Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Das Buch von Boba Fett ist ohne Boba besser dran

Stellt die Serie Boba mal zur Seite, macht sie plötzlich deutlich mehr Spaß. Eigentlich ein Armutszeugnis - mir tut das dennoch gut.

SPOILER zum Handlungsbogen, den Das Buch von Boba Fett in Folge 5 aufmacht. Ich gehe nicht auf viele Details ein, was genau passiert. Aber ich beleuchte den Fokus dieser Episode, denn er signalisiert ziemlich gut das Problem mit dieser Serie - und das, obwohl ich mich das erste Mal seit Beginn der Staffel gut unterhalten fühlte. Wer die Gerüchte über den Verlauf dieser Folge bereits kennt, kann aber beruhigt weiterlesen.


Hey, das war endlich mal ein ausnahmslos gutes Kapitel in Bobas Buch! Dumm nur, dass Boba selbst nicht eine Sekunde zu sehen war. Und das hat einerseits eine tragische Ironie, ist andererseits aber auch sehr hilfreich, das Problem von Das Buch von Boba Fett einzukreisen: Boba ist der schwächste Charakter in seiner eigenen Serie.

Die vielleicht bekannteste Randfigur der gesamten Geek-Kultur war schon in vielen anderen Schlüsselszenen bisher alles andere als der Platzhirsch in seinem Revier. Er wurde gefressen, verprügelt, versklavt, wieder verprügelt und von regionalen Kräften auch als Daimyo ignoriert. Aber warum auch nicht. Er wirkt schwach, nicht besonders smart und hat selten die Idee oder Mittel, die am Ende den Ausweg aus einer gefährlichen Situation ebnen. Jetzt mal eben durch den ungleich interessanteren Mandalorianer Din Djarin ersetzt zu werden, das ist schon ein Tritt in die Weichteile, gezielt am Beskar-Murmelschoner vorbei.

Mach mal Pause, Boba.

Machen wir uns nichts vor: Folge fünf ist The Mandalorian, Staffel 3, Episode 1. Din Djarin klärt schon in der ersten Szene, dass mit ihm immer zu rechnen ist. Es wirkt, als wäre er uns Zuschauern voraus, der härteste Typ in jedem Raum und sein innerer Konflikt zwischen seinem Credo und... nun ja... menschelndem Verhalten ist auch durch den Helm, den er nie abnimmt, noch gut zu spüren. Die Figur mag Jon Favreau zwischen zwei Vorstandstreffen bei Disney auf einem Bierdeckel zusammengeschrieben haben - sie wirkt immer noch deutlich besser entwickelt als Boba Fett.

Der einstige Erfüllungsgehilfe der "Gegenseite" will einfach nicht so recht mit der neuen Heldenrolle vereinbar sein. Fast, als würde man beim klassischen Kinder-Steckspiel den Würfel durch das runde Loch quetschen wollen. Ich habe auch mit The Mandalorian so meine Problemchen, vor allem, weil das Credo der Mandalorianer doch ziemlich albern wirkt. Das liegt zum Teil an der bedeutungsschwangeren Holzhammer-Exposition, mit der uns alles darüber erzählt wird. Zum anderen daran, dass ein Humanoid, der nie seinen Helm abnimmt, definitiv nicht wie Pedro Pascal aussehen würde, sondern eher wie eine Mischung aus Jabba und Gollum. Es wirkt, als nähme sich das alles ein wenig zu ernst - vielleicht auch, weil die Zeit nicht reichte, um es über mehrere Folgen zu etablieren und man es dann in umso gewichtigeren Dialogen transportieren musste.

Mando neutralisierte das immer mit tollem Western-Flair, fantastischen Schauwerten und einem guten Auge dafür, weshalb man Star Wars eigentlich liebt: Wegen der Bewegung nach vorne, durch einfache Geschichten von Gut und Böse und den Räumen dazwischen hindurch. Wegen des Abenteuergefühls, durch die Sterne von einem exotischen Planeten zum nächsten zu reisen und fremde Welten zu sehen. Und jetzt, auf den letzten fünf Minuten dieser Episode eben mit einem umwerfenden Raumflug, der sich mehr nach Star Wars anfühlt als alles, was seit 1983 passiert ist.

Boba dagegen wirkte bisher statisch, seine Motivation abwechselnd enervierend offensichtlich und unnötig nebulös. Bis jetzt wirkte er vom Drehbuch allein gelassen. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hieraus würde auch der beste Schauspieler nicht besonders viel machen können, auch wenn ich überzeugt bin, dass man schon jemanden mit mehr Charisma oder imposanterer Präsenz hätte finden können. Morrison bekam insbesondere in den ersten drei Folgen einfach nicht viel besonders Interessantes zu tun. Statt aufregend und abenteuerlich, wie Star Wars eigentlich sein sollte, wurde es allzu weltlich und trivial. Haben wir schon vergessen, was die politischen Nebenhandlungen mit den Prequels gemacht haben?

Folgen vier und fünf haben jetzt endlich was ins Rollen gebracht und das ist ein gutes Zeichen. Wir wissen endlich, worum es Boba eigentlich geht, und wobei wir ihm gerade zuschauen. Vielleicht folgt in den letzten Folgen noch das "Warum" - eine erhellende Einsicht, weshalb diese Geschichte interessanter sein sollte als viele, viele andere, die man sich in diesem Universum vorstellen könnte. Immerhin: Was bisher wie verstreute Teile eines Puzzles auf dem Tresen lag, nimmt so langsam konkrete Form an. Und wenn eine Leihgabe von einer sehr viel besseren Serie das ist, was nötig war, um Das Buch von Boba Fett für die letzten beiden Folgen auf Spur zu bringen, dann bitte!

Über den Autor

Alexander Bohn-Elias Avatar

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Kommentare