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Realme GT Neo 3 Test - Schneller laden, länger Spaß dran haben: Die neue CPU setzt auf Effizienz.

Dimensity zeigt dem Snapdragon, wo es in Zukunft langgeht.
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Wie die Zeit vergeht… Gar nicht mal so schnell, denn es kommt mir wie gestern vor, dass der chinesische Handy-Hersteller realme sein erstes GT vorstellte und es ist wirklich nicht mal ein Jahr her, dass ich das erste GT testete. Seitdem hat sich bei den GTs viel getan. Nicht nur, dass es ein GT2 gab, es gab auch ein GT2 Pro, sondern auch ein GT2 Neo. Die Neo-Reihe ist das untere Ende des Feature-Spektrums bei realmes Besten, aber da realme zu den Anbietern gehört, die eine wahre Feature-Schlacht lieben und die GTs ihre Spitzenmodelle sind, dürfte Neo immer noch eine Menge zu bieten haben. Mal gucken, was in dem neuen Gerät diesmal drinsteckt und worauf verzichtet werden musste (man muss sich ja was für das Pro übriglassen). Der Preis für das realme GT Neo 3 liegt bei etwa 550 Euro (8GB RAM, 256 GB Speicher) bis 650 Euro (12 GB RAM, 256 GB Speicher). Getestet wurde die Version mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher.

Äußeres: So fässt sich das realme GT Neo 3an

Die Packungen werden scheinbar weniger knallig bei realme, das dezentere Schwarz der neuen GT-Hüllen sticht nicht mehr so ins Auge wie das sonst übliche Quietsch-Gelb. In der Packung dann das, was man heutzutage erwartet: Sicher einbettet in viel Plastik das Handy – bitte auf Pappe umstellen, direktes Wegwerf-Plastik ist out –, eine einfache durchsichtige Schutzhülle, ein paar Zettel, der kleine Sim-Karten-Piekser und ein Ladegerät.

Ist schon eigen, as Design: realme bleibt auch beim GT Neo 3 bei seinen Ralley-Streifen.

Die Haptik gibt sich vertraut: Plastikrahmen, Plastik-Rückseite, alles hochwertig verarbeitet und es liegt gut in der Hand, aber hier punkten die teuren Luxus-Handys dann halt doch. Ist schon schicker mit edlerem Material, auch wenn es oft herzlich wenig Einfluss auf die irgendwas technisch Relevantes hat. Das GT 2 Pro kam mit einem deutlicher strukturierten Biopolymer daher, dass sich etwas rauer und griffiger anfühlte als der Rücken des GT Neo 3. Ich hatte die Hoffnung, dass dies bei realme generell das Material der Wahl wird. Leider noch nicht, wie es aussieht, die neue Variante ist etwas rutschiger. Nun, besser als Glas, nehme ich an. Dafür haben die drei Tasten einen angenehmen Druckpunkt und seinem guten Ruf in Sachen schneller und zuverlässiger Fingerabdruckerkennung macht realme alle Ehre.

Keiner lädt aktuell schneller als das GT Neo 3

Das Ladegerät ist dann auch gleich das erste Vorzeige-Feature des GT Neo 3: Es ist ein 150-Watt-Charger, der gefühlt schwerer und größer als das Telefon ist. Ist er natürlich nicht, aber schon so nah dran, dass man ihn in der Tasche mehr merken würde als das Handy selbst. Das hat natürlich einen Grund, denn mit ihm lässt sich das GT Neo 3, wenn es komplett leer ist, in fünf Minuten auf 50 Prozent Ladung des 5000 mAh Akkus bringen. Das probierte ich dreimal aus und es stimmt fast. Einmal war es nach fünf Minuten zwar nur auf 45 Prozent, aber die anderen beiden Male war es auf 52 und sogar 55. Nach spätestens einer halben Stunde war der Akku dann auf Anschlag. Wenn man da an die ferne Vergangenheit denkt, als man froh war nach zwanzig Minuten fünf Prozent mehr zu haben…

Wem Rallye-Streifen zu gewagt sind, bekommt auch eine Version in konservativ.

Heutzutage haben aber alle Geräte Schnellader und es kann sein, dass das GT Neo 3 für den Moment der schnellste Auflader ist. Aber das ist mittlerweile ein Rennen im Minuten-Bereich und wer das Aufladen des Handys nicht mit der Effizienz eines Boxenstopps betreibt, der wird keinen so großen Unterschied zu anderen Geräten merken. Das extrem schnelle Laden funktioniert natürlich auch nur mit diesem Netzteil oder einem entsprechenden. Wenn in ein paar Wochen dann das gute Netzteil von jemandem in der Familie gekapert wurde und man mit dem fünf Jahre alten Billig-Ding zurückbleibt, das man eigentlich schon wegschmeißen wollte, dann lädt auch das GT Neo 3 damit nicht schneller. Technische Theorie versus reale Lebenswirklichkeit. Ist halt so.

Was den Dauerlauf angeht: Das realme GT Neo 3 gehört zu den wenigen Phones, die bei mir einen ganzen Tag ohne Laden durchhalten. Selbst mit Video-Dauerlauf, wenn Youtube Nachrichten zeigt, Mails, Facebook, immer wieder mal Brave Exvius und jetzt auch noch eine Stunde Diablo als Abschluss am Abend blieben noch etwas über 20 Prozent. Da wären das Sony oder das Google schon längst durch gewesen, wie ich aus Erfahrung weiß. Auch die alten realmes hielten trotz teilweise größerer Akkus nicht so standhaft durch. Was Alltags-Features angeht, ist das immer noch fast so wichtig wie das schnelle Aufladen. Sicher, mittlerweile hat jeder Sitzplatz in der Bahn eine Steckdose. Aber versucht mal die nächsten drei Monate einen Sitzplatz zu bekommen...

AMOLED mit 120 Hz im realme GT Neo 3, aber die Klinke musste gehen

Bevor wir zum eigentlich wichtigsten Feature des GT Neo 3 kommen, erst mal die Äußerlichkeiten. Seit dem GT ist man ein wenig gewachsen, das GT Neo 3 kommt mit einem 6,7 Zoll AMOLED in FHD+ (1080 x 2412) daher, der mit 120 Hz läuft. Sehr schön, dass man nicht mehr wählen muss, ob es volle Hz-Zahl oder AMOLED bei realme sein soll. 400 ppi, 1000 Hz Abtastrate, etwa 500 cd/m², Gorilla Glas, auf dem von Start weg noch eine Schutzfolie klebt… Ich kann euch noch mehr Zahlen aus dem Zettel hier abschreiben, aber am Ende reicht es zu wissen, dass dies ein richtig gutes Display ist. Auch in der Sonne lässt es sich – dann bei maximaler Helligkeit natürlich – ablesen und die Farben wirken natürlich genug. Gerade preiswertere AMOLED-Geräte neigen gern mal zu Übertreibungen, das GT Neo 3 zeigt sich da angenehm zurückhaltend. Einfach ein richtig gutes Display und definitiv das Beste der realmes, die ich bisher hatte. Ja, man darf es nicht direkt neben das neueste Samsung- oder Apple-Modell halten und wenn man das tut, sollte man sich die Preisschilder dazu denken. Mit meinem preislich ähnlichen Google Pixel 6 kann es das GT Neo 3 allemal aufnehmen.

Das Dreier-Kamera-Array ist wohlbekannt.

Was weitere Äußerlichkeiten angeht, fällt mir und sicher sonst nicht so vielen als Erstes auf, dass der Audio-Klinken-Eingang verschwunden ist. Firmen wie realme und Xiaomi schienen bestrebt, diesen notfalls auch noch ins nächste Jahrhundert mitzunehmen, aber scheinbar ist die Zeit gekommen: USB-C oder Bluetooth, sucht es euch aus, aber die Zeit der alten Klinken-Kabel kommt mobil langsam, aber sicher an ihr Ende. Sonst gibt es, was man kennt: Lautstärke links, Power rechts, Sim-Karte unten. Da kommt auch nur die Sim-Karte rein, einen Platz für eine SD-Karte gibt es nicht mehr.

Speicher satt für Android 12 im GT Neo 3

Dass die SD-Karte nicht mehr mit an Bord ist, dürfte die meisten heutzutage im Streaming-Zeitalter nicht mehr ganz so sehr stören, zumal die beiden Versionen des GT Neo 3 mit 8+128 GB respektive 12+256 GB zeitgemäß ausgestattet sind. Android 12 ist direkt in Form des realme UI 3 an Bord, welches sich immer noch weitestgehend aufgeräumt gibt. Klar, Tik Tok ist an Bord, es ist ein China-Phone, dazu Schwachsinn wie Tile Master, Block Pusher und was auch immer Joom sein mag. Aber das lässt sich mit ein paar Deinstallationen schnell beheben. Die Netzabdeckung ist praktisch vollumfänglich. Alle 5G-Formate werden bedient, genauso die 4G-Varianten.

Dimensity 8100: Nicht schneller, aber effizienter

Hier ist die vielleicht größte Neuerung des GT Neo 3 und eine, die wunderbar Hand in Hand mit dem schnellen Laden geht: Der neue MediaTek Dimensity 8100 Max Prozessor. Wenn man sich die Benchmarks anguckt, scheint der erst mal etwas langweilig. Er sortiert sich nahe an den besseren Qualcomm 8er-Prozessoren ein, ohne diese allerdings irgendwo zu überbieten. Allerdings schafft er diese Leistung in vielen Fällen mit dem knapp halben Stromverbrauch der Qualcomms unter Last. Dass dieses Feature real und reizvoll ist, kann man schon allein daran ablesen, dass diese neuen MediaTek-Chips demnächst wohl auch in Samsungs kommenden S-Modellen zu finden sein werden. Leistung ist am Handy-Markt längst nicht mehr alles, die vier Cortex-A78-2,85GHz-Kerne, gekoppelt mit viermal A55 2,0 GHz leisten eh schon mehr als genug, um alles laufen zu lassen, was da im realen Leben des Weges kommt, Diablo: Immortal, Call of Duty, Genshin und Co. inklusive. Das dann jetzt länger, dank effizienterer Chips. Wie viel länger, das lässt sich dann wieder schwer genau sagen, da es je nach App deutlich schwankt, aber ein klein wenig mehr aus dem Akku holt die neue CPU immer raus.

Wildlife auf dem realme GT Neo 3: Damit kann man spielen und auch sonst alles machen.

Benchmarks müssen sein, daher hier die üblichen Verdächtigen. Geekbench 5 macht den Anfang und liefert 973 Punkte Single-Core und 4071 Multicore. Durchaus beeindruckend, sortiert man sich damit Single knapp unter manchem Snapdragon 888 ein, Multicore sogar etwas darüber. PC-Mark Android zeigt bei Work 3.0 14365 Punkte. Damit spielt man weit oben mit, aber zeigt eben auch, dass der MediaTek-Prozessor nicht auf Power, sondern auf Ausdauer optimiert ist. Sicher, der optimierte 888 des Meizu 18 Pro kommt auf fast 17500 Punkte, zeigt aber eine Akku-Laufzeit von unter sechs Stunden. Das GT Neo 3 liegt da bei 12 Stunden, was wiederum nicht von so vielen Geräten in dieser Leistungsklasse erreicht wird. Erneut, ich denke, das ist die Richtung, die wir in Zukunft sehen werden und kann das nur begrüßen. Denn das letzte Mal, dass ich dachte, dass mein halbwegs aktuelles Smartphone mehr Leistung braucht, liegt ein wenig zurück. Dass ich mir wünsche, dass der Akku länger hält? Jeden Tag.

Natürliche Farben, hohe Leuchtkraft, die Sony-Linse ist keine Wunderwaffe, aber ein sehr zuverlässiger Begleiter.

Weiter geht es mit der GPU, einer ARM Mali-G610 MP6, wie es aussieht. Nichts Exotisches, wurde letztes Jahr für Geräte der oberen Mittelklasse angekündigt, womit sie hier ja richtig ist. Auf zu 3D Mark, mit dem schicken Wild Life Extreme. 1420 Punkte sind es, das klingt jetzt nicht High-End. Schließlich haben einige Snapdragon 880 Handys die 2000er-Marke durchbrochen. Aber ein Wert aus dem Stress-Test sticht heraus, nämlich eine knapp über 90-prozentige Leistungskonsistenz. Während die schnellen 880er hier bestenfalls um die 85 erreichen und so häufiger ihre Leistung zügeln müssen, kann der Dimensity das, was er hat, schon ein Stück konsistenter laufen lassen. Erneut, ein Schritt in die richtige Richtung, denn stabile Leistung mit hoher Laufzeit ist aktuell mehr wert als die letzten 20 Prozent an reiner Power, gerade im Alltagsbetrieb (wenn das Angucken des hübschen Benchmarks euer Hobby ist, dann eher nicht).

Die 16MP Selfie-Linse leistet auch geblinzelt gegen die Morgensonne gute Arbeit.

Die reinen Leistungswerte sind jetzt alle nicht berauschend, aber durchaus im oberen Bereich der Mittelklasse-Handys und vor allem laufen sie stabil, energieschonend und zuverlässig. Dinge, die ich jedenfalls in meinem Handy bevorzuge und das GT Neo 3 zeigt sich hier reifer als so manches Möchtegern-Gaming-Handy.

Die Kameras des GT Neo 3 sind alte Vertraute. Nicht alle sieht man gerne wieder.

Das realme GT Neo 3 setzt auf eine Sony-Linsen, was selten eine schlechte Wahl ist, so auch hier. Die Hauptlinse hat 50 MP / f1.88 und liefert schnell zusammengefasst sehr anständige Bilder mit natürlichen Farben. Die Linse ist bestens aus früheren realme und anderen Geräten bekannt, bietet hohe Detailschärfe, einen guten Dynamik-Umfang und selbst bei Nacht kommt der Sensor ohne zu viel Bildrauschen aus. Sollte dann fast gar kein Licht mehr da sein, gibt es noch den Nachtmodus, wer es tagsüber weniger natürlich bevorzugt, greift zum HDR-Modus. Der 2x-Zoom ist verlustfrei, bis 10x sah das Ergebnis immer noch anständig aus, die 20x würde ich nur nehmen, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Während die 50MP-Einstellung gute Arbeit leistet...

Das gilt leider nach wie vor für die besch…eidene 2MP Makro-Linse, die sich wie ein Relikt aus früheren Digital-Kamera-Tagen benimmt und eigentlich längst beerdigt gehört. Zumindest ist die Ultraweitwinkel-Kamera nach wie vor brauchbar. Die 8MP-Sony-Linse liefert nette Urlaubsbildchen unter guten Bedingungen, es gibt keine Verzerrungen und die nicht so brillante Qualität kommt erst zum Tragen, wenn man die Bilder etwas größer ausdruckt oder auf großen Screen sieht. Aber selbst dann sind sie okay. Vorn habt ihr die zweitbeste Linse im Gerät, einen 16-MP-f2.45-Samsung-Sensor, der gute Bilder von euch und eurer Umgebung liefert. Gefilmt wird in 4K30 oder 1080p60, daran hat sich nichts geändert und eine tolle Spielerei ist wie immer die 480 Frames Zeitlupe.

...lasst ihr besser die Finger von der Makro-Linse. Gehört sich bei der nächsten Produktpflege dringed aussortiert.

Insgesamt geht das GT Neo 3 keine Risiken bei der Kamera ein, schleppt aber leider auch alten Ballast wie die Makro-Linse mit. Ein Konkurrent für Googles aktuelle Pixel-Linse oder gar die neuen Spitzen der teuren Flaggschiffe ist man nicht, aber im Mittelklasse-Markt nach wie vor gut unterwegs. Mal schauen, auf was das nächste Pro-Modell setzt.


Kaufen kann man das realme GT Neo 3 in Kürze bei realme selbst (wo aktuell das nicht viel schlechtere GT2 im Angbot ist, just saying...) und dann sicher auch bei den sonstigen Handy-Händlern eures Vertrauens.
realme GT Neo 3 Test - Fazit: Fortschritt durch Effizienz.

Mit dem realme GT Neo 3 geht die Firma konsequent ihren GT-Weg weiter, indem sie auf die Features verzichtet, die die Geräte im obersten Segment teuer machen und konzentriert sich auf die wichtigen Dinge. Solide Verarbeitung und wichtige Alltagsfeatures in Form schneller Ladezeiten, langer Akkulaufzeit, auch dank des neuen, effizienteren Prozessors und einer Kamera, mit der man so lange ausgezeichnete Bilder macht, wenn man die überkommene Makro-Kamera ignoriert. Der Screen zeigt sich für ein AMOLED recht natürlich, hell genug und die 120Hz des GT3 klingen immer nach einem eher irrelevanten Feature, aber wenn man sich mal an das nahtlose Scrollen gewöhnt hat, dann fallen 60 Hz schon auf. Für fünf Minuten, dann ist es einem wieder egal. Macht nichts, ist ein guter Screen. Da man sich auch verbindungstechnisch keine Blößen gibt, fand ich keine echten Kritikpunkte beim GT Neo 3. Ihr braucht ein richtig gutes Handy? Das hier ist eure Preisklasse? Ihr könnt nichts falsch machen.

Eine Sache möchte ich aber dazusagen: Das GT Neo 3 ist kein Gerät, das ein spontanes Fomo-Gefühl für den Tech-Geek auslöst. Es ist kein Quantensprung zum GT oder GT2, sondern bietet eine Reihe kleiner, aber feiner Verbesserungen wie den CPU-Wechsel. Es wird nicht viel schlechter sein als das GT4, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in sechs bis neun Monaten kommen wird. realmes Geräte sind bisher verlässlich ausgezeichnete Geräte in ihren Preisklassen. Man braucht ein Handy, man geht in den Laden, kauft das aktuelle realme und wird gut bedient sein. Wenn ihr aber Feature-Fieber habt und das neueste Spielzeug haben wollt, dann müsst ihr mehr Geld mitnehmen, Sony, Apple und Samsung als Beispiele helfen euch da gerne. Aber ein besseres Alltagstelefon als das realme GT Neo 3 werden diese Geräte am Ende auch nicht sein.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Martin Woger

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Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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