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Schade Justin, ich bin nicht High on Life!

Impro-Stottern Vs. Geschichte.

High on Life ist einer der erfolgreichsten Game-Pass-Titel überhaupt. Warum, das fällt nicht schwer zu sehen: Das Spiel stammt unübersehbar von Rick-&-Morty-Schöpfer Justin Roiland, weshalb die Fan-Gemeinde gewissermaßen direkt eingebaut ist, in diesem farbenfrohen Mix aus Shooter und seichtem Mini-Metroidvania. Und ehrlich: Ich hatte mich darauf gefreut.

Das schräge Weltendesign, die knalligen Farben und der Eindruck, dass jeden Moment die unmöglichsten Dinge passieren könnten, übten eine wahnsinnige Anziehungskraft auf mich aus. Dazu ganz gewaltige Oddworld-Stranger’s-Wrath-Vibes durch die sprechenden Waffen und ich war mir fast sicher, dass ich hiermit meinen Spaß haben würde. Und dann fing ich an zu spielen und muss nun sagen: Knapp daneben, obwohl High on Life klar Roilands bestes Spiel bisher ist.

In High on Life reist ihr zu diversen Hub-Umgebungen, die ihr mit neuen Skills nach und nach entschlüsselt und erkundet.

Der Haken ist ein sehr subjektiver. Ich komme mit dieser Art sich auf Schockeffekte und betonte Bedröppeltheit stützendem Improvisationshumor nicht so richtig klar. Mehr als einmal fühlte ich mich eher ungut an Trover Saves the Universe erinnert, das ich nicht zu Ende spielen konnte, weil mich seine Attitüde einfach abstieß. High on Life ist zwar deutlich runder und vor allem spielerisch gehaltvoller als Roilands VR-Titel von 2019, aber regelmäßig wünschte ich, er hätte ein paar mehr echte Gags geschrieben, anstatt zu gefühlt 90 Prozent unflätig vor sich hin zu plappern, wie ihm der Mund gewachsen ist. Mir geht das öfter auf den Zeiger, als gut für das Spiel wäre.

Gleichzeitig ist definitiv nicht alles schlecht, denn die Alles-geht-Attitüde des freidrehenden Stimmtalents kommt dieser Reise in zugedröhnte Alien-Welten sehr zugute. In seinen besten Momenten überrascht High on Life mit wirklich guten Gags, die man nicht kommen sah, etwa einer Bosskonfrontation, auf die lange hingearbeitet wurde und die dann anders endet, als man gedacht hätte. In seinen schwächeren legt es einem nahe, wahrhaftig schreckliche Dinge zu tun, nur um einen anschließend dafür zu schelten. Oder schickt euch durch eine Detektivsequenz, nur um danach darüber zu lästern, wie doof Detektivsequenzen doch sind. Ha ha, was haben wir gelacht.

Eure Waffen halten selten die Klappe, vielleicht um für die Hauptfigur zu kompensieren. Im Menü kann man allerdings die Redefrequenz herunterstellen.

Immerhin würde ich sagen, dass sich das Humorkonto von High on Life immer knapp oberhalb des Nullpunkts hält und niemals arg ins Minus geht. Insbesondere, weil die Welt(en) und das Design ihrer Bewohner wirklich Schwerstarbeit leisten, denn originell und schmunzelwürdig sind sie die meiste Zeit. Manches Mal hatte ich sogar große Lust, ein Trash-Sci-Fi-Panorama ein wenig länger auf mich wirken zu lassen. Künstlerisch gesehen, ist High on Life oft wirklich gut gelungen.

Sogar spielerisch gelingt ihm das meiste, was es anpackt, wenngleich ich das hier nicht wirklich als guten Shooter bezeichnen würde. Es ist schön, dass jede Waffe diverse Einsatzmöglichkeiten bietet, die im Einsatz oft originell daherkommen – zumindest origineller als “Peng, du bist tot!” –, aber keine davon fühlt sich wirklich griffig oder mächtig an, während manche späteren Feinde ein wenig kugelschwammig daherkommen. Zweckmäßig würde ich dazu sagen. Insgesamt gefiel mir an High on Life die Erkundung am besten. In einer handvoll großer und sich euch nach und nach öffnenden Arealen, zu denen ihr auch zurückkehren dürft, setzt ihr regelmäßig neue Talente ein, um neue Ecken zu sehen und neue Ziele auszuschalten.

Die Feindesgruppen sind ein bunt gemischter Haufen bekannter Archetypen.

Gelegentlich fühlte ich mich wirklich motiviert, den Brotkrumen zu folgen, die die Leveldesigner zu einer nicht schlecht versteckten Schatzkiste (die natürlich lebendig ist und mit eurem empfindungsfähigen Messer gemetzelt wird) ausstreuten und dabei eine frische Perspektive über einen Level zu gewinnen. Hier spielt High on Life die Stärke seiner Umgebungen voll aus und kann ansatzweise sogar kurz begeistern. Bis dann wieder der nächste eher blöde als lustige Spruch kommt oder euch Kenny, eure Haupt-Waffe darauf hinweist, dass sein Gelaber nur Smalltalk sei, um die Zeit totzuschlagen, bis mal wieder was von Bedeutung passiert. Diese Art, sich selbst herunter machender Humor ist einfach nicht meine Marke.

High on Life also: Ein handwerklich passables Ballerspiel mit netten Waffen-Ideen und teilweise sehr hübschen Welten, das selbst bei Leuten mit einem … spezielleren Sinn für Humor noch oft genug danebengreift. Ein bisschen imponiert es dennoch, wie sehr sich Squanch Games seit Trover verbessert hat. Wenn sie so weiter machen und die Gags beim nächsten Mal noch etwas zielgerichteter sind, kommt vielleicht ein Spiel dabei heraus, das mir von vorn bis hinten gefällt.

Entwickler: Squanch Games - Publisher: Squanch Games - Plattformen: PC, Xbox One, Xbox Series S/X - Release: erhältlich - Genre: Shooter - Preis (UVP): 49,99 Euro, enthalten im Game Pass

Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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