Drakensang

Flotter Vierer mit Haus!

Das Herz ist ein einsamer Jäger. Und nein, ich bin derzeit nicht auf dem Literaturtrip, obwohl Carson McCullers Klassiker natürlich immer noch eine Empfehlung wert ist. Aber dieser Buchtitel geht mir beim Spielen aktueller Rollenspiele nicht mehr aus dem Kopf. Denn: Egal, ob man nun durch Oblivion, Gothic 3, Two Worlds oder sonst einen aktuellen Genrekonkurrenten dackelt, eins bleibt immer gleich. Man ist allein auf weiter Flur.

Zugegeben, manchmal dringen Monsterhorden auf den Bildschirm, aber ein Rollenspiel alter Schule mit mehrköpfiger Gruppe, die ins Abenteuer zieht, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Falsch, Lüge! Neverwinter Nights 2 ist die löbliche Ausnahme. Kommen wir aber jetzt einmal auf den Punkt, denn es hat ja einen Grund, warum ich hier über einsame Rollenspiele schwadronieren. Ich kann das Ende der Einsamkeit verkünden.

Radon Labs bastelt derzeit an einem Rollenspiel, das die Party wieder zurück ins Genre bringt. Aber ihr Drakensang hat noch viel mehr mit Neverwinter Nights 2 gemeinsam. Es basiert ebenfalls auf einem altehrwürdigen Spielsystem aus der Pen-&-Paper-Fraktion: 'Das Schwarze Auge' war seit seiner Entstehung im Jahr 1984 in Deutschland tatsächlich beliebter als das berühmte Dungeon & Dragons.

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Partytime: In Drakensang sind vier Helden immer gemeinsam unterwegs.

Stolz steht Entwicklungsleiter Bernd Beyreuther neben dem PC, auf dem eine sehr frühe Version von Drakensang läuft. Engagiert und überzeugt erzählt er mir, dass er schon seit etlichen Jahren selber Fan der Papiervorlage ist, lange bevor er mit seinem Team die Arbeit an Drakensang aufgenommen hat. Wenn er im Brustton der Überzeugung davon redet, dass man eng mit mehreren Autoren der Romane zusammenarbeitet, um Aventurien (so heißt die Welt des Schwarzen Auges) stilecht ins Leben zu rufen, dann glaubt man ihm das glatt.

Ich sehe derweil eine sehr schmucke, sehr mitteleuropäische Landschaft, in der bereits das Heldenquartett wartet. Kaum steuert Beyreuther die Truppe ein paar Meter in die Wildnis, stößt er auch schon auf die ersten Gegner. »Gekämpft wird in Echtzeit« erklärt er mir. Ich runzle die Stirn. »Keine Panik«, ergänzt er, »du kannst natürlich jederzeit pausieren und deinen Leuten Anweisungen geben.« Unterdessen tobt das Gefecht auf dem Bildschirm. Fernwaffen-tragende Helden positionieren sich hinten, Schwertkämpfer stehen vorne und Magier schmeißen mit Feuerbällen um sich. Das klappt deshalb so gut, weil man vor jedem Gefecht eine von fünf Formationen auswählen darf, mit der die Helden antreten.

Von Piraten, Amazonen und Praios-Jüngern

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Die Städte wirken sehr europäisch.

Apropos Helden: Während es in der Vorlage eine Vielzahl von Heldentypen und Rassen gibt, aus denen man seinen Wunschkämpen zusammen bastelt, beschränkt sich Drakensang auf maximal elf. »Es gibt beim Schwarzen Auge viele Archetypen, die in einem Computerspiel keinen Sinn machen«, so Beyreuther. »Die müssen sich schon deutlich voneinander unterscheiden, deshalb haben wir die Auswahl künstlich beschränkt.« Im Spiel werden aber altbekannte Charaktere wie Thorwaler Piraten, Amazonen aus Kurkum und mittelländische Krieger zu finden sein.

Drakensang wäre kein richtiges Rollenspiel in der Tradition des Schwarzen Auges, würde allein der Kampf über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Sehr wichtig werden auch Gespräche sein, deren Verlauf wiederum von den Charaktereigenschaften der Gruppenmitglieder abhängt. Ein guter Lügner kann so Kämpfen aus dem Weg gehen, in dem er sich aus gefährlichen Situationen einfach heraussschwindelt.

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Mick Schnelle

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