Bionic Commando Rearmed 2

Besser arm dran als Arm ab

Der Titel sagt eigentlich schon alles was man wissen muss. Fast zumindest. Wir haben es hier natürlich mit dem Nachfolger des Remakes des ersten Bionic Commando aus den Achtzigern zu tun. Und damit mit dem Sequel eines der behäbigeren seitlich scrollenden Shooter-Plattformer, die die Spielewelt zu bieten hat.

Das heißt natürlich nicht, dass der Titel einfach wäre. Denn das war Bionic Commando nie. Angesichts des Schwierigkeitsgrades des Vorgängers hatte man hin und wieder sogar das dringende Bedürfnis, sich gewaltsam seines linken Armes zu entledigen. Er schien ohnehin komplett unfähig, die harten Schwungpassagen zur Zufriedenheit dieses schmutzigen Versagers am Joypad zu bewältigen. Das lag unter anderem an der Fortbewegungsweise, für die sich Hauptcharakter Nathan "Radd" Spencer entschieden hatte: Seit Spieler gedenken konnte – oder wollte – der Knabe nämlich nicht springen.

Er war demnach voll und ganz eurem Können mit dem ausfahrbaren Greifarm ausgeliefert, mit dem ihr euch über klaffende Schluchten tarzantet oder zu höher gelegenen Plattformen hinaufzogt. Das ist jetzt buchstäblich Videospiel-Geschichte, denn für den zweiten Teil des Shooter-Revivals hat das neue Entwickler-Team Fatshark – die nach dem Niedergang der Schweden von GRIN nun das Zepter schwingen – erstmals eine Sprung-Taste eingebaut.

In unserer Anspielsitzung gestaltete sich das Fortkommen in den bunten, seitwärts scrollenden Levels dadurch schon fließender als im Vorgänger. "Radd" klettert auf Knopfdruck auch auf flache Kisten und Hindernisse und hat nun volle Kontrolle über das Schwungverhalten und das Loslassen des Greifers, das in der Serie sonst immer automatisiert ablief. Noch immer ist die Abfrage allerdings digital, entweder ihr schwingt also ganz oder gar nicht, sodass Besitzer entsprechender Eingabe-Hardware (etwa einem DualShock 3) besser dran sind als Leute, die mit dem Standard-Xbox-Joypad (und damit notgedrungen mit dem Stick) spielen.

Das langsame Tempo und die etwas trägen Sprünge machen den Ablauf allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Wer einmal einen Satz in eine Richtung macht, gibt zu einem guten Teil die Kontrolle ab und hat kaum Einfluss, sobald seine Stiefel den Boden verlassen. Er "bremst" in der Luft eher als dass er punktgenau bestimmt, wo er landet. Ritter Arthurs ("Ghosts'N'Goblins") madiges Gerippe lässt aus dem Jenseits grüßen. Radd ist zum Glück nicht ganz so sehr auf den Sprung angewiesen wie sein mittelalterlicher Capcom-Kollege und allgemein hat Fatshark den Schwierigkeitsgrad scheinbar ein wenig gedrosselt. Nur noch selten stürzt man in den Tod.

Wer gerade von seinem zweiten Shadow-Complex-Durchlauf kommt, wird trotz des leichten Spielbarkeits-Updates von BC Rearmed 2 zweifellos eine gewisse altersbedingte Hüftsteifheit feststellen. Das ist sicherlich im Sinne der Wiedererkennungswerte der Serie und durchaus so gewollt. Wer nicht weiß, was ihn erwartet, dürfte bei einem derart altgedienten Konzept wie Bionic Commando ja ohnehin an der falschen Adresse sein.

Am meisten getan hat sich jedenfalls bei der Optik. Objekte im Vorder- und Hintergrund werden neuerdings mit wunderbarer fortschrittlicher Tiefenunschärfe weich gezeichnet. Explosionen und Ragdolls kommen nun noch krachender und direkter und allgemein bietet sich ein detaillierteres Bild. Im dritten Level geht es durch einen Dschungel mit Wasserfällen, rieselndem Laub und schön hochaufgelösten Rinden-Texturen auf den Baumstämmen im Hintergrund, während Spencer sich zu Beginn etwa des Nachts durch eine stürmische Hafenanlage ballert. Stimmung, Beleuchtung und Farbgebung der leicht verzweigten Umgebungen variieren im Genre-Rahmen erwartungsgemäß.

Per L-Taste legt sich neuerdings zudem ganz in grün der transparente Bio-Vision-Scanner über die Mattscheibe, der euch Informationen zu Schaltern und Umgebungen abrufen lässt. Wir sind gespannt, ob Fatshark dieses Feature in späteren Spielstufen noch zu mehr als bloßer Tutorial-Hilfe und als Endgegner-Sweetspot-Sensor einsetzt.

Aber was erzähle ich euch überhaupt? Wer sich Anno 2008 über Rearmed gefreut hat, legt vermutlich bereits seit der Ankündigung dieses Nachfolgers vor einem dreiviertel Jahr täglich ein paar MS Punkte (oder Cent) auf die Seite, um im kommenden Frühjahr direkt zuschlagen zu können, wenn Rearmed 2 auf Xbox LIVE und ins PlayStation Network schwingt.

Design und Konzept waren in den 21 Jahren bis zum ersten Revival kaum kaputt zu kriegen. Warum sollte sich daran ausgerechnet in den letzten beiden Jahren etwas geändert haben?

Bionic Commando Rearmed 2 wird im Frühjahr für Xbox 360 und PlayStation 3 erscheinen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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