ich auch noch ein klein wenig über Patreon füttere und das Ergebnis ist ... Egal, bei keinem dieser Spiele sollte man diese Frage wirklich stellen.

Damit kann ich auch sagen, dass ich das Auftauchen des Spin-Offs "War of the Visions: Final Fantasy Brave Exvius" mit Gelassenheit erwarte, denn zwei Spiele der Sorte kann ich mir nicht leisten. Aber für andere mag es eine gute Chance für den Einstieg sein, denn grundsätzlich könnte das hier das interessantere Spiel werden. Aber der Reihe nach: Beide Spiele, Original wie War of the Visions, fallen in die Kategorie der Gacha Games. Ohne das zu sehr zu vertiefen, das wichtigste Kernelement dabei ist ein großer Pool an Figuren, die ihr zufällig bekommt. Diese reichen von weit verbreitet und alltäglich bis hin zu ultra-rar und mit diesen Figuren bestreitet ihr dann das eigentliche Spiel. Es gibt noch zig Mechaniken drumherum, aber das ist der wesentliche Knackpunkt.

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Es geht natürlich auch um die ganz tiefgründigen Fragen, das gehört sich für FF.

Final Fantasy ist natürlich prädestiniert. Ihr habt Hunderte von Charakteren - Helden, Monster, Feinde, alles, was da kreucht und fleucht - und als Grundprämisse, dass eine Gruppe dieser Figuren Rundenkämpfe austrägt. Nichts anderes ist Brave Exvius. Zieht Figuren, baut ein Team daraus und zieht aus, um Story- und Meta-Boss-Kämpfe auszutragen. Mit dem Loot baut ihr eine bessere Truppe und prügelt euch in Brave Exvius durch über vier Jahre an fortlaufend erweiterten Inhalten. Wer Final Fantasy "Classic" liebt und weiß, dass er nicht dem Impuls erliegt, zig Hunderte Euro auf einen Schlag für Figuren wegzuballern, sobald das Gehalt da ist, sondern mit dem spielt, was das - relativ großzügige - Spiel euch jeden Tag und jedes Event von sich aus gibt, dann ist es eine ausdrückliche Empfehlung.

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Figuren sammeln, bis der Gerichtsvollzieher kommt ... wäre wohl die Definition des bösen Gacha. Hoffentlich überspannt hier War of the Visions nicht den Bogen.

Jetzt aber zu War of the Visions, das im Grunde auf den gleichen Säulen fußt. Ihr habt einen eine lange lineare Kette von Kämpfen als umfangreichen Story-Modus, dazu jede Menge Events, Extra-Boss-Kämpfe und mehr am Rande, ihr zieht Gacha-esk neue Figuren - gelegentlich umsonst, so viel ihr wollt für viel Geld - und macht im Prinzip genau das Gleiche: Baut eure Truppe auf, verbessert sie, besiegt mehr Gegner. Der Kniff hier ist jetzt, dass man sich nicht Final Fantasy VI als Vorbild nahm, sondern Final Fantasy Tactics. Ihr habt jetzt Rundenkämpfe auf einer isometrischen, dreidimensionalen Fläche. So wie 1997.

Nicht nur das, um dem Vorbild getreu zu bleiben, wurde gleich noch ein zumindest beim Anspielen ordentlich komplexes Job-System sowie ein deutlich erweitertes und variantenreicheres Crafting eingeführt. So wie es damals ein ordentlicher Komplexitätssprung von FF6 zu FF Tactics war, genauso scheint es sich jetzt bei Brave Exvius zu War of the Visions zu wiederholen. Wobei das auch ein wenig täuschen kann. Zum einen ist Brave Exvius ab einem gewissen Meta-Game-Level ganz schön komplex, zum anderen musste ich mich in War of the Visions auch erst einmal in einem sehr engen Test-Zeitfenster reinfuchsen, sodass hier ganz sicher kein finales Urteil gefällt wird. Aber ja, der erste Eindruck war schon, dass man hier noch einmal mehr Zeit beim Grübeln zum Thema perfekte Party verbringen kann.

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Den Sprung zu 3D-Modellen hat man halbwegs hinbekommen, aber ein wenig poliert darf ruhig noch werden.

Nicht, dass es die gäbe. Diese Erkenntnis kommt in beiden Spielen irgendwann von ganz allein. Verschiedene Gegner haben verscheide Vor- und Nachteile, Element-Schwächen und -Resistenzen. Dazu kommt nun auch noch Initiative, Bewegungsreichweite, unterschiedliche Boni für erhöhte Positionen. So wie man bei Tactics plötzlich auf sehr viel mehr achten musste als wenn sich einfach nur ein paar per ATBs getimte Figuren gegenüberstehen, findet ihr alle diese Elemente auch in War of the Visions tadellos umgesetzt wieder. Selbst eine Vielzahl von Objekten in der Landschaft könnt ihr euech zunutze machen, wobei man schon überlegen sollte, welche Brücke man hinter sich abbricht. Es könnte die sein, über die man sich gern zurückziehen würde... So gut das hier auch von der Steuerung her funktioniert, legt es dabei lustigerweise einen Finger auf eine alte Wunde: Ich kaufte vor Ewigkeiten mal FFTactics für Android für nicht wenig Geld und dessen Steuerung war grausig. Man kann nur hoffen, dass der Klassiker auch noch mal ein Update mit der Technik von War of the Visions bekommt.

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Natürlich hat jeder einen Job, der zu einem anderen Job mit wieder zig Fertigkeiten und Talenten werfen kann. Adel verpflichtet und FF Tactics ist alter Adel.

Was die Story und den Schwierigkeitsgrad angeht, muss ich mich noch zurückhalten. Beides nahm erst seine zarten Anfänge, ich habe keinen Kampf der Story bisher verloren, bin aber dann auch noch in den urschleimigsten Frühphasen dessen, was wohl wieder in große Hof-Intrigen ausarten dürfte. Deutlich interessanter jedenfalls als die Kindergarten-Brave-Exvius-Storyline selbst, die nie über das Niveau von Früh-90er-J-Fantasy hinauskam. Aber sich wegdrücken ließ, wie jetzt hier auch. Die Herausforderungen kommen dann eher aus dem Metagame, von dem ich noch ein gutes Stück weg bin, aber erste Eindrücke von weitem - optionale Kämpfe, die unbesiegbar mit dem, was ich hatte, schienen - machten einen guten Eindruck.

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Natürlich gibt es Espers. Und auch sie werden gelevelt. Alles wird gelevelt.

Mein Problem könnte auch eines mit dem generellen Konzept sein. Brave Exvius ist wunderbar, um sich mit Hingabe in einen Event-Bosskampf zu stürzen. Stundenlang, wenn es sein muss. Aber man kann eben auch nebenbei den Tages-Grind ein wenig laufen lasse, so wie ich das in diesem Moment tue. Bei War of the Visions hatte ich bisher den Eindruck, dass ich mich auf alles konzentrieren muss. Das kann aber auch daran liegen, dass meine Truppe einfach noch nicht so gut war, dass ich sie der Automatik aussetzen und auf Erfolg hoffen konnte. Was uns zum Gacha bringt. Es ist unmöglich hier zu sagen, wie großzügig das Spiel außerhalb Japans sein wird. Brave Exvius hat da eine heftige Evolution hinter sich. Von angetäuschten Ultra-Rares ging es zu mittlerweile fairen Drop-Raten und mehr als genug Möglichkeiten auch für reine F2P-Spieler, um sich lange Zeit zu vergnügen. Wie hier auch rechne ich bei War of the Visions mit einem eher trägen Power-Creep, so sind Figuren, die ich vor über einem Jahr zog, immer noch teilweise Top-Tier-Kämpfer. Also, sollte War of the Visions in diese Fußstapfen treten, dann werdet ihr eine Menge mobile Spaß haben können, ohne° einen Cent zu zahlen.

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Job: Lord. Warum nicht.

Kann ich euch Final Fantasy Brave Exvius empfehlen? Ja, auf jeden Fall, sonst würde ich nicht so viel Zeit damit verbringen. Aber seid euch sicher, dass ihr eure Finanzen bei so etwas im Griff habt und nicht zu Impulskäufen neigt, die später unglücklich machen. Und wenn das der Fall ist, dann haltet diesen Frühling die Augen nach War of the Visions: Final Fantasy Brave Exvius - sperriger geht es kaum - auf. Final Fantasy Tactics ist bis heute ein Ausnahmespiel und War of the Visions hat technisch, was es braucht, um in diese Fußstapfen zu treten. Mal gucken, was es draus macht.

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Über den Autor:

Martin Woger

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