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Aquatico ist Städtebau auf gleich mehreren Ebenen – aber anders, als ihr vielleicht denkt

Dunkel war’s, das Wasser helle…

Mich zieht's ja nicht oft zu den Städtebauern, also den virtuellen. Nicht, weil ich nicht will! Meist fehlt mir einfach die Zeit. Aber hin und wieder schaue mir doch mal ein Spiel an, weil es etwas hat, das mich neugierig macht. Und in diesem Fall ist das der Meeresboden, auf dem man in Aquatico siedelt. Dorthin verschlägt es die Menschheit nämlich, als die Erdoberfläche nach dem Einschlag eines Asteroiden unbewohnbar ist.

Man fängt also mit ein paar Credits an, Industrie und Wohnraum zu erschaffen sowie neue Gebäude zu erforschen. Die Unterwasser-Metropole soll schließlich wachsen – nicht nur in der Breite, sondern auch in der Höhe. Denn das finde ich hier so cool: Platziert man Strömungskraftwerke, Sauerstofferzeugung, Betonfabriken sowie Ressourcenbeschaffung und weitere Industrie direkt auf dem Grund, baut man seiner Bevölkerung Kuppeln, die auf hohen Stelzen vielleicht 50 Meter über dem Meeresboden thronen.

Vor allem die dunklen Tiefseeszenarien haben es mir angetan.

Diese verträumte Romantik hat es mir einfach angetan. Zumindest sieht es sehr schick aus, wenn man von oben auf die Kuppeln blickt, während die Lichter aktiver Gebäude und beschäftigter Drohnen in der Ferne darunter schimmern. Am schönsten ist dieser Blick, wenn man in einem Tiefseeszenario baut, wo die Sonne kaum noch nicht hinkommt, aber die Umrisse der Wellen trotzdem als Netz leuchtender Fäden auf dem Meeresgrund wabern, um sich zwischen fantasievoll glitzernden Gewächsen zu verlieren.

Und es gibt tatsächlich nur 13 vorgefertigte Szenarien, die im Grunde aber alle ein offenes Spiel ohne konkretes Ziel sind. Aquatico ist sowohl in Sachen Umfang als auch in Bezug auf die Spieltiefe ein überschaubarer Titel und kommt ohne Sprachausgabe oder gar erzählerische Elemente aus. Es gibt nur hin und wieder Ereignisse, bei denen man eine Entscheidung treffen muss: Will man der Basis (auf den Namen New Atlantis getauft) zum Beispiel ein paar Drohnen und Batterien abgeben oder braucht man die gerade selbst?

Keine Sorge, die Herzen tauchen nur sehr selten auf. Obwohl sich Aquatico in Sachen Animationen zurückhält, ist es mitunter doch unterhaltsam, dem Treiben der Einwohner und Drohnen zuzusehen.

Grundsätzlich stimmt dabei die Schleife aus dem Erforschen und Bauen neuer Anlagen sowie dem gleichzeitigen Sichern der für den Unterhalt aller Gebäude und Einwohner notwendigen Ressourcen. Man lässt nach Überlebenden suchen, um die Bevölkerung zu vergrößern, baut Verteidigungsanlagen gegen Haie und andere Gefahren, entsendet ein U-Boot zu Notsignalen oder potentiellen Lagerplätzen wertvoller Materialien und verbessert die Effizienz aller Produktionsstätten – was sich leider nicht in ihrem Äußeren widerspiegelt und über weite Strecken ohnehin mehr notwendiges Klickübel statt interessante städtebauliche Entscheidung ist. Zumindest muss man darauf achten, dass je nach Gebäudetyp stets genug Drohnen oder Personal vorhanden sind. Andernfalls sollte man die Arbeitskräfte mitunter manuell zuteilen.

Abgesehen davon erfolgt die Forschung auf einem sehr geradlinigen Weg, sodass sich die Siedlungen letztlich alle gleichen. Man aktiviert eine stark begrenzte Anzahl politischer Doktrinen, um Steuern zu erheben oder die Gebühren für Kauf und Verkauf ausgewählter Produkte zu senken. Eine starke Individualisierung nimmt man aber nicht vor, zumal es bis auf den anonymen Handel und die Ereignisbildschirme auch keine Interaktion mit der Basis oder gar anderen Städten gibt.

Ich müsste jetzt noch eine ganze Weile länger spielen, um euch zu sagen, ob die Ökonomie perfekt ausbalanciert ist. Ob sich verschiedene Szenarien doch stärker unterscheiden als in relativ wenigen topografischen Details. Und ob man im späteren Verlauf weiter so entspannt expandieren kann wie in den ersten Stunden. Ein Test mit Wertung ist das hier deshalb nicht.

Beim Forschen hat man leider keine allzu große Wahl. Besonders spezialisierte Siedlungen zieht man deshalb nicht hoch.

Klar ist mir bisher allerdings: Lässt man sich auf den überschaubaren Rahmen ein, dreht man an genug Stellschrauben, um sich als gut beschäftigter Bürgermeister zu fühlen. Wobei mir die Trennung von Wohnumgebung und Industrie auch spielerisch gefällt. Immerhin baut man in den Kuppeln ausschließlich Behausungen, Restaurants sowie Einkaufsmöglichkeiten und platziert dekorative Pflanzen oder Statuen, um die Lebensqualität zu erhöhen. Anschließend beobachtet man dann, wie die Einwohner per Cable Car zwischen den Kuppeln umher reisen – das hat was!

Nicht zuletzt mag ich die Menüführung, weil sie sowohl das Bearbeiten einzelner Gebäude als auch das eher distanzierte Verwalten der gesamten Siedlung ermöglicht. Hier und da fehlt mal die perfekte Übersicht, Alles in allem klickt man sich in Aquatico aber angenehm flott durchs Wasser.

Nur auf dem Steam Deck verzichte ich lieber darauf, denn obwohl das mit der auf dem Handheld exzellent einstellbaren Steuerung grundsätzlich möglich ist, läuft das Spiel dort selbst in der niedrigsten Einstellung über weite Strecken mit weit unter 30 Bildern pro Sekunde.

Aquatico ist aktuell in den folgenden Stores erhältlich. Eine Veröffentlichung auf GOG soll später folgen.

  • Epic Games Store (19,99 Euro)
  • Steam (derzeit 22,49 Euro, normal 24,99 Euro)
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Aquatico

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Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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