Star Wars: The Old Republic - Test • Seite 2

Wer braucht Freunde? Ich hab' Gefährten!

Dafür kommt selbst mein Blümchen-pflückender Schmuggler nicht aus der Puste, wenn er sich alleine in eine Quest stürzt. Das liegt an den NPC-Gefährten, die ihr jederzeit an eure Seite rufen dürft. Zu eurer Crew gesellen sich im Laufe der Zeit Tanks, Heiler, Fernkämpfer und Nahkampfspezialisten, die ein gutes Dutzend Fähigkeiten im Gepäck haben und wie eigenständige Charaktere ausgerüstet werden. Durch ihre Kommentare im Kampf und während der Dialoge wachsen sie einem schnell ans Herz. Sogar für Romanzen sind sie zu haben, wenn die Zuneigung und das Geschlecht stimmt. Nebenbei sind die Gefährten für das Crafting zuständig, sammeln während eurer Abwesenheit Rohstoffe und erledigen Missionen. Diese Innovation im MMO-Bereich kann für manchen aber auch eine Kehrseite sein. Menschliche Kollegen braucht ihr nur in seltenen Ausnahmefällen. Zwar gibt es ausgewiesene Heldenbereiche für Duos oder Vierergruppen, Flashpoints (Quest-Instanzen für 4 Spieler) oder Operationen (Schlachtzüge mit 8 oder 16 Spielern), aber den Löwenanteil von Star Wars: The Old Republic könnt ihr locker alleine meistern. Das führt dazu, dass sich das Spiel tatsächlich eher wie ein herausragend gestalteter Einzelspieler-Titel anfühlt.

Dabei wären alle nötigen Features an ihrem Platz: der Chat, das Mailsystem, die Gilden, das Handwerkssystem, das Auktionshaus, spontanes Gruppenspiel, Raids, Schlachtzüge, Open-World-PvP und PvP-Kriegsgebiete. Sogar die Dialoge kann man zusammen mit anderen Spielern in einer Party erleben, wobei der Zufall entscheidet, wessen Antwort zum Zuge kommt. Als Belohnung winken Sozialpunkte, durch die ihr bestimmte Ausrüstung anlegen dürft. Ein vernünftiges Tool zur Gruppenfindung fehlt bislang, wenn man mal vom relativ simplen Sozialfenster absieht, das alle Spieler auf demselben Planeten listet.

Besonders die starke Gewichtung der Einzelspieler-Story fordert ihren Tribut. Bis Stufe 50 kann man die Gemeinschaftsfeatures getrost in Carbonit einfrieren. Nur bei ein paar harten Bossen lohnt es sich, mit einem Kollegen in die Schlacht zu ziehen. Sobald ihr dann den Maximallevel erreicht habt und die Klassengeschichte ihr vorläufiges Ende findet, mangelt es derzeit noch an typischen MMO-Endgame-Inhalten. Ihr könnt eure Crew-Fähigkeiten und Craftingskills optimieren und die Planeten nach neuen Gebieten abgrasen. Wünschenswert wären freilich mehr spannende Gruppenerlebnisse. Doch die bisherigen Flashpoints, Operationen und Kriegsgebiete halten nicht lange vor. Die Weltraummissionen mit eurem Schiff sind eine spaßige Abwechslung im Stil von Rebel Assault, werden aber recht schnell langweilig. Die einzige Alternative lautet, weitere Charakterklassen hochzuleveln. Das sollte man sowieso, denn die anderen Klassenstorys sind es wert. Trotzdem wird BioWare damit kaum auf Jahre die Abo-Zahlen oben halten können.

Zum Glück sind die Entwickler alles andere als faul. Bereits einen Monat nach Release gab es das erste Inhalts-Update "Der Aufstieg der Rakghule", komplett mit neuem Flashpoint und einer Erweiterung der Operation Karaggas Palast. Bald sollen PvP-Ranking, eine Gildenbank, ein neues Kriegsgebiet und weitere Flashpoints folgen. Bemerkenswert ist, wie zügig Bugs und Performance-Probleme beseitigt wurden. Da kann sich die Konkurrenz gern eine Scheibe abschneiden.

Und genau hier liegt der Knackpunkt, den man für eine Wertung nicht außer Acht lassen sollte. Star Wars: The Old Republic befindet sich noch ganz am Anfang und hinterlässt trotzdem einen extrem ausgereiften Eindruck. Das ein oder andere Haar in dieser Sternchensuppe ändert nichts am ausgezeichneten Geschmack. Die Spielmechanik ist grundsolide, die Optik absolut in Ordnung und es gibt weit mehr als nur genügend Inhalte, um sowohl Otto-Normalspieler als auch Hardcore-Zocker mit stählernen Fingern für lange Zeit zu beschäftigen, bis alle Klassen und Features ausgereizt sind.

Allein die acht individuellen Klassenstorys würden jeden Einzelspieler-Titel aufs Siegertreppchen hieven und zum Preis von ein paar Monaten Abo-Gebühren bekommt man richtig viel Spielzeit geboten. Nimmt man noch die großartig vertonten Dialogsequenzen mit in die Gleichung auf, hat man einen echten Herausforderer für World of Warcraft. Für ein noch so junges MMO ist das beachtlich. Dabei ist noch nicht einmal der Star-Wars-Bonus eingerechnet - das Spiel käme sogar ganz gut ohne aus. Wenn BioWare langfristig frische Inhalte nachlegt und nebenbei an den letzten Macken feilt, teilen sich bald zwei Spiele den Genrethron.

9 /10

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Über den Autor:

Frank Erik Walter

Frank Erik Walter

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Tagsüber arbeitet Frank als freier Journalist. Nachts jagt er seit 2010 flüchtige MMOs für Eurogamer.de und die MMO PRO. Skittles und Tetris sind sein Kryptonit.

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