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SBK X: Superbike World Championship

Getrennte Haltung funktioniert besser

Manche Dinge sollte man einfach getrennt lassen. Und so löblich ja auch der Versuch von MotoGP 09/10 vor kurzer Zeit war, die Sim- und die Arcade-Freunde von Motorrad-Racern in einer Steuerung zusammenzubringen, so ungünstig fiel das Ergebnis aus. SBK X: Superbike World Championship bleibt Old-School und fragt euch noch vor der ersten Rennauswahl: Arcade oder Simulation, was darf es sein?

Und dahinter wartet jeweils eine Steuerung, die genau dem entspricht, was man passend zum Label sehen möchte. Bei Arcade ist völlig egal, wie sich ein Motorrad in der Realität verhält, ob es auf Sand wegrutscht oder bei Extrembremsungen mit heftigen Gleichgewichtsprobleme zu kämpfen hat. Das hier fährt sich schon fast so sicher wie ein Auto. Umkippen muss euch erstmal gelingen (ich habs nicht geschafft), bremsen darf man wie man will und auch bei Tempo 300 ins Gras auszuweichen sollte euch nicht zu sehr abbringen.

Im Arcade-Modus geht es um das Rennen gegen und den Sieg über die KI, ohne dass irgendein Spieler mit den Feinheiten der Motorrad-Welt vertraut sein müsste. Und ehrlich gesagt klappt das, wenn man einfach mal ohne große Einarbeitung ne Runde heizen will, auch richtig gut. Das generelle Zweirad-Feeling ist vorhanden, das Tempo passt und der Streit um die Plätze reizt. Bevor Simulations-Fans jetzt weinend zum nächsten Spiel ziehen, komme ich lieber schnell zum Sim-Modus.

An den Modellen von Bikes und Fahrern gibt es nichts auszusetzen.

Selbst auf dem niedrigen Setting haut es euch ohne Erfahrung sofort und in der ersten Kurve ins Kiesbett, gerade wenn man noch fünf Minuten vorher Arcade-Spaß hatte. Das hier ist Hardcore, selbst wenn man auch in diesem Spiel nicht mit dem zweiten Stick das Gleichwicht balancieren muss. Falsch angebremst, ein paar Zentimeter in den Sand hinein gelenkt oder zu heftig bewegt und ihr rutscht sonstwohin.

Das Wetter und eine nasse Bahn bei Regen spielen plötzlich wirklich eine Rolle, während es auf Arcade noch mehr zum Grafikeffekt verkam. Die Maschine wird beim Crash beschädigt – leider sieht man zu wenig davon –, die Reifen nutzen sich ab, unterschiedliche Reifen haben wirklich detaillierte Auswirkungen. Kurz gesagt: Wenn bei euch Motorrad nur mit Simulation zusammen geht, dann ist das euer Modus.

Auf diese Weise könnten hier wirklich beide Fraktionen glücklich werden, da sich beide Modi wirklich hervorragend spielen und so ziemlich genau das bieten, was jeder haben möchte. Egal ob es nun schneller Renn-Fun oder brutaler Sim-Schmerz ist. Jedes der beiden Fahrmodelle bringt ein leicht abweichendes Set an Spielmodi mit. Für Arcade gibt es eine kurze Schnell-Meisterschaft, Einzelrennen und einen eher schwachbrüstigen Storymodus, in dem ihr nicht nur generell gewinnen solltet, sondern auch den Teammanager durch die Erfüllung seiner Sonderaufgaben bei Laune halten müsst. Werdet Neunter vor Ablauf der zweiten Runde. Zeugs in der Richtung.

Die Landschaft dagegen porfitiert davon, dass bei Tempo 300 alles ganz ok aussieht.

Die Story des Sim-Modus wirkt umfangreicher, mit einem eigenen Büro, das mit der Zeit größer wird. Um das Tuning interessanter zu gestalten, müsst ihr nicht unbedingt selber Hand anlegen, sondern könnt dem Mechaniker per Multiple Choice mitteilen, was euer Problem ist und er bietet euch Lösungsvorschläge an. Anschließend testet ihr die Änderungen und betrachtet die Telemetriedaten, was dem realen Prozess wahrscheinlich sogar recht nahe kommt.

So weit, so gut, aber was hier technisch passiert, ist leider nicht unbedingt 2010. Milestone ist ein kleineres, sehr spezielles Studio und ihre große Stärke, nämlich ein wirklich phänomenal realistisches Fahrmodell hinzulegen, spielen sie auch hier aus. Aber muss es trotzdem wie eine polierte Xbox-1-Fassung aussehen? Bike und Fahrer gehen absolut in Ordnung, aber viele Teile und Texturen der Landschaft wirken, als hätte man sie aus einem fünf Jahre alten Spiel gezogen und dann die Auflösung ein klein wenig hochgezogen. Ganz ohne dabei ihren klumpigen Charme zu stören. Das Gute ist, dass man bei Tempo 300 nicht so genau auf die Texturen achtet und daher ist das auch alles nicht so schlimm, aber ein wirklich schönes Spiel sieht anders aus.

Und wie immer, auf speziellen Wunsch: Wenn es eine Funktion gibt, die Rundenzahl auf unendlich zu setzen oder überhaupt zu verändern, habe ich sie nicht gefunden. Ich suche in der fertigen Version noch gründlicher, aber trotzdem: Sieht schlecht aus.

SBK X bietet genau die Aufteilung, die man in einem Motorrad-Spiel sehen will. Der Sim-Modus ist wichtig und wenn man sich richtig reinknien will, dann ist das genau, was man braucht. SBK X beweist, dass nur wenige Firmen die Simulation so detailliert und realistisch beherrschen wie Milestone. Und trotz der rückständigen Optik dürfen sich Enthusiasten jetzt schon freuen. Wer nicht so hart im Nehmen ist oder einfach mal auf nen verkaterten Sonntag chillen und nicht in jeder Kurve rausfliegen möchte, wählt Arcade und wird genauso glücklich. Es ist die ideale Mischung, ohne etwas zu vermischen. SBK X: Superbike World Championship könnte wirklich großartig werden. Nicht hübsch, aber großartig.

SBK X erscheint am 28. Mai für Xbox 360, PS3 und PC.

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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