Alt+F40: WipEout, Ultima, Dungeon Keeper - Mobile Gaming ist der Friedhof der Klassiker

KW 37/2021: Alex denkt laut darüber nach, was Studios zur Klassiker-Resteverwertung auf Mobilplattformen treibt - und macht mal was anders!

Sonntag geht es mit dem Großen in den Zoo. Nichts macht er lieber, als sich mit Tieren zu befassen. Schon mit zwei Jahren kannte eine locker dreistellige Zahl an Biestern und konnte sie auch benennen. Letztens, er ist jetzt vier, identifizierte er in einem Magazin einen "Kleiber". Ich musste erstmal schauen, was er meinte (einen Vogel). Es hat was von einer Inselbegabung, denke ich. Dann wiederum nenne ich so auch meinen Hang, den ganzen Tag in einem Videospiel zu versinken, wenn man mich denn lässt. Meinen Sohnemann beschäftigt jedenfalls selbst im scheinbaren Leerlauf kaum etwas anderes als eben Tiere. Egal ob schuppig, mit Fell, klein oder groß.

Schaut er schweigend zum Fenster raus, denkt er vermutlich die dicke Taube, die eben vorbeiflatterte, zu einem Andenkondor um. Touchiert vor dem Haus ein Radfahrer raschelnd den Fliederbusch (den ich bald mal stutzen müsste), während unser Gnom durchs Medizini blättert, huscht vor seinem inneren Auge ein Luchs durchs Unterholz. Und weil die Tiere, die es tatsächlich auf der Welt gibt, wohl nicht reichen, denkt er sich gerade neue aus. Vor nicht ganz zwei Minuten informierte er mich über das Fressverhalten von "Schnekolena Kaulfrosch" und "Namit-Hörnchen"... Manche mögen das kauzig finden, wie auch seinen aktuellen Berufswunsch, Tierfilmsprecher zu werden. Aber ich liebe jede einzelne der fiktiven Tierdokus, die jetzt schon aus ihm heraussprudeln.

Inhalt

Die nächste Legende hat's erwischt: WipEout Rush wird ein Karten-Rennspiel für unterwegs

Newsflash: Es gibt keinen Gott! Das weiß ich nicht, weil das Klima auf der Kippe steht und weltweit auch sonst viele Menschen unsägliches Leid durchmachen, sondern weil WipEouts sehnlichst erwartete Wiederbelebung erstmal auf mobile passiert und das ist nie ein gutes Zeichen. Klar, es gibt aktuell noch sehr dünne Gerüchte, dass ein neuer Teil der Reihe für PS5 und PSVR kommen soll, aber es ist so schon kein guter Look, wenn irgendein Entwickler, von dem noch nie jemand etwas gehört hat (no offense, Rogue Games!) ohne Beteiligung Sonys einen lizenzierten Ableger für Android und iOS ankündigt. Noch dazu ein Spiel, das mit der Ausrichtung des Originals nichts und wieder nichts zu tun hat. Wie auch, wenn es um Karten und "fesselndes Verschmelzungs-Gameplay" geht?

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Tja.

Die Existenz dieses Spiels ist kein Weltuntergang, na klar. Vielleicht ist es sogar anständig und macht Spaß. Aber ein schlechtes Zeichen für Leute, die diese Rennserie lieben. Denn in einem Szenario, in dem wir aktuell noch davon ausgehen müssen, dass Sony nicht daran interessiert ist, Psygnosis' legendären Vorzeige-Racer zurückzubringen, wirkt diese Ankündigung wie pure Häme und mehr als nur ein bisschen zynisch. Den Dialog mit der Community macht das nicht einfacher. Wir kennen das Muster nur zu gut. Vor allem von EA, die berühmt dafür sind, selten den Eindruck zu machen, noch Interesse an vielen ihrer alten Klassiker-Marken zu haben. Erinnert sich noch jemand an Ultima Forever? Wie steht's mit Dungeon Keeper Mobile? Schon was von Command & Conquer Rivals gehört? Alles legendäre Serien, die mit den richtigen Mitteln auch heute noch profitabel ihr Publikum finden würden, wenn man seine Erwartungen entsprechend anpasst.

Aber Publisher sind nun mal da, um den Punkt der Kostendeckung zu erreichen oder ein bisschen Gewinn einzufahren - Entwickler auch, aber die sollten ein wenig dafür leben, mit ihrer Vision ihre Zielgruppe glücklich zu machen. Die oben genannten Beispiele waren jedenfalls nicht nur schlechte bis mäßige Spiele, die wenig der DNS der Originale in sich trugen, sie hatten noch ein ganz anderes Problem: Der Kunde, für den sie gemacht wurden, existierte einfach nicht. Die Leute, die alt genug sind, sich für ein neues Ultima zu interessieren, sind für Mobile Gaming eher nicht zu haben. Und wer hauptsächlich auf Mobile spielt, hat mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit noch nie etwas von Ultima gehört, hält Brittania für einen TikTok Star und lehnt bei der Frage nach Lord British dankend ab, weil Tee nur mit Bubbles lecker schmeckt.

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Ultima Forever. Schon der Name ist ein Witz mit vielen, vielen Ebenen. Es wurde schnell abgeschaltet, war das Gegenteil der Ehrerbietung, als die man den Titel hätte begreifen können und mit Ultima an sich hatte es auch nicht wirklich viel zu tun.

Ich habe in meiner Zeit mit Apple Arcade sehr viel Respekt für Spiele auf mobilen Plattformen gewonnen. Bei den Spielen, die dort erscheinen, fühlt man allerdings auch mehr Konsolenenergie als mobile Zeitverbrenner-Vibes, bei denen das Geschäftsmodell als erstes stand - und dann erst die Spielidee kam. Man kann echte, auch neue Spielerlebnisse hier schaffen, die jedes Augenpaar verdient haben, das sie auf sich ziehen. Aber diese Mobile-Versionen untoter Legenden sind Irrgänger, die eigentlich nicht existieren dürften. Aus Respekt vor den Fans, aus Respekt vor den Leistungen, die diese Werke darstellten und aus Respekt vor der Logik des Marktes, der nur eine Nachfrage bedienen kann, die auch wirklich existiert.

Weitere Notizen - KW 37/21

Alex spielt gerade: Dieser Abschnitt heißt fortan nicht mehr "Texte in Arbeit", weil ich gemerkt habe, dass sich manches doch länger zieht als eine Woche und anderes letzten Endes manchmal doch keinen Artikel wert ist. Deshalb hier generell fortan ein paar Takte, was mich gerade umtreibt: Aktuell spiele ich viel mit dem neuen Razer Wolverine v2 Chroma Controller, der einen sackstarken ersten Eindruck hinlegt. Eastward habe ich genauso angefangen wie das putzige Flynn: Son of Crimson im Game Pass und Death Stranding hat ebenfalls wieder zum Spaziergang geladen. Ich tue einfach so, als wüsste ich nicht, wohin die Reise geht. Das macht es leichter. Oh, und gerade kam die Benachrichtigung rein, dass Castlevania: Grimoire of Souls auf Apple Arcade draußen ist... hoffentlich nicht noch ein Klassiker, der zum Sterben aufs Tablet gekrochen ist... Ich werde berichten.

Musiktipp der Woche: Angel Olson - Lark Nachdem Meshuggah letzte Woche für den einen oder anderen vielleicht ein bisschen für Schleudertrauma sorgte, mal wieder eine andere Richtung. Die umtriebige Olson hatte ich schonmal in Woche 23/2021 im Duett mit Sharon Van Etten empfohlen. Diesmal also solo. Vom letzten Longplayer All Mirrors hier der Opener, der ziemlich gut auf den Punkt bringt, worum es in der nächsten Dreiviertelstunde gehen wird: Um viel, viel Drama, Schmerz und Pathos das mühelos zwischen großen, raumumfangenden und zerbrechlichen kleinen Sounds hin und her wogt. Aufwühlend und unter die Haut gehend. Ein Traum von einem Song.

Höhepunkt der Woche: Ich befürchte, das wird sich rächen, weil meine Zeit schon für eines dieser attraktiven Games gerade ein bisschen knapp ist. Aber wie wundervoll die Pixelart ist, die diese Woche herausgekommen ist, das darf man schon mal feiern: Sowohl Eastward als auch das im Game Pass enthaltene Flynn: Son of Crimson sind zum niederknien hübsche Anlehnungen an klassische Spielprinzipien und auch inhaltlich sehr viel versprechende Titel, auf die ich mich sehr freue.

Und dann muss ich noch mal eine Lanze für den Multiplayer-Modus von Deathloop brechen, der mir als das zwanglose Katz- und Maus-Spiel, das er sein will, einfach wahnsinnig gut gefällt und mich überraschend lange motiviert. Schade, dass die Maus und Tastatursteuerung am PC ein wenig überladen wirkt (ich fuchs mich rein) und die Verbindungsqualität einem Münzwurf gleichkommt. Hat mich aber bisher nicht abgehalten, es weiter zu versuchen. Toll gemacht.

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Eastward - schöner werden Pixel nicht mehr.

Mittelpunkt (?!) der Woche: Reine Spekulation? Crysis 4 ist auf einer internen Liste von Geforce-Now-Titeln aufgetaucht, deren Aussagekraft nvidia prompt als nichtig deklarierte. Dass es dennoch bei einigen rattert, ob der Spiele, die dort zu sehen waren, ist klar. Mir ist vor allem der Titel von Crytek ins Auge gestochen - einmal als Superfan von Hunt: Showdown und einmal als jemand, der Crysis trotz diverser nicht gerade kleiner Probleme, die er damit hatte, weitgehend für unterschätzt hält (vielleicht eine Artikelidee für nächste Woche?). Sicher sagt nvidia zumindest zum Teil die Wahrheit hier. Aber im Gegensatz zu einer Reihe weiterer PlayStation-Umsetzungen ist ein Crysis 4 noch ein bisschen zu tief ins Blaue geraten, um reiner Zufall zu sein. Oder sehe das nur ich so?

Ich bin jedenfalls vorsichtig vorfreudig, vor allem weil Crytek mit Hunt eine große designerische Reife bewiesen hat. Ein Crysis mit den World-Building-Qualitäten und den Gameplay-Feinheiten des Bayou-Shooters könnte was ganz Großes werden.

Tiefpunkt der Woche: Einmal kollektiv seufzen, denn das tut gut, wenn ein Spiel wie Dying Light 2 mal wieder verschoben wurde und nun erst im nächsten Jahr erscheint. Noch dazu im Februar, wo wir mit Elden Ring, Horizon: Forbidden West und Saints Row ja sonst keine riesigen, offenen Welten zu bereisen haben. Für mich persönlich steht das Spiel der Polen mindestens auf dem zweiten Platz in dieser Liste (weshalb es mich nicht wundern würde, wenn die Wiederbelebung der Saints noch einmal weichen würde). Und die Community und der gute Wille, die Techland mittlerweile hinter sich versammelt hat, dürften das Spiel schon alleine zur Hausnummer in diesem Monat machen. Aber im Dezember wäre es schon ein wenig entspannter gekommen. Schade. Dann wiederum: Ein halb fertiges Dying Light 2 will auch niemand sehen...

Und dann ist noch das hier passiert - siehe unten: Ich hatte ja vor einer Weile schon gesagt, dass die Reste eines der unteren Blätter die ich am Scheinstamm meiner Minibanane abgeschnitten habe, mir nicht gefielen. Kein Wunder, war auch Schimmel drunter. Hat mich jetzt zwei weitere Blätter gekostet und ich werde sie nun vorübergehend ein wenig trockener halten, um den Schimmel aushungern zu lassen. Ich hoffe, sie berappelt sich.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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