Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Lifesigns - Hospital Affairs

Wie Fernsehen, nur langweiliger

Nehmt von Scrubs die Charaktere Cox, Kelso oder den Todd weg. Mit ihnen zusammen die Situationskomik und die – zumindest im Original – witzigen Sprüche. Dann zieht Ihr noch die überraschend ernsten und nachdenklichen Momente ab. Jetzt entfernt Ihr aus Greys Anatomy die Neurosen der Hauptdarstellerin, das pure, zumindest häufig gelungene Drama der Handlung und die wohl konstruierten Handelnden, die erst nach vier Seasons beginnen, sich im Kreis zu drehen. Reduziert Dr. House auf das Elend, das übrig bleibt, wenn Ihr Dr. House feuert. Die OPs lasst Ihr jetzt alle noch so inszenieren, dass dem Operierenden stets eine Stimme aus dem Off mitteilt, was bei den Handgriffen genau zu tun ist. Was dann noch bleibt, nennt sich Lifesigns - Hospital Affairs und findet auf dem DS statt.

Statt sich sofort in das harte OP-Geschäft zu stürzen und eine halsbrecherische Stylus-Operation nach der anderen zu verrichten, wandert Ihr hier durch ein kleines Krankenhaus und lernt erst einmal alle kennen. Die Oberschwester, die OP-Chefin, den Chefarzt, eine neue Kollegin und nach einer Weile sogar eine Patientin. Ihr haltet einen kleinen, überraschend belanglosen Schnack ohne Esprit oder erzählerische Kunst, bis Ihr dann endlich mal Eurer Arbeit nachgehen dürft.

Die erste Aufgabe am Patienten stellt gleichzeitig die Stärke von Lifesigns dar. Keine große Stärke, aber besser als keine. Und eigentlich auch nur dann, wenn Ihr Euch für das Berufsfeld des Internisten begeistern könnt. Vor Euch liegt der Patient und Ihr müsst mittels Stethoskop, Tasten und Gucken erst einmal herausfinden, was er denn überhaupt hat. Je mehr Symptome Ihr findet, desto schneller fällt die Diagnose auf das richtige Leiden. Solltet Ihr Euch hier aber große Action erhoffen, dürftet Ihr enttäuscht sein. Während die späteren OPs getimt sind, darf die Analyse etwas dauern.

Trailer

Auch dank der eingeschränkten Möglichkeiten kommt Ihr früher oder später zu den fast zwangsläufig richtigen Schlüssen. Die Diagnose mag nicht wahnsinnig spektakulär sein, aber sie wurde zumindest mit einem gewissen Anspruch an die Realität umgesetzt. Ihr könnt Euch fast vorstellen, einen Patienten so zu diagnostizieren. Genießt also die Möglichkeit zur Aktion, bevor es wieder in die nüchterne Belanglosigkeit der Krankenhausflure geht.

Hier versucht man inzwischen, weiter hartnäckig Euch so etwas wie Drama und Menschelei zwischen den blassen Charakteren aufzuzwingen. Am ärgerlichsten dürfte es sein, dass Ihr das über Euch ergehen lassen müsst. In einem realen Krankenhaus gibt es mehr als genug Ärzte, die sich nur um ihren Job kümmern und den Tratsch außen vor lassen. Ihr werdet schnell wünschen, einer davon zu sein. Stattdessen klickt Ihr endlos herum, versucht mit undurchsichtigen Symbolen, für vergangene Gesprächsfetzen eine Reaktion zu bekommen und hofft, dass es irgendwann mal wieder einen Kranken gibt.

Einen echten Grundplot, einen roten Faden bietet das Spiel leider nur in groben Ansätzen, zumindest wenn Ihr die halbherzige Beziehungsverwicklungen nicht als solche zählt. So blutleer wie sie daherkommen, muss man aber zu dem Schluss kommen, dass Lifesigns Drehbuch irgendwo verloren ging und stattdessen getippt wurde, was so einfiel. Der komplett überdrehte Spannungsbogen der Trauma Center-Serie wird hier ganz sicher nicht erreicht. Lifesigns bleibt weit bodenständiger, denn das echte Leben hat ja auch selten einen roten Faden, der Euch zu einem spannenden Klimax führt.

'Was ist das?' 'Blaues Licht.' 'Was macht es im Bauch der Patientin?' 'Blau leuchten.'

Irgendwann kommt dann der große Moment: Ihr dürft einen Menschen aufschnippeln. Eure Grenzen stellen dabei der Timer und die Lebensenergie des zu Behandelnden dar. Sinkt eins von beiden auf Null, müsst Ihr Euch den storytechnischen Konsequenzen stellen. Damit dies nicht passiert, arbeitet Ihr hart an einer Abfolge von Minispielchen. Skalpell-Schnitt, Knochen setzen, Blutgefäße abklemmen, Organe sortieren. Freestyle solltet Ihr aber nicht vorgehen, sondern Euch an die teilweise schmerzlich langwierig, deutlich vermittelten Instruktionen halten.

Per Knopfdruck konzentriert Ihr Euch und seht dann den nächsten Arbeitsschritt recht genau vorgezeichnet. Folgt dem und es wird alles gut gehen. Auch wenn Trauma Center Euch ein Minimum mehr an Spielraum lässt, ist es dieser Teil, der Lifesigns vor dem kompletten Absturz rettet. Speziell die späteren OPs muten kniffelig und fordernd an. Ihr dürft währenddessen nicht speichern oder pausieren, was nervig, aber irgendwie ja auch nachvollziehbar ist. Und sogar eine gewisse Dringlichkeit vermittelt. Es ist ein befriedigendes Gefühl, eine komplexe Herz-OP hinter sich gebracht zu haben.

Jedenfalls mehr, als in einem der kleinen Minigames zu glänzen, die von Zeit zu Zeit das nicht so dramatische, menschliche Drama auflockern, mit dem Ihr ca. 90 Prozent der Zeit verbringt. Airhockey ist da fast ein Highlight, jedenfalls mehr als vom Laster fallendes Obst einzusammeln. Fragt nicht, warum ein Arzt so etwas überhaupt tut, es gibt einen Grund dafür, aber er war so belanglos wie der Rest der Handlung.

Das ist das große Problem von Lifesigns. Es ist nicht schlecht umgesetzt, nur halt bedeutungslos. In den schwachen Bildern einer minimalistischen Animeserie wird Euch über fünf endlose Episoden eine Geschichte im Schneckentempo erzählt, die kaum für zwei Folgen einer TV-Serie gereicht hätte. Und es wären zwei wirklich dröge Folgen geworden. Wie die Serie insgesamt, wenn sie solch platte Charaktere auffahren würde.

Die witzigen Operationen und Diagnosen retten es nicht. Dafür liegen sie zu weit auseinander, zu oft müsst Ihr Euch durch die Flure und Zimmer klicken, sinnlose Gespräche führen und Euch fragen, warum Ihr Eure Zeit damit verbringt. Sollte Zwischenmenschliches im Krankenhaus mit OP-Drama Euer Ding sein, holt Euch stattdessen lieber eine beliebige Staffel einer der oben genannten Serien. Ihr werdet länger beschäftigt sein und mehr Spaß finden.

Lifesigns – Hospital Affairs ist schon seit geraumer Zeit in den USA erhältlich. Hierzulande erscheint es am 31.Juli für den DS.

4 / 10

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Martin Woger Avatar

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

Kommentare