Twitch sperrt Donald Trumps Konto nach der Attacke auf das Kapitol

Es soll nicht zur "zur Anstiftung weiterer Gewalt" genutzt werden.

  • Nach den Angriffen auf das Kapitol wurde Trumps Twitch-Account gesperrt
  • Der Kanal ist für unbestimmte Zeit gebannt
  • Politische Einmischungen von Twitch sind eher selten - und kommen in diesem Fall auch recht spät

Nach den gewaltsamen Angriffen auf das Kapitol in dieser Woche wurde der Twitch-Kanal von Donald Trump vorläufig gesperrt. Das Unternehmen erklärt diesen Schritt damit, dass man keine Plattform dafür bieten wolle, um zu weiterer Gewalt anzustiften.

In einem Statement von Twitch gegenüber Kotaku hieß es: "Angesichts des gestrigen schockierenden Angriffs auf das Kapitol haben wir den Twitch-Kanal von Präsident Trump deaktiviert." Weiter heißt es: "Angesichts der aktuellen außergewöhnlichen Umstände und der aufrührerischen Rhetorik des Präsidenten, glauben wir, dass dies ein notwendiger Schritt ist, um unsere Gemeinschaft zu schützen und zu verhindern, dass Twitch verwendet wird, um weitere Gewalt zu schüren."

Trump hatte seinen Twitch-Kanal seit 2019 dazu genutzt, politische Reden oder Pressekonferenzen zu verbreiten. Nachdem nun der aggressive Mob von Trump-Anhängern gewaltsam in das Kapitol eindrang, will man offenbar vermeiden, dass der Personenkult um den (bald Ex-)Präsidenten und die aufgeheizte Grundstimmung noch weiter über Trumps Account angeschürt werden könnten.

Wie lange Trumps Twitch-Account inaktiv bleiben wird, ist noch unklar. Vorerst ist er auf unbestimmte Zeit ausgesetzt: "Wir konzentrieren uns darauf, den Schaden bis zum Regierungswechsel zu minimieren und werden sein Konto nach seinem Ausscheiden aus dem Amt neu bewerten", heißt es vonseiten der Plattform.

Er kürzlich hatte Twitch angekündigt, dass das bekannte PogChamp-Gesicht aus den Emotes entfernt wurde - ebenfalls im Zusammenhang mit den Kapitol-Unruhen. Der Streamer Ryan Gutierrez, auf dem das vormals witzige Chatgesicht basiert, hatte sich sehr kontrovers auf Twitter zur Situation in den USA geäußert und sich auf die Seite der Angreifer und von Donald Trump gestellt.

Normalerweise hält sich Twitch aus der Politik eher heraus und Sperren gibt es meist nur für direkte Verstöße der Richtlinien vor der Kamera - besonders natürlich für Nippel und Co., da winkt bekanntermaßen sofort der Bann.

Der berüchtigte Streamer MontanaBlack, der sich selbst in seinen Videos für sein Gangster-Image regelrecht feiert, wurde beispielsweise im vergangenen Jahr mit Frauenfeindlichkeit und Urheberrechtsverletzungen auffällig, als er im Urlaub unerlaubterweise Frauen am Pool fotografierte und filmte und dieses Video dann auch noch live auf seinem Kanal zeigte. Vor allem die sexistischen Kommentare des Twitch-Stars stießen bei vielen in der Community sauer auf.

Der beliebte Streamer aus Deutschland wurde daraufhin zwar mit einem 33-tägigen Twitch-Bann abgestraft... aber der wird ihn vermutlich nicht langfristig jucken. Danach war der Streamer sofort wieder auf Sendung.

Dass Twitch sich politisch einmischt, ist also eher selten. Doch auch in Trumps Fall kann man mit einer direkten Verletzung von Richtlinien argumentieren: In einem Video nennt Trump mexikanische Einwanderer "Vergewaltiger", was als Hassrede angesehen werden kann - und Twitch dementsprechend als "aufrührerische Rhetorik" bezeichnet. Die Streaming-Plattform folgt mit dem Trump-Bann einer Handvoll anderer sozialer Medien wie Facebook und Twitter, die den Präsidenten ebenfalls gesperrt haben, zumindest vorläufig.

Es stellt auch nicht unbedingt einen gewagten Schritt dar, den Präsidenten erst jetzt nach der verlorenen Wiederwahl von der Plattform zu werfen, vor allem, da unklar ist, für wie lange. Eventuell handelt es sich auch nur um einen kleinen Hausarrest für Trump. Dass sich das Unternehmen allerdings überhaupt so klar vom Angriff auf das Kapitol distanziert, ist dennoch ein wichtiger Schritt gegen Hassreden und Propaganda - die er die letzten vier Jahre bereits eifrig auf den sozialen Medien verbreitet hat.

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Über den Autor:

Judith Carl

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News Redakteurin

Die Neue bei Eurogamer. Adventure-Freak und Fan von guten Geschichten. Begeisterte Sängerin. Mag Rollenspiel, Podcasts und Trashfilme.

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