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Resident Evil 1 mit all dem Spaß, nur ohne volle Hose: Crow Country ist auch ohne viel Grusel toll

Survival-Horror für alle

Was für eine wundervolle Überraschung! Normalerweise habe ich mit Survival-Horror nach Art des klassischen Resident Evil mittlerweile schwere Probleme. Ich finde das selbst schade und hatte schon mehrfach Lust, zum Remake des ersten Teils zurückzukehren. Nach wenigen Minuten dort muss ich aber immer wieder einsehen, dass ich einfach komplett außerstande bin, zur alten Panzersteuerung zurückzukehren.

Auftritt Crow Country, das mit erhöhter Perspektive, fehlendem Seitschritt und Laufen-oder-Schießen-Mechanik sowie Pixelierungsfilter und spärlich texturierten Polygonen exakt das alte Feeling wieder wachrufen will. Ich hatte aus oben beschriebenen Gründen nicht erwartet, dass es bei mir zünden würde. Wie falsch ich doch lag, ich bin vermutlich zu zwei Dritteln durch die Kampagne und finde es bisher großartig.

Survival-Horror für alle!

Klar, noch immer gibt es keinen Seitschritt, obendrein darf man sich beim Zielen nicht bewegen und allgemein ist die Action deshalb nicht der stärkste Aspekt dieses Spiels. Allein schon, weil sich die Gegner oft ein wenig passiv verhalten. Aber die Kunst besteht wegen der Munitionsknappheit ohnehin darin, durch die schwer definierbaren, deformierten Humanoiden und über den Boden glitschende, lebende Tumore hindurchzutänzeln, ohne in eine der zahlreichen Fallen zu tappen. Die immerhin frei drehbare Kamera hilft dabei sehr.

Es sind vor allem Rätseldesign und der Aufbau des verlassenen Vergnügungsparks, in den ihr, als Polizisten Mara, euch aufmacht, die fesseln. Nun… das und die Tatsache, dass ihr zunächst gar nicht so recht wisst, weshalb ihr hier seid. Das klärt sich erst im Lauf des Spiels sukzessive auf. Mir gefiel es sehr, nach und nach den Vorhang zur Seite zu ziehen, um schließlich herauszufinden, was der gute Mr. Crow angerichtet hat – und wieso das im Tod eines Mädchens gipfelte, das den Park mit seinen Eltern besucht hatte.

Obwohl der Titel zwar die “Bleib’-mir-weg”-Angst und die um jede Patrone bibbernde Beklemmung der Action im alten Capcom-Klassiker vermissen lässt, schaudert es einem aufgrund der smarten Soundkulisse, cleverer Jump-Scares und gut geschriebenen Journaleinträgen dennoch immer wieder mal ordentlich. Nicht zuletzt, weil Crow Country nicht darum verlegen ist, euch urplötzlich zu töten. Im Nachhinein schien mir das zwar fast immer fair telegrafiert gewesen zu sein, in gemütlich-sorglosen Sessions auf dem Steam Deck, wo das Spiel mit 60 FPS läuft, hat es mich wegen der fehlenden Rücksetzpunkte jedoch zweimal gut eine halbe Stunde Spielfortschritt gekostet.

Crow Country in Bildern

Neben der eher weniger furchteinflößenden Gegnerschar ist das für mich bisher wohl der andere größere Kritikpunkt, den ich gelten lassen würde. Denn wenn man ehrlich ist, ist der Tag heute nicht mehr lang genug, um 30 Minuten noch mal dasselbe wie gerade eben zu machen, nur weil man wissen wollte, ob der Knopf unter dem Gemälde mit dem Schild “B. Slain - ein kurzer, schmerzloser Tod” auch wirklich hält, was er verspricht. Weiß man um diesen Umstand, gibt es aber genügen manuelle Speicherpunkte, die nicht allzu weit auseinanderliegen, die man dann eben etwas häufiger aufsucht. Halb so wild.

Ich mag jedenfalls, wie das Spiel seine Hinweise zu Rätsellösungen und Fundorten von Schlüsselgegenständen in der Welt verteilt (die ich für eine Lösung sogar Richtung Wikipedia verlassen musste) und dass viel davon Mechanismus-basiert ist. Zu jeder Zeit hatte ich drei oder vier Fragen zugleich im Kopf – und wegen der transparenten Kommunikation des Games immer eine ungefähre Vorstellung davon, wo es weitergeht. Es ist ein fesselndes Puzzledesign, das gerade genug fordert, um Spaß zu machen, aber nicht so sehr, dass man ziellos durch die Gegend liefe. Der Spielfluss von Crow Country ist in jedem Fall beachtlich.

Oh! Und noch eine Sache, die ich noch toll fand, hätte ich fast vergessen: Wer die alte Panzersteuerung komplett authentisch will, steuert mit dem D-Pad, während fließendes Laufen in alle Himmelsrichtungen mit dem Analogstick passiert. Zwei Steuerungsmethoden auf einem Controller vereint. Das ist richtig klug!

Crow Country ist euer Lieblingsspiel 1998, von dem ihr nur geträumt habt

Crow Country nimmt kaum mehr als fünf Stunden eurer Zeit in Anspruch, so netto gesehen. Auch das ist eine seiner Stärken und spricht für einen Titel, der genau wusste, was er wollte. Für mich ist Crow Country auch deshalb das vielleicht perfekte Survival-Horror-Spiel für Neulinge im Genre: Es bringt gut auf den Punkt, wie man sich damals fühlte, als man das erste Mal ein Survival-Horror-Spiel erlebte, ohne einem gleich zu sehr den Allerwertesten auf Grundeis gehen zu lassen. Es macht den Einstieg ins Genre leicht, geht ein gutes Tempo und respektiert eure Zeit – sofern ihr euch die Mühe macht, oft zu speichern. Unterm Strich ist Crow Country einer der gelungeneren Ausflüge in die “gute, alte Zeit” – ich hatte mehrfach das Gefühl, ein altes Lieblingsspiel noch einmal in die Hand genommen zu haben. Ich schlage vor, ihr schaut euch mal die Steam-Demo zu Crow Country an.

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