Drei weitere Führungskräfte verlassen Ubisoft, während mehr Vorwürfe ans Licht kommen

Es geht um Chief Creative Officer Serge Hascoet.

Die französische Tageszeitung Libération bringt weitere Vorwürfe gegen Ubisoft-Mitarbeiter ans Tageslicht.

In dem Bericht geht es vor allem um Chief Creative Officer Serge Hascoet, Auszüge daraus hat Ico Partners' Thomax Bidaux in einem Twitter-Thread veröffentlicht.

Erneut ist das Thema darin sexuelle Belästigung und andere Vorfälle. "Berichten zufolge hat Serge Mitarbeiter ohne ihr Wissen, einschließlich Mitglieder des Top-Managements, unter Drogen gesetzt, indem er Space Cakes [Kuchen mit Cannabis] mit ihnen geteilt hat", heißt es zum Beispiel.

In der Kritik steht dabei einmal mehr die Human-Relations-Abteilung des Publishers, die bei berichteten Problemen wenig unternommen habe. Dies zeige, dass das HR-Team Dinge verschwiegen habe, wird ein Mitarbeiter dieses Teams zitiert.

Eine Person, die frisch von der Schule kam und bei Ubisoft anfing, wird wie folgt zitiert: "Es war so schlimm, dass ich mich auf mein eigenes Überleben konzentrierte. Ich fühle mich schlecht, zu diesem toxischen Team gehört zu haben, das Kollegen in Besprechungen Spitznamen gab und einen exzentrischen Spieledesigner 'den Idioten' nannte."

Ein Mitglied des HR-Teams sagt über Hascoet: "Er wird sogar für seine Toxizität, seine Frauenfeindlichkeit, seine Homophobie und seinen Führungsstil, andere zu vernichten, geschätzt. Ebenso für sein libidinöses Verhalten."

Und weiter: "Und heute versuchen einige, dies kleinzureden, indem sie sagen, dass er eine kreative Person ist. Wir wussten von Serge. [...] Er war anwesend, als [Tommy Francois versuchte, eine Kollegin gewaltsam zu küssen], und das brachte ihn zum Lachen."

Einer Übersetzung unserer englischen Eurogamer-Kollegen zufolge heißt es in dem Bericht auch, der Leiter des HR-Teams bei Ubisoft Montreal habe zusammen mit dem halben Team angedroht, das Unternehmen zu verlassen, sofern sie CEO Yves Guillemot sie nicht öffentlich davon freispreche, für die dortige toxische Kultur verantwortlich zu sein.

Besagter Serge Hascoet gehört indes zu drei Führungskräften, die das Unternehmen jetzt verlassen haben, heißt es in einem Statement des Publishers unter dem Titel "Ubisoft kündigt Abgänge an und bekräftigt sein Engagement für die Umsetzung wesentlicher Änderungen in seiner Arbeitskultur".

Neben Hascoet tritt auch Yannis Mallat zurück, der Leiter von Ubisofts Studios in Kanada. Auch Cécile Cornet, Leiterin des globalen HR-Teams, räumt ihren Posten "im besten Interesse der Einheit des Unternehmens".

"Diese Abgänge erfolgen nach einer strengen Überprüfung, die das Unternehmen als Reaktion auf die jüngsten Anschuldigungen und Vorwürfe von Fehlverhalten und unangemessenem Verhalten eingeleitet hat", heißt es.

"Serge Hascoet hat sich entschieden, seine Position als Chief Creative Officer mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Diese Rolle wird in der Zwischenzeit von Yves Guillemot, CEO und Mitbegründer von Ubisoft, übernommen. Während dieser Zeit wird Herr Guillemot persönlich eine vollständige Überarbeitung der Art und Weise überwachen, in der die Kreativteams zusammenarbeiten."

"Yannis Mallat, Geschäftsführer der kanadischen Studios von Ubisoft, wird seine Position niederlegen und das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Die jüngsten Vorwürfe, die in Kanada gegen mehrere Mitarbeiter zutage getreten sind, machen es ihm unmöglich, in dieser Position weiterzumachen."

"Darüber hinaus wird Ubisoft einen neuen globalen HR-Chef ernennen, der Cécile Cornet ersetzen soll, die beschlossen hat, von diesem Posten zurückzutreten, da sie der Ansicht ist, dass dies im besten Interesse der Einheit des Unternehmens liegt."

Die Suche nach einem Ersatz beginne sofort mithilfe einer erfahrenen Rekrutierungsfirma. Gleichzeitig restrukturiere und stärke man seine HR-Abteilung, indem Prozesse und Richtlinien mithilfe einer externen Beratungsfirma angepasst und verbessert werden sollen.

"Ubisoft ist seiner Verpflichtung, seinen Mitarbeitern ein sicheres und integratives Arbeitsumfeld zu garantieren, nicht nachgekommen", sagt CEO Yves Guillemot. "Dies ist inakzeptabel, da toxische Verhaltensweisen in direktem Gegensatz zu Werten stehen, bei denen ich nie Kompromisse eingegangen bin - und dies niemals tun werde. Ich bin entschlossen, tiefgreifende Veränderungen im gesamten Unternehmen umzusetzen, um unsere Arbeitsplatzkultur zu verbessern und zu stärken."

"Wenn wir uns gemeinsam auf den Weg zu einem besseren Ubisoft begeben, erwarte ich, dass Führungskräfte im gesamten Unternehmen ihre Teams mit größtem Respekt führen. Ich erwarte auch, dass sie daran arbeiten, die Veränderungen voranzutreiben, die wir brauchen, und immer daran denken, was für Ubisoft und alle seine Mitarbeiter am besten ist."

Zuletzt hatte es wiederholt schwere Vorwürfe gegen Ubisoft-Mitarbeiter gegeben, woraufhin Guillemot grundlegende Veränderungen im Unternehmen ankündigte. Unter anderem verließ Splinter Cells Creative Director Maxime Beland das Unternehmen.

Während des gestrigen Events Ubisoft Forward äußerte sich das Unternehmen nicht dazu, was vorab auf Twitter bekannt gegeben wurde.

"Ubisoft Forward kommt in einer Zeit großer interner Veränderungen", heißt es in dem Statement. "Da der gesamte Inhalt bereits vorab aufgezeichnet wurde, wollten wir anmerken, dass die Probleme, mit denen wir uns derzeit befassen, nicht direkt in der Show behandelt werden. Wir haben noch viel zu tun und sind diesem Prozess verpflichtet. Wir werden in Kürze weitere Updates dazu veröffentlichen."

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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