Bang & Olufsen BeoPlay Portal Gaming-Headset - Test: Scandi-Style für die Xbox

Nordischer Minimalismus für den üblichen Preis.

"Das ist kein Gaming-Headset. DAS ist ein Gaming-Headset!", sprach der obligatorische RGB-Kunde und hält ein blinkendes Monster von einem Headset hoch. Nun, das kann dem Beoplay-Portal-Hörer herzlich egal sein. Die Geräuschunterdrückung schirmt ihn von solchen Sätzen recht effektiv ab. Und das ist gut so, denn die Ausgabe, die man hier gemacht hat, muss in Ruhe kontempliert werden. Schließlich sind gerade 500 Euro für ein Gaming-Headset über den Tisch gewandert...

Mit diesem Preis markiert das Beoplay Portal Headset der eher im Design-Hi-Fi-Bereich verorteten Dänen von Bang & Olufsen schon so ziemlich den oberen Bereich der Gaming-Headsets. Nicht die Spitze, da geht es nochmal auf das Dreifache dessen, aber ja, 500 Euro für ein Headset sind nicht üblich. Die Frage ist also, ob und für wen es sich lohnt und da kann man gleich mal eine Zielgruppe hervorheben: Xbox-Nutzer. Das Portal wurde zusammen mit Xbox entwickelt und verbindet sich mit eigener Connect-Taste mehr als freudig mit einer solchen. Da auch mein PC eine Connect-Taste hat, eigentlich für die Xbox-Controller gedacht, hatte ich nicht die geringsten Probleme, das Beoplay Portal in Betrieb zu nehmen.

Anschlussfreudiger Designminimalist

Andere Anschlüsse sind natürlich auch dabei. BT 5.1 aptX HD für mobile Geräte, USB-C für PCs und PS5 und für harte Zeiten gibt es sogar noch eine Klinken-Buchse, sodass hier eigentlich fast nichts außen vor bleibt. Überhaupt ist das Portal anschlussfreudig wie kaum ein anderes Set. Selbst Multipoint, also zwei gleichzeitig verbundene Geräte, sind möglich. Dabei merkt sich das Portal bis zu acht Quellen und geht diese durch, wenn eine ausfällt. Das kann in der Praxis auch schon mal Nachteile haben, wenn sich das Set ständig ungewollt mit dem Handy verbindet, obwohl es per Funk mit dem PC gekoppelt ist. Trotzdem, das Portal ist also das eine für alles... nun, fast. Da das Beoplay Portal Dolby Atmos unterstützt, aber kein Tempest 3D kennt, funktioniert es als Headset zwar generell schon an der Sony-Konsole, aber ideal, um alle Features auszureizen, ist es im Gegensatz zur Xbox nicht.

1

Wer mit dieser Einschränkung leben kann - vielleicht, weil er mittlerweile den Glauben verloren hat, dass es eines Tages mal wieder PS5 zu kaufen geben wird -, der bekommt den meiner Ansicht nach schönsten, leichtesten und vielleicht am hochwertigsten verarbeiteten Gaming-Hörer am Markt. Wie schon gesagt, nichts hier sieht nach Gaming aus. Understatement ist ganz klar das Programm. Ein wenig Metall an der Seite mit dem dezenten Logo, sonst nur mitteldunkles Grau, von dem Polymer-Bambusfaser-Mix für die Muscheln und Leder-Rahmen bis zu den Verbindungsteilen. "Graue Maus" im positiven Sinne, das Ding sieht einfach richtig gut aus. Fasst sich auch so an: Ich hatte erst Sorgen, dass der Andruck etwas höher sein könnte, aber der Memoryschaum in den Muscheln schmiegt sich auf eine Weise an, dass man schnell vergisst, dass man überhaupt Kopfhörer trägt. Ein Hinweis am Rande an überzeugte Vegetarier: Auch wenn wahrscheinlich keine Lämmer spezifisch für ein Portal erlegt wurden, das Lamm-Leder außen ist echt. Warum auch immer.

Das Portal-Set kommt zwar auch auf 280 Gramm, womit es etwa gleichauf mit dem Epos GSP 370 liegt, aber dessen wuchtige Bauweise sorgt vielleicht dafür, dass sich das Portal ungleich leichter anfühlt. Die Hörmuscheln wurden dabei großzügig bemessen, scheinbar etwas, bei dem man aus anderen Beoplay Hörern lernte und das nicht nur Bequemlichkeitspunkte bringt: es ist zwar noch ein geschlossener Hörer, aber von etwas mehr Platz profitiert auch die Räumlichkeit des Klangs. Bequem sitzt es auf jeden Fall, auch große Ohren sollten genug Platz haben und dank des sehr anpassungsfähigen Polsters hatte ich auch als Brillennutzer überhaupt keine Probleme. Selbst nach Stunden nicht und auch wenn ich es jetzt bei 37 Grad im Zimmer nicht nutzen würde, ist das Portal-Set weit luftiger, als es den Anschein hat. Warme Ohren waren auch nach fast acht Stunden - unter normalen Zimmertemperaturen - kein Thema. Durchzockte Nacht wie auch Langstreckenflug (eines Tages irgendwann wieder), das Portal ist das Set dafür.

BeoPlay Portal: Vorgespult wird nicht!

Lediglich bei der an sich gelungenen Steuerung leiste man sich hier und da Schwächen: Lautstärke und Mikrofon-Level werden über zwei längliche Touch-Felder links und rechts gesteuert und diese sind so dezent, dass ich auch nach einer Weile noch nicht immer auf Anhieb direkt mit dem Finger landete. Sie funktionieren allerdings tadellos und sind so intelligent justiert, dass ihr euch nicht mit einer unbedachten Bewegung das Trommelfell rausschießt, sondern langsam genug reguliert wird. Auf der Mikro-Seite gibt es leider keinen haptischen Schiebeschalter, mit dem man sicher ist, dass man auf Stumm steht, sondern das wird über die Seiten geregelt. Die beiden Felder auf den Muscheln außen sind auch Touch-Felder, ein Doppel-Tap stellt auf Stumm, wenn ihr spielt oder telefoniert.

2

Bei Musik ist das dann die Pause-Funktion und wenn ihr euch nach einer Weile mit dem Set fragen solltet, wie man beim Musikhören einen Track vor- oder zurückspringt: Diese Funktion wurde vergessen. Ganz ehrlich, ich kann mir keinen anderen Grund vorstellen, warum es dieses grundlegende Standard-Feature nicht gibt. Sicher, es ist offiziell ein Gaming-Set, aber auch ganz klar als Alleskönner ausgelegt. Mein erster MP3-Player aus der digitalen Steinzeit hatte diese Funktion, ein 5-Euro-Billig-Headset kann das, aber das 500-Euro-Gerät eines Hi-Fi-Bauers nicht? Da hat einer geschlafen und es ist der einzige echte Kritikpunkt, den das Portal sammelt.

Sehen wir mal von diesem Fauxpas ab, war die Benutzerführung und Verbindungsfreude wie auch -qualität erstaunlich gut. Ich hatte nie das Problem, dass das Portal bei der Verbindung zickte, die Reichweite ist groß genug, um auch mal durch eine Wand zu kommen, und das stufenweise regulierbare Noisecancelling mit dem zweiten Schieberegler hat sich als sehr funktional erwiesen. Auf der Straße kann ich mir die zum Überleben notwendigen Umgebungsgeräusche reinholen, wenn ich dann mal wieder irgendwann in Bus, Bahn oder Flugzeugsitze, schiebe ich sie mit einer Handbewegung weg. Das aktive Noicecancelling ist sehr gut, aber nicht das allerbeste, denn gerade in den tiefsten Frequenzen schwächelt es ein wenig. Während Bose, Apple und vor allem Sony den vorbeifahrenden Laster praktisch canceln, kommt beim Portal ein leichtes Brummen vorbei. Das könnte bei langen Flugreisen ein Problem sein, aber testen konnte ich das noch nicht. Trotzdem, für alle anderen Anwendungsbereiche - Podcast beim Staubsaugen zum Beispiel... - leistet das ANC ausgezeichnete Dienste.

Werte, Akku und App passen schon mal beim BeoPlay Portal

Den 1200-mHa-Akku ladet ihr über USB-C in zwei bis drei Stunden von null auf 100 komplett auf und er hält dann im Bluetooth-Minimalbetrieb ohne ANC etwa 30 Stunden durch. Mit ANC geht es dann auf etwa 20 runter und im Gaming-Modus über Xbox Wireless mit ANC bleiben noch etwa 12. Das sind sehr anständige Werte, die euch durch alle Alltagslagen bringen sollten, nur leider sollte man sich nicht von Klinkeneingang täuschen lassen: Wenn der Akku alle ist, bleibt das Beoplay Portal stumm. Seine Technik braucht Strom, um generell zu funktionieren. Der Akku lässt sich austauschen, wenn man einen kleinen Schraubendreher zur Hand hat und einen Akku für etwa 50 Euro bei B&O bestellt. Auch die Muscheln lassen sie für einen ähnlichen Preis wechseln, denn sie sind mit einem Drehgewinde leicht austauschbar. Ein Feature, das ich mir für jeden Hörer wünschen würde, der sich in solchen Preisklassen bewegt.

Durchaus angetan war ich auch von der kleinen App. Während bei preislich ähnlichen Konkurrenten bis heute App-Probleme an der Tagesordnung sind, machte die Beoplay-App nicht die geringsten Schwierigkeiten. Sofortige Erkennung der Hörer, Steuerung von Verbindungen, ANC und Dolby Atmos wie auch fünf justierbare Presets. Diese erfassen leider nicht den ANC-Level, warum auch immer, sondern nur den Kreisfeld-Equalizer, mit dem sich der Sound sehr effektiv und bequem anpassen lässt. Es gibt sogar eine Track-Steuerung, aber die ist natürlich kein Ersatz für eine am Hörer. Aber trotzdem, App und Set spielen ausgezeichnet zusammen, so möchte man das haben.

3

Das wäre alles nichts Wert, wenn dieses 500-Euro-Headset nicht nach 500 Euro klingen würde. Verbaut sind hier die obligatorischen elektrodynamischen Neodym-40mm-Treiber, die ein Spektrum von 20Hz bis 20kHz abdecken, also das, was normale Menschen hören können. 24 Ohm Impedanz mit der üblichen Schwankung und 95 dB Empfindlichkeit sind auch keine besonderen Papier-Werte, sondern die Norm. Macht nichts, Werte sind nichts, Klang ist alles. Auf geht's also.

Handzahme Bässe, solides Mikro und beeindruckendes Atmos-Gefühl

Wie so oft bei hochwertigeren Hörern, die ein echtes Klangbild wiedergeben möchten, bleiben die überregulierten Power-Bässe von manchen Gaming-Sets und Beats-Hörern außen vor. Mit dem Equalizer könnt ihr da ein wenig gegensteuern, aber es bleibt alles im dezenteren Hi-Fi-Bereich. Man merkt halt doch, wo das Portal-Set herkommt. Das heißt nicht, dass die Bässe nicht da oder nicht effektiv wären. Im Gegenteil, das Set zeigt sich hier erstaunlich reaktionsfreudig und auch schnelle, kurze Einschläge werden akkurat und mit Nachdruck wiedergegeben, ohne dabei die restlichen Frequenzen aus der Ordnung zu bringen. Die Tiefen gehen nahtlos in weitestgehend ausgewogene Mitten über und selbst auf anderen Sets scharfe Höhen werden hier meistens eingefangen und so sauber wie präzise dargestellt. Es ist ein insgesamt erstaunlich ausgewogenes Klangbild, das ihr wie gesagt mit der App ein wenig in die eine oder andere Richtung manövrieren könnt und dann auch diese Eigenheiten gut zur Geltung bringt. Sehr überzeugend im Gesamteindruck.

4

Wo ein am Ende doch recht kleines Set an Muscheln, noch dazu in der geschlossenen Variante, passen muss, das ist die Ausgestaltung einer weiten Soundstage. Für das, was das Portal ist, ist es immer noch erstaunlich, wie gut gestaffelt Instrumentierungen dargestellt werden oder räumlich Filmeffekte vor allem im Atmos-Modus um euch gefühlt herumschwirren, aber erwartet hier keine kompletten Wunderwelten. Das Portal leistet hier mehr, als bei einem so handlichen geschlossenen Set möglich sein sollte, aber für das Maximum, was möglich ist, gibt es andere Kopfhörer-Bauweisen. Und auch wenn die Stage an sich nicht so groß ist, die räumliche Darstellung bekommt das sehr präzise Portal ausgezeichnet hin. Im 3D-Raum eines Shooters lassen sich Geräusche klar verorten, weit besser als bei vielen anderen Gaming-Sets, die ich hier hatte. Selbst ohne Atmos - besonders aber mit - überzeugt das Portal in einem Punkt, wo ich es jetzt nicht so sehr erwartet hätte.

Gehen wir ins Detail in Sachen Gaming und da halte ich mich an die Xbox und den PC, den erklärten Hometurf des Beoplay Portal. Erst einmal fällt auf, das nichts auffällt, denn dank der Wireless-Verbindung habt ihr keinen wahrnehmbaren Lag und die Soundqualität entspricht trotzdem einem aptX HD oder besser, nur ohne dessen Latenz-Nachteile. Als Shooter macht sich natürlich einmal mehr Call of Duty: Black Ops Cold War ausgezeichnet, um die erfreuliche Rest-Räumlichkeit des geschlossenen Sets zu genießen, vor allem aber, um zu erfahren, wie gut Atmos bei entsprechenden Kopfhörern dabei hilft, endlich "echtes" Surround zu bekommen. Die Ortbarkeit von Schüssen, Effekten und Stimmen ist ausgesprochen beeindruckend und mit einem billigen Boxen-Setup kommt man effekttechnisch wahrscheinlich nicht einmal mehr besser weg. Das zeigte auch schon das mit 200 Euro deutlich günstigere Corsair HS75 XB, hier ist es noch einmal dank der präzisen wie reaktionsschnellen Klangeigenschaften des Beoplay Portal auf die Spitze getrieben. Noch besser sind nur Apples VR-Soundfeatures in ihren großen Kopfhören, aber dort halt noch mehr auf den eigenen Kosmos begrenzt. Sonys Tempest-Engine ist vom Effekt her besser, aber ihre bisherigen Kopfhörer, die Tempest unterstützen, können nicht mit dem Klang des Beoplay Portal mithalten.

5

Nicht ganz unwichtig ist das Mikro, denn schließlich ist es ein Headset und kein Kopfhörer. Gaming-Sets nutzen normalerweise ein vorstehendes Mikro, aber das hätte beim Portal natürlich nicht ins Design gepasst. Eure Stimme klommt klar und natürlich über die Aufnahme rüber, aber erwartet kein zu großes Stimmvolumen. Es klingt alles ein klein wenig dünn, aber zumindest ist es in keiner Weise anstrengend, euch zuzuhören. Nun, jedenfalls liegt es nicht am Portal, falls doch. Was etwas enttäuschte, war die Geräuschunterdrückung. Das Portal nimmt gern mal Umgebungsgeräusche mit, selbst wenn diese nicht übertrieben laut sind. Ein lautes, mechanisches Keyboard oder ähnliche Dinge empfehlen sich bei Gesprächen nicht, ein mittelmäßig lautes ist okay. Die Geräuschfilter funktionieren also, aber besonders berühmt sind sie nicht.

Film, Spiel, Musik: Das kann das BeoPlay Portal Headset wirklich

Was dieser Klang hergibt, das merkt man schnell. Ein nach wie vor perfekter Kandidat ist Avengers: Infinity War. Nonstop-Action mit Effekten aus allen Richtungen, da muss man nicht lange warten, um zu sehen, ob die B&O Portal wirklich Richtungen weisen können. Können sie. Schüsse, raumgreifende Explosionen, Bruchlandungen und kosmische Schmelztiegel, alles umgibt euch auf eine Weise, dass selbst ich als sonst Stereo-Verfechter die Waffen strecken muss. Gutes Surround auf Kopfhörern ist mittlerweile gut. Immer noch eine Frage des Geldes wie es aussieht, wenn auch der generelle Klang stimmen soll, aber ausgesprochen beeindruckend.

Ein Unterschied zu den echten Boxen ist aber auch sehr deutlich: Als geschlossenes Set kann das Portal nicht mit der Räumlichkeit von einem Lautsprechersetup mithalten. Nicht nur das, auch wenn meine offenen Stereo-Kopfhörer es nicht schaffen, die Präzision der Surround-Positionierung so hinzubekommen, wie es das Portal tut, eine deutlich weitere Bühne geben sie allemal. Das fällt gerade bei Breitwandszenen auf, wenn das große Schlachtfeld sich entfaltet. Hier sitzt der Sound klar zu nah bei euch dran. Das ist der Bauweise geschuldet und wird sich nur schwer ändern lassen - Physik und so -, während es bei intimeren Gefechten alles so direkt wirkt, wie es soll.

10

Infinity War, Ready Player One und Blade Runner 2049 zeigen alle diese Eigenschaften, glänzen mit exzellenter Positionierung, einer sehr ausgewogenen Sprach-Verortung im Zentrum und praktisch perfekter Verständlichkeit. Die Mitten- und Höhenaussteuern wirkt aufgeräumt, ohne unangenehme Spitzen und selbst nach zwei Stunden in keiner Weise anstrengend. Damit, zusammen, mit dem leichten Gewicht, war es überhaupt kein Problem, zwei Filme am Stück zu gucken. Entspannt.

Das Einzige, was fehlt, ist der tiefe Bass. Die Tiefenfrequenzen des Beoplay Portal sind reaktionsfreudig, springen sofort auf jeden selbst wechselnden Effekt auf dem Bildschirm an, aber das tiefe Grollen eines Subwoofers habt ihr hier einfach nicht. Die meisten Kopfhörer, die solche Soundeigenschaften haben, schwächeln da ein wenig - oder wummern ohne Verstand vor sich hin und klingen sonst grausam - siehe Beats -, aber die des Portal wirken ein wenig mager.

Das ist im Gaming-Bereich nicht anders. Nehmt Control, dessen kaltes, distanziertes Sound-Design im Idealfall die Wände wackeln lässt. Hier passt es zwar sogar insgesamt besser, dass das nicht der Fall ist und das Beoplay Portal eine harmonische Linie durch alle Bereiche zieht, von der unheimlichen Stimmung in seltsamen Korridoren hin zu wilden ESP-Gefechten, aber es donnert halt nie so richtig. Trotzdem klingt es insgesamt ausgezeichnet. Diese "Laufruhe" ist auch einer der Gründe, warum das Portal für lange Sitzungen ausgezeichnet funktioniert. Zwei Stunden Doom Eternal mit ein wenig mehr Lautstärke wären über Kopfhörer für mich sonst eher anstrengend. Die Ausgewogenheit und gemilderten Bässe machen das Portal für mich allerdings zum idealen Shooter-Langläufer.

11

Bei Doom zeigt es sich jetzt nicht so, aber in Rainbow Six zum Beispiel muss sich die sehr exakte Ortbarkeit beweisen und wieder erstaunt, was das Portal aus seinen kleinen geschlossenen Muscheln herausholt. Wenn alle Kollegen mal ruhig sind und lauschen, ist man der Meinung, selbst den Gegner atmen zu hören. Lange zuvor vernahm man schon die leisen Schritte und praktisch jedes Mal lag ich richtig, aus welcher Ecke was kam. Insoweit sehr Shooter-tauglich, auch wenn es da im oberen Gaming-Bereich noch präzisere Dinge gibt.

Das Portal will aber eben ein Allrounder sein und dann muss die Musik-Disziplin auch passen. Hier zeigt das Beoplay Portal Set, dass man Kompromisse machen muss, wenn man alles sein möchte. Als reiner Hi-Fi Stereo-Kopfhörer der preislich oberen Mittelklasse wäre er bestenfalls dann auch oberes Mittelmaß in seiner Preisklasse. Andere schaffen deutlich mehr Klarheit zum Beispiel in den Mitten, zeigen höhere Brillanz beim Wechsel in die Höhen und diese haben hier von Zeit zu Zeit eine gewisse Schärfe, die einem dedizierten Stereo-Kopfhörer in diesem Bereich fehlt. Das ist immer noch alles um Längen besser als selbst 95 Prozent der richtig guten Gaming-Headsets, aber dann wieder verpflichten sowohl Adel als auch das Preisschild.

Die neue Helloween zum Beispiel, nicht unbedingt das Vorbild für ideales Mastering, empfand ich noch vor dem Ende der Scheibe als ein wenig anstrengend. Der hier eh nicht gerade hervorgehobene Bass - Powermetal ist nun mal keine Club-Musik - wird genau richtig akzentuiert und fühlt sich dabei nicht schwach, sondern schlicht ideal an. Aber im Vergleich zu einigen anderen Kopfhörern hier ist es schon so, dass zwar eine gute Räumlichkeit da ist und man ein wenig Eindruck von Bühne hat, aber die vor allem in den Soli wird die Gitarre zu hart nach vorn geschoben, vor allem sobald es in die hohen Noten geht.

Okay, weiter mit Hi-Res und Mobys All Visible Objects, bei dem er auf dem Cover so tut, als würde er die Quarantäne in einem kleinen Zimmerchen mit einem Mini-Set durch-remixen. Obwohl, der Mann hat viele gute Tage, vielleicht braucht er gar nicht mehr als das. Bei diesen chilligen Club-Mixes merkt man schon, dass nach unten beim Portal für dieses Genre was fehlt, spätestens wenn es zum DJ-Set des Albums geht. "Power is Taken" muss einfach krachen und so präzise und ansprechbar der Bass-Bereich des Portals ist, hier fehlt selbst für ein ausgewogenes Set ein wenig der Druck.

Um dann wieder die Mitten und Höhen besser zu erkunden, bleibt es bei Moby, diesmal aber rüber zum Reprise-Album, einer Klassik-Interpretation alter Tracks. Wo einen in "Extreme Ways" mit einem HiFi-Kopfhörer gestochen scharf ausformulierte Instrumente umschmeicheln, fehlt es hier ein wenig an der geschliffenen Klarheit. Der Klang wirkt gerade bei Streichern ein wenig schriller als er sein müsste, das geht besser. Um es noch mal ins richtige Licht zu rücken: für ein Gaming-Headset ist das immer noch alles obere Königsklasse! Um nicht zu sagen, dass ich bisher noch kein Set mit Gaming im Marketing hatte, das besser klang als die Beoplay Portal. Wenn ich dann aber zu den Hi-Fi-Sets gucke, da geht dann in den Spitzen für 500 Euro mehr. Das ist das Leben, das man als hochpreisiger Allrounder wählte: hart und ungerecht.

BeoPlay Portal: Welche Konkurrenten gibt es?: Rein aus der Xbox-Perspektive gibt es da natürlich das Xbox Wireless Headset, für das im Vergleich zum Portal nur zwei Dinge sprechen: Das Mikro ist ein ganz klein wenig besser und der Preis liegt bei einem Fünftel des Portal. Gutes Set für die Xbox, aber eben kein High-End. Ein echter Konkurrent ist das Sony WH-1000XM4 Wireless, dass ebenfalls Xbox Wireless unterstützt wie auch die PS4, "nur" um die 300 Euro kostet und ehrlich gesagt klanglich mindestens gleichauf liegt. Dazu kommt die bessere Geräuschunterdrückung. Nicht nicht ganz so edel verarbeitet wie das Portal und sieht halt nicht so schick aus, aber was tut das schon. Es gibt in der Preisklasse des Portal natürlich jede Menge Kopfhörer, die auch als Headset fungieren, aber das mehr nebenbei und auch kein Atmos oder Xbox Wireless unterstützen, aber vor allem bei Stereo besser klingen. Ohne ANC wäre Beyerdynamics Amiron ein solcher Kandidat. Auch Sennheisers Momentum 3 Wireless würde ich nicht vom Kopf stoßen, aber diese Extras haben sie nicht. In seinem Segment mit diesen Features ist das BeoPlay Portal also schon recht eigen.

Das BeoPlay Portal könnt ihr zum Beispiel bei Amazon.de, Media Markt oder Cyberport kaufen.

Bang & Olufsen BeoPlay Portal Test - Fazit

Die Bang & Olufsen Beoplay Portal sind für die Xbox mein allerliebstes Lieblings-Headset, da gibt es nichts dran zu rütteln. Sie sind einfach in der Handhabung dank des direkten Wireless-Connects und können trotzdem gleichzeitig noch per Bluetooth am Handy bleiben. Sie sind leicht und so bequem, dass ich sie nach Stunden mit Film und Spiel nicht als störend empfinde. Zusammen mit dem kostspieligen Atmos-Standard bieten sie ausgezeichnete Surround-Qualitäten und haben eine solide Rauschunterdrückung. Es ist einfach ein verdammt gutes Headset.

6

Das größte Problem ist der Preis. 500 Euro sind Oberliga im Headset-Bereich, bevor es esoterisch wird, und da kann man dann perfekte Rauschunterdrückung erwarten. Die des Beoplay Portal ist sehr gut, aber nicht perfekt. Der Klang ist herausragend für ein Gaming-Headset, aber nicht für einen kabellosen Hi-Fi-Kopfhörer. Der Bassbereich hat selbst für meine zurückhaltenden Ansprüche zu wenig Druck, die dezenten Schwächen in Mitten und Höhen sind da, alles Dinge, über die man für zwei Drittel des Preises lächelnd hinwegschauen könnte. Aber für das Geld fehlt das Tüpfelchen zu Brillanz.

Trotzdem: an der Xbox oder einem entsprechend ausgerüsteten PC ist Bang & Olufsens Beoplay Portal ein gelungener Einstieg in die Gaming-Welt. Selbst wenn ich klanglich ein klein wenig herumnörgle, es ist immer noch exzellent und rein vom Äußeren ist es das eleganteste Headset schlichthin. Aber da hat wohl auch niemand was anderes von Bang & Olufsen erwartet.

Unsere Wertungsphilosophie

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (12)

Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (12)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading