Ein Steuerkreuz zum Verlieben: Razer Wolverine v2 Controller - Test

Der neue Xbox Series S/X Controller unter der Lupe

Auf der PS4 war der Raiju nach einer Hard- und Firmware-Revision mein liebster Premium-Controller. Ich mochte ihn so sehr, dass er bis zuletzt auch am PC meine handschmeichelnde, hübsche und wandelbare Go-to-Lösung war. Zum Start der neuen Konsolen veröffentlichte Razer jetzt den Nachfolger des Xbox-Äquivalents Wolverine, schlicht als "v2" untertitelt und natürlich mit Plattform-übergreifendem Support für Series S/X, Xbox One und PC. Und ich muss sagen: er gefällt mir unterm Strich fast genauso gut wie meine persönliche Referenz mit PS4-Tastenaufdrucken.

Wie schon der letzte Wolverine ist auch der neue strikt kabelgebunden, die rückwärtigen Paddles flogen leider und die RGB-Beleuchtung zum Glück aus dem Konzept. Letzteres begrüße ich eindeutig, denn ich hasse es, wenn mich aus der Peripherie meines Blicks etwas anleuchtet oder sich im Bildschirm spiegelt. Mit 120 Euro ist der Wolverine v2 nicht gerade billig, vor allem, wenn man bedenkt, dass das Kabel zwar einen Stolperschutz am Stecker bietet, nicht aber vom Controller abnehmbar ist - und Textilummantelung hätte es auch sein dürfen. Dann wiederum ist ein Controller wie der letzte Raiju (klickt für den Test) auch mal eben 30 Euro teurer, was so in etwa der Unterschied ist, den ein gutes Wireless Signal machen dürfte.

Aber hey, wenn wir eines in den letzten Jahren eines gelernt haben, dann, dass die UVP wenig bis gar nichts damit zu tun hat, was "auf der Straße" dafür verlangt wird. Gehen wir also mal ins Detail:

Wolverine v2 - Verarbeitung und Ergonomie

Abgesehen von den Änderungen am Konzept hat vor allem die Form einen großen Sprung nach vorne gemacht. Der Wolverine war kantig, seine Griffe ragten wie zwei massige, gebleckte Fangzähne nach unten. Der jüngste Spross der Controller-Familie orientiert sich jetzt am wundervollen Raiju und verbessert dessen Ergonomie noch einmal etwas. Alles wird insgesamt etwas runder und ja - auch aufgeräumter. Ich könnte mir vorstellen könnte, dass er für größere Hände an der Rückseite etwas zu verschmust auf Löffelposition gepolt ist, an meine mittelgroßen Handflächen und Fingerunterseiten schmiegt er sich unwiderstehlich und nur ein bisschen aufdringlich an.

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Wirklich angenehm und vermutlich der Grund, warum die Paddles an der Rückseite weichen mussten. Das ist zwar bedauerlich, aber der Controller liegt so beneidenswert gut in den Griffeln, dass man die oberen Zusatztasten, die rein vom Anschauen her ein wenig unglücklich platziert wirken, wahnsinnig bequem und "unfallfrei" - also ohne zufälliges Betätigen der anderen Schultertasten - zu bedienen sind. Keine unnatürliche Fingerstreckung nötig.

Nicht ganz 280 Gramm bringt er auf die Waage, ist damit nicht zu leicht, fühlt sich massiv und kein bisschen klapprig an. Die gummierten "Hörner" fühlen sich nicht nur gut an, sie sorgen auch für sicheren Halt. Das hat durchaus Premium-Feeling, auch wenn das Design mit den Razer-grünen Inlays dem ansonsten dezenten Design einen verspielten Dreh mitgibt, den nicht jeder mögen muss. Dieses Gefühl, ein wundervolles "Arbeitswerkzeug" von professionellem Format in der Hand zu halten, untermauert aber ohnehin etwas anderes:

Performance und Bedienung

Meine Güte, diese Buttons. Die Mikroschalter - Razer nennt das "Mecha-Tactile Buttons", waren schon am Raiju ein Highlight, und liegen hier unter jeder Taste, unter der man sie wollen würde - sogar unter dem exzellenten, klassischen Steuerkreuz, das in der Mitte nur leicht vertieft ist. Ein elegantes, unaufdringliches Mausklicken ist das, was hier rauskommt, und es fühlt sich unfassbar präzise an. Ich bin zwar nicht der größte Fan der extem glatten Oberfläche der Tasten, aber in der Praxis störte sie mich nicht.

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Tatsächlich dürfte das hier im Ergebnis eines der besten Steuerkreuze sein, die ich je unter dem Daumen hatte: Schnell löst es aus, ist dabei zugleich kein bisschen wabbelig und doch nicht so fest, dass es anstrengend würde. Und die Tasten von A bis Y fühlen sich gleichzeitig satt und befriedigend und doch genau und auslösefreudig an. Die Bumper sind in etwa von der gleichen Qualität und Feeling wie die des Standard-Controllers, die Trigger haben einen angenehmen Widerstand, allerdings habe ich überlegt, ob ihr Hub nicht tendenziell eine Idee zu niedrig ist, der Weg fühlt sich jedenfalls kürzer an als auf dem Xbox Joypad. Aber wenn man wenngleich nicht wahnsinnig großzügigen Hub

Die Sticks haben - anders als zum Beispiel alles, was von Nacon kommt - einen schönen und nicht zu leichten Widerstand, ein besonders glatter Innenring verhindert Abrieb am "Hals" des Steuerknüppelchens und nach meinem Dafürhalten ist das der "Gerade-richtig"-Sweetspot, der sich in keinem Genre eine Blöße geben dürfte. Sehr schön. Eine Share-Taste ist genauso vorhanden wie am normalen Series S/X-Pad. Drift konnte ich die kompletten Wochen hindurch keinen bemerken. Sie fühlen sich an wie an Tag

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Besonders gut gefallen hat mir die Handhabung der 3,5mm Audio-Buchse. Am PC wird der Wolverine V2 als Soundkarte und Mikro angezeigt und gibt einen exzellenten, kraftvollen und sauberen Klang aus. Aber da wären wir schon beim nächsten Thema...

Features und Feinheiten

Der Wolverine v2 ist zwar keiner der modularen Controller, die die letzten beiden Jahre schwer in Mode waren - die meisten Leute finden halt irgendwann ihr Setup und bleiben dabei - und die fehlenden rückwärtigen Paddles schränken die Konfigurierbarkeit ebenfalls etwas ein. Dennoch hat er einiges zu bieten. Mittels einer schnellen und übersichtlichen App belegt ihr die zusätzlichen beiden Schultertasten mit einem Controller-Button eurer Wahl (am PC leider nicht auch mit bestimmten Windows-Funktionen oder Tastatureingaben) oder einer Sensitivitätsbremse für situativ höhere Genauigkeit. Und natürlich dürft ihr auch die Stärke der Vibration einstellen.

Schön ist vor allem die zusätzliche Audiotaste unten am Controller, gleich neben dem Steuerkreuz. Haltet ihr sie, könnt ihr per Steuerkreuz rauf und runter die Lautstärke anpassen und mit links rechts den Chat regulieren. Schön durchdacht und einfach in der Anwendung. Wer vorhat, diesen Controller am PC zu nutzen, darf sich freuen, denn Razer beherrscht ebenso Kopfhörerbuchsen-Plug-and-play - bei anderen Controllern muss man unter Windows ständig manuell die das Joypad als Audiogerät auswählen -, das ist hier sehr gut gelöst.

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Die Auslöseweg der Trigger lässt sich zudem per mechanischem Riegel auf separat halbieren, was ich persönlich selten brauche, für Leute, die die analogen Schultertaster aber mit digitalen Funktionen belegen, sicher ein sinnvolles Feature.

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Razer Wolverine v2 Test - Fazit

Es gibt sicher aufregendere Controller-Konzepte als den Wolverine v2. Der nicht gerade ansehnliche, aber coole und sehr funktionale eSwap von Thrustmaster wäre so eines. Aber es hat schon was für sich, wie auf dem Boden geblieben und maßvoll ausgestattet und elegant durchergonomisiert der Wolverine v2 daherkommt. Der Controller versprüht dieselbe Selbstverständlichkeit und Zuverlässigkeit, die auch von Standard-Joypads wie dem DualShock und dem normalen Xbox Controller ausgeht und setzt dabei in Sachen Materialien und Tastenqualität noch einen drauf. Das muss man erstmal hinbekommen. Das nächste Mal dann halt bitte optional auch drahtlos - und wenn es einen Weg gibt, die hinteren Tasten wieder zu integrieren, wäre das ebenfalls nett. Aber dann - ja, dann wäre ich hiermit wunschlos glücklich!

  • Entwickler / Publisher: Razer
  • Kompatibel mit: Xbox Series S/X, Xbox One, PC
  • Release-Datum: erhältlich
  • Preis: ca. 120 Euro

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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