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8bitdo Ultimate Bluetooth-Controller – Test: Das beste Pad für Switch und Steam Deck?

Hall-Effect-Sticks, Gyro, analoge Trigger - was will man mehr? Nichts, aber ich hätte gern alles auf einmal.

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Formschöner, gut verarbeiteter und nicht zu teurer Controller für PC, Steam Deck und Switch mit exzellenter Ausstattung, aber auch mit ein paar unpraktischen Eigenheiten.

8bitdo sind schon seit Längerem eine gern angesteuerte Adresse, wenn es um Controller mit guter Verarbeitung und sympathischem Retro-Bewusstsein geht. Der dem Super Nintendo Joypad nachempfundene SN30 Pro war mein Erstkontakt mit dieser Firma und ich mochte ihn, abseits des viel zu harten Steuerkreuzes, eigentlich ganz gern. Mit dem Ultimate Bluetooth Controller nimmt der Hersteller nun bereits mit dem Namen den Mund reichlich voll.

Zum Glück bestätigt sich im Test an Nintendo Switch und Steam Deck, die beide neben dem Fernseher in ihren jeweiligen Docks wohnen, sowie einem Windows-PC, dass 8bitdo hier tatsächlich ein formschöner, vielseitiger Controller gelungen ist, der nur in meinem speziellen Anwendungsszenario ein paar Wünsche offenlässt.

Unten mittig der kleine, aber feinde 8bitdo Ultimate Bluetooth. Wer Krümel auf meinem Teppich findet, darf sie behalten.

Zwei Dinge machten den Controller für mich unmittelbar interessant: Zum einen verzichtet er nicht auf oft ausgelassene Features wie einen Gyro für Bewegungssteuerungselemente, die ich gerade auf dem Steam Deck sehr zu schätzen weiß, zum anderen lässt er sich per Kippschalter einfach zwischen zwei drahtlosen Verbindungsvarianten umschalten. So bespielt er – wenn er mal nicht in der mitgelieferten Basisstation lädt – mühelos und ohne Fummelei zwei verschiedene Geräte (sofern eines davon keine PlayStation oder Xbox ist. Die werden nämlich nicht unterstützt), ohne komplizierte Fummelei. Auf dem Papier also wirklich ein Wunschlos-glücklich-Controller für meine Zwecke. In der Realität stimmt das leider immer noch nicht ganz. Aber der Reihe nach.

Inhalt

Lieferumfang und Verarbeitung – Was ist in der Box?

Zunächst einmal ist Vorsicht geboten: Diesen Controller gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen mit ähnlicher Benennung. Wer zum “8bitdo Ultimate” greift, bekommt einen günstigeren Controller (UVP: 49,99 Euro) für Windows und Android, der nicht nur ohne Bluetooth, sondern auch ohne Gyroskop und mit konventionellen Sticks daherkommt. Das sollte man wissen, damit man bei der Schnäppchenjagd nicht zum falschen Gerät greift. In beiden Varianten fallen aus der Schachtel aber der Controller in Schwarz oder Weiß, während mir auf den Bildern Weiß fast besser gefällt, auch wenn ich an dem schlichten Schwarz nichts auszusetzen habe. Dann kommt die Basisstation mit im Boden integriertem USB-A-Anschluss, in dem das 2,4GHz Dongle schon steckt, und ein USB-C-Kabel, um den hübschen Standfuß anzuschließen. Die Verpackung wirkt reichlich umweltfreundlich und ist schön kompakt gehalten. Das ist nett.

Das Oberflächenmaterial ist sehr ansehnlich gewählt.

Beim Anfassen fällt auf, dass er kleiner wirkt, als er eigentlich ist. Schaut euch unten die Vergleichsbilder an. Ich mag das kompakte Gefühl in der Hand und er wirkt auch nicht zu leicht, was die Waage bestätigt. Er ist mit 246 Gramm nur ein Gramm leichter als der Nintendo Switch Pro Controller und sechs Gramm leichter als sein Xbox-Series-Gegenstück. Was ich besonders mag, ist der Kunststoff der Oberseite, der mit etwas gröberer “Körnung” in meinen Augen dezent wertiger wirkt. Ebenfalls gefällt mir, dass die Griffhörner leicht angeraut sind. Schrauben sind derweil keine zu sehen, was zwar hübsch ist, aber auch nicht komplett praktisch ist. Ich bin sicher, Bastler finden dennoch einen Weg.

Toll ist, wie befriedigend der Controller in seiner Basis Platz nimmt. Es klickt auch schön dabei und daran kann man sich nicht satthören. Beim Herausnehmen muss man zwar etwas aufpassen, nicht die etwas hoch geratene Lehne dieses “Joypad-Sessels” mitzugreifen, aber das hat man schnell raus. Insgesamt fühlt sich der 8bitdo Ultimate Bluetooth an, als könnte er auch das First-Party-Produkt eines Konsolenherstellers sein und das war mal eines der größten Komplimente, dass man einem Dritthersteller machen konnte. Ist es wohl immer noch, wenn man dabei nicht gerade an einen Amiga CD32 denkt.

Features, Bedienung und Leistung

Diesen guten Eindruck stützt auch der Funktionsumfang, der nichts auslässt, was nun mal in einen Switch-Controller gehört. Wenn ich rüber zu Razer lunze, das gerade ein PS5-Joypad jenseits der 300-Euro-Grenze auf den Weg bringt, der offenbar ohne den Gyro daherkommt, der zum Beispiel Astro’s Playroom erst so richtig zum Leben erweckt, und dann noch den Gyro weglässt, gehen bei mir beide Augenbrauen hoch. Wohlgemerkt in voller Anerkennung, dass Razer in Sachen Steuerkreuz und Buttons derzeit keine Konkurrenz kennt. Kurzum: im Ultimate Bluetooth Controller ist eigentlich alles drin, was ihr braucht (sofern kein Kopfhörereingang darunter ist, denn den lässt er tatsächlich weg). Dank analoger Trigger und der praktischen Ladebasis sogar noch ein bisschen mehr – und das für nicht ganz 70 Euro. Ein wirklich guter Preis, insbesondere, wenn man mehr als ein Gerät mit diesem Controller bespielen will.

Auf der Rückseite wohnen zwei Sondertasten, die man mit der Software frei belegen kann. Fühlen sich gut an und löst man auch nicht zufällig aus.

Die Buttons, die hier in Switch-Anordnung vorliegen, dürften konventionelle Rubberdomes sein, klicken also nicht, wie es in vielen teureren Premium-Controllern der Fall ist. Aber sie besitzen tadellos akzentuierte Druckpunkte und wirken kein bisschen “quetschig”. Auf der Rückseite liegen zwei gut erreichbare und satt auslösende Sondertasten, die ihr frei belegen dürft, was von Fans der Praxis, die Analogsticks niemals loszulassen, sicherlich begrüßt wird. Ein weiterer großer Pluspunkt sind in meinen Augen die schön strammen Analogtrigger, die von der Form her ihren PS5-Pendants nachempfunden sind, aber noch eine Idee mehr Kraft benötigen. Feines Dosieren von Gas und Bremse ist so besser möglich, finde ich. Die Bumper sind recht schmal und liegen auf tadellosen Rubberdomes.

Ein weiterer Vorteil der Bluetooth-Variante sind die Sticks, die auf Hall-Effekt-Sensorik basieren und damit keine Abnutzungserscheinungen und Strick-Drift zu befürchten haben. Diese sind in der Basisversion für 50 Euro nicht verbaut. Die Sticks selbst haben nach meinem Dafürhalten genau die richtige Straffheit und sind nicht zu leichtgängig. In Steams Controller-Software steuern sie zwar leicht über den Kalibrationsbereich hinaus, in der Praxis habe ich in keinem der getesteten Spiele Probleme festgestellt.

Linker und rechter Trigger könnten auch direkt aus dem Dual Sense gefallen sein.

Kritisch sah ich zunächst das Steuerkreuz. Es ist zwar direkt vom SNES geklaut, schien aber 8bitdo-typisch eine Idee zu schwergängig. Nicht so wie einst beim SN30, aber das hier muss man schon ordentlich einspielen, bevor das bequem wird… dachte ich und holte dann ein altes SNES-Pad aus dem Keller. Mit dem Ende, dass ich glaube, ich bin mittlerweile einfach von Razers fantastischem Wolverine v2 verwöhnt. Auch den Direktvergleich mit dem originalen Switch Pro Controller gewinnt der Ultimate nach reiflicher Prüfung, denn das ist ähnlich starrköpfig, seine “Arme” sind aber schmaler. Ist schon in Ordnung und weit besser als das, Xbox- und PC-Spieler mal gewohnt waren.

Nach rund zwei Wochen Benutzung hat sich außerdem herausgestellt, wie wunderbar es ist, dass der Controller automatisch ausgeht, wenn man ihn in die Basis stellt und sich wieder einschaltet und verbindet, wenn man ihn herausnimmt. Der Wechsel zwischen Bluetooth- und 2,4GHz geht dank Kippschalter auf der Rückseite schnörkellos und flink. Leider kann auch der Ultimate Bluetooth die Switch nicht aus dem Schlafmodus wecken, aber das sind wir ja gewohnt. 8bitdo verspricht 22 Stunden Laufzeit auf einer Akkuladung, die ich ihnen gerne glaube, aber die man dank des Docks aber nicht ausreizen muss.

Die Software des 8bitdo Ultimate Bluetooth

Die positive Überraschung: Die Software ist eine schlanke .exe-Datei, die man nicht installiert und für die man auch kein Konto beim Hersteller anlegen muss. Alternativ bekommt ihr sie als App auf das Smartphone. Das Programm ist überraschend mächtig und schön aufgeräumt. Hier belegt ihr die rückseitigen (oder auch alle anderen) Tasten, wie ihr mögt, gern auch mit einfach programmierbaren Makros. Ihr legt Totzonen für Sticks und Trigger fest und dürft das sogar separat für Switch und PC tun. Schön!

Der Controller rastet schön im Dock ein.

Drei verschiedene Profile dürft ihr anlegen, durch die ihr per dediziertem Button unten mittig durchschaltet. Ein LED sagt euch dann, welches aktiv ist. In Zeiten, in denen man für Geräte unterschiedlicher Hersteller diverse Hub-Programmkonvolute samt Anmeldung und häufigen Pflicht-Updates auf dem Rechner haben muss, ist das geradezu erfrischend.

Das Problem mit dem 8bitdo Ultimate Bluetooth

Womit wir bei meinem Problem wären, und das hat mich die Tage schwer beschäftigt: Im Grunde liegt es darin begründet, dass der Switch zwar egal ist, ob ich per Bluetooth oder 2,4GHz Anschluss finde, Steam Deck und Windows PC aber je nach Anschlussart einen Switch-Pro-Controller (Bluetooth) oder einen Xbox-Controller (Dongle) identifizieren. Und die bringen nun einmal unterschiedliche Feature-Sets mit. Ein Switch Controller hat einen Gyro und digitale Trigger, ein Xbox-Pad zwar analoge Schultertasten, aber keinen Gyro und ihr müsst euch entscheiden, was ihr wollt, anstatt auf Steam Deck und PC jederzeit auf die komplette Funktionalität zugreifen zu können. Und so ist der Ultimate eben doch nicht so ganz ultimativ, wenn man zum Beispiel an Valves Handheld oder auf Steam am PC sowohl Rennspiele mit Analogtriggern zocken, aber auch hin und wieder mal den Gyro etwa für Third-Person-Shooter einsetzen will.

Sieht in der Realität genauso gut aus wie auf Herstellerfotos. Die weiße Version des 8bitdo Ultimate Bluetooth hat definitiv etwas...

Interessanterweise erkennt die potente Konfigurationssoftware des Steam-Deck selbst im Bluetooth- beziehungsweise Switch-Modus analoge Trigger, für die sich sogar die Auslösepunkte festlegen darf. In den getesteten Rennspielen – Horizon Chase Turbo, Lonely Mountains Downhill, Wreckfest – kommt aber trotzdem nur ein digitaler Tastendruck an. Gut möglich, dass das aufseiten der Software noch ausgebessert wird, aber für den Moment bleibt festzuhalten, dass hier mit dem Ultimate “nur” einen Switch und einen Xbox-Controller in einem Gerät kauft und ihr euch immer für eines von beiden entscheiden müsst. Nicht etwa ein Pad, das die Qualitäten beider in einem vereint. Das ist ein bisschen schade, so gut der Controller ansonsten auch ist.


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8bitdo Ultimate Bluetooth-Controller Test – Fazit:

Gleichzeitig will ich nicht den Fehler machen, von mir auf andere zu schließen: Wer einen garantiert Stick-Drift-freien Ersatz für Nintendos Pro Controller zum Einsatz an der Switch sucht, wird hier bestens bedient und bekommt einen guten PC-Controller obendrauf. Aber der Name suggeriert zusammen mit der Feature-Liste irgendwo auch einen multitalentierten Tausendassa ohne Wenn und Aber. Und das ist der Ultimate Bluetooth Controller so lange nicht, bis 8bitdo sich Gedanken macht, wie man die Features reibungsloser in einem Gerät vereint. Steam(-Deck)-User würden es ihnen danken. Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass das über die Firmware machbar ist. Alles in allem trotzdem ein eher kleines Vergehen.

Für Otto-Normal-User lässt dieses Stück Hardware in Funktionsumfang, Ausstattung und Verarbeitung ansonsten wenig Wünsche offen. Im Gegenteil: Die Hall-Effect-Sticks und die mutig-straffen Schultertaster dürften ebenso gern Schule machen, wie die gute Materialwahl und das schöne Dock, das andere Hersteller sich beziehungsweise ihre Kunden gerne etwas extra kosten lassen. Gutes Paket, 8bitdo!


8bitdo Ultimate Bluetooth-Controller Pro und Contra

Pro:

  • Toller Feature-Umfang samt Gyro
  • Schöne, clever umgesetzte Ladestation
  • Hall-Effect-Sticks ohne Stick Drift
  • Schön feste Trigger
  • Potente, simple Software
  • Gute Verarbeitung, kompakte Bauform…

Contra:

  • ..., die für große Hände knapp werden könnte
  • Kein Kopfhörerausgang
  • Auf Steam Deck und PC werden Gyro und analoge Trigger nicht gleichzeitig unterstützt
  • Wird auf PC als Xbox Controller erkannt, nicht aber auf der Xbox

Hersteller: 8bitdo – Kompatibel mit: Windows, Switch, Steam Deck – Release: erhältlich – Preis (UVP): 69,99 Euro

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit über 20 Jahren über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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