Expendables 2, Dredd, JCVD und Lincoln

Wir mögen Filme. Reden wir darüber.

In den letzten ruhigen Wochen über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage haben wir viele Spiele gespielt, aber auch eine ganze Reihe anderer Dinge getan, unter anderem Filme geschaut. Nicht immer die Neuesten, nicht immer die Besten, aber viel Spaß hat es trotzdem oft gemacht. Also dachten wir uns, dass wir als kleine Abwechslung, die jeder Mensch mal braucht, ab jetzt Freitags über ein paar Filme zu texten, die wir gesehen haben. Keine Sorge, wir versuchen nicht den Filmkritikern große Konkurrenz zu machen, sondern einfach nur zu berichten, wie ein Film auf uns wirkte und ob derjenige dazu raten würde, dem Streifen eine Chance zu geben. Wenn ich sage „wir", dann meine ich die ganze Redaktion, denn jeden Freitag wird ein anderer Redakteur ein paar Zeilen schreiben, damit die Abwechslung sowohl im Stil als auch im Filmgeschmack gewährleistet ist.

Welche Filme oder Serien das sind, hängt davon ab, was derjenige in den letzten Wochen sah. Es kann ein nach zwanzig Jahren wiederentdeckter Schatz sein oder etwas, das grad im Kino anlief. Wie gesagt, wir wollen euch damit nur ein paar Inspirationen geben, was sich vielleicht lohnen könnte. Erst mal also viel Spaß, ausnahmsweise nur bedingt interaktiven.

Dredd & Expendables 2

Action. Einfach nur Action. Sonst nichts. Geil.

Die Unterhaltung meiner letzten Abende war sicher nicht die Ausgeburt des intellektuellen Denker-Kinos, aber dafür bekam ich endlich mal wieder Action, wie ich sie im Film mag. Unkompliziert, fast ohne Handlung, technisch hochwertig, aber doch grobschlächtig und mit ordentlich Explosionen und Onelinern.

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Expendables 2 (Comic Con Poster)

Von beiden Streifen habe ich im Vorfeld ehrlich gesagt herzlich wenig erwartet. Ich starte mal mit dem Alte-Männer-Fest Expendables 2. Den ersten Teil empfand ich als viel zu lasch. Die Action-Szenen waren zu modern indem sie hektisch, schnell und wackelig geschnitten waren. Das CG sah schlimm aus, vor allem das Blut war peinlich und für einen Film der eigentlich nichts zu sagen hatte wurde viel zu viel geredet. Nummer 2 löst diese Probleme auf die einfachste Weise. Die Handlung ist nach wie vor nicht vorhanden, aber der Film versucht gar nicht erst, was anderes anzudeuten. Nach der Initialzündung fasst Stallone es mit „Wir finden sie, wir töten sie" treffend zusammen, denn genau das passiert auch. Das Finden beinhaltet dabei so viel Töten, dass selbst diese Differenzierung überflüssig scheint. Wenn es kracht, dann nimmt sich die Kamera diesmal mehr Zeit, einzufangen was passiert. Der Stil riecht nicht mehr wie Plastik, sondern nach dem Blut und Schweiß des 80er-Action-Kinos, an das sich die Hommage richtet und weil das dann auch dazugehört, geht der Gore-Faktor stellenweise erfrischend durch die Decke. Im heutigen Mainstream-Action-Kino, das zu oft versucht, eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen, ist dieser Grad an sinnloser Gewalt selten geworden und absolut erfrischend.

Die Crew sorgt dabei in jeder Sekunde dafür, dass es immer mit einem Augenzwinkern gereicht wird. Manchmal geht das ein wenig zu weit, einige der Sprüche schießen weit über die Grenze zur Peinlichkeit hinaus, aber sie wissen es meistens und tun es mit so viel Elan, dass ich ihnen nur selten böse war und sich das dann doch peinlich berührte Stirnrunzeln auf ein Minimum reduzierte. Auch die Chemie der alten Männer stimmt diesmal noch besser als zuvor. Stallone und Statham empfehlen sich geradezu für einen Trash-Talk-Buddy-Cop-Movie, aber auch der Böse kann sich sehen lassen. Van Damme liefert zur Einstimmung eine so einmalig dämliche wie epische Hinrichtung des Handlungs-Opferlamms, beendet es mit einem sehenswerten 80er-Showdown mit Stallone - erneut, dämlich aber episch - und dazwischen darf er sich endlich mal als erstaunlich düsterer Fiesling austoben.

Das mit dem "erstaunlich düster" ist dann auch gleich das Leitmotiv für Dredd, diesmal ohne Judge davor. Gut so, markierte das nur aus Nostalgie geliebte Stück 90er-Trash den Tiefpunkt Stallones Karriere. Nicht so schlecht, dass es schon wieder lustig war, nicht gut, egal auf welche Weise. Insoweit ging ich an den Reboot der von Hollywood scheinbar vergessenen Comic-Lizenz auch mit gehöriger Skepsis heran. 95 extrem kurzweilige, blutige und handlungsbefreite Minuten später hoffte ich auf eine schnelle Fortsetzung, um mehr davon zu bekommen.

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Dredd (gibt es auch in 2D)

Die erste Viertstunde setzt den neuen, überhaupt nicht mehr neonlastigen, grimmigen Ton der postapokalyptischen Megastadt. Die fühlt sich fast real an, weil sie einfach zeigt, dass auch in der Zukunft sehr oft die Ghettos einfach nur Ghettos sind und keine verkappten Blade-Runner-Phantasien. Diese liefern die riesigen Arkologien, jedoch mit einem ganz dreckigen Anstrich ohne jede Future-Glorie, und türmen das Elend 200 Stockwerke hoch auf. Einen solch absurden Wohnsilo betreten Dredd und sein Sidekick, um einen Mord zu untersuchen. Eine Festnahme später stellt sich heraus, dass ihr Gefangener nicht nur wichtige Informationen hat, sondern dass die durchgeknallte Gang-Chefin, die im Zweihundertsen residiert, den Turm so beherrscht, dass sie das ganze Ding kurzerhand mit den beiden Cops im Inneren abschotten kann. Nach der obligatorischen Durchsage „Tötet die Judges" folgen siebzig Minuten gradlinige, sehr blutige, kompromisslose und brillant inszenierte Action.

Beide Filme sind erstaunlich ähnlich, indem sie nach heutigen Maßstäben kurz sind, aber auch nicht länger sein sollten. Ihre Laufzeit füllen sie mit dem, wofür sie da sind: Schießereien, Explosionen und Sprüche anstatt von Dialogen. Während aber Expendables 2 seinen nicht immer erfolgreichen, aber oft genug sehr lustigen Eiertanz auf der Grenze zwischen 80er-Peinlichkeit und 80er-Glorie aufführt und einfach eine Menge Spaß mit sich selbst hat, gibt sich Dredd ausgesprochen modern, dunkel und stimmungsvoll. Ich hatte mit beiden Filmen schlicht Spaß. Ganz simpel, keine tiefe Bedeutung, einfach kurzweiligen Spaß. Ehrlich gesagt, genau so mag ich meine Action-Filme.

JCVD

Nicht ganz, was ich erwartet hatte ...

Als ich das erste Mal vor Jahren von Jean-Claude Van Dammes (JCVD, falls sich einer fragt, wofür der Titel steht) hörte, war meine Reaktion verhalten. Es klang zu sehr nach einer der schlechten Action-Komödien durch die jeder alternde Held der 80er wohl irgendwann mal muss. Ich hätte damit kaum falscher liegen können. Es ist die weitgehende Selbstdemontage dessen, was vom Mythos des Action-Helden übrig ist, allen voran durch eifrige Mitwirkung des Protagonisten.

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Man mag mir meine Fehleinschätzung verzeihen, denn die Prämisse klingt zu sehr nach vorprogrammierten Fehltritten. Van Damme kommt zurück nach Brüssel und geht in eine Bank, um Geld zu holen. Minuten später sieht es so aus, als würde der Star Geiseln nehmen und Lösegeld fordern. Warum auch nicht. Er ist abgebrannt, aufgerieben von einem verlorenen Sorgerechtsstreit, der Mann ist am Ende und hat keine Kraft mehr. Er ist am Ende und das ist das Motiv, das sich durch den Film zieht. Es kumuliert in einem beeindruckenden Monolog, in dem der Action-Star, der sich vielleicht zum ersten Mal mit jedem Recht Schauspieler nennen darf, scheinbar die vierte Wand für zehn Minuten durchbricht und mit dem Zuschauer spricht. Ich denke jedoch, dass dessen Blick zurück nur ein Spiegel für den Schauspieler ist, der sein bisheriges Leben mit allen Fehlern und Niederlagen aufrechnet. Man bleibt beeindruckt zurück, zum einen ob der Intensität des Moments, als auch des Talents, das wohl in dem Belgier schlummerte und sich nun endlich Bahn brach.

Der Rest passiert um diese Szene drum herum. Es gibt ein wenig Skurriles, ein wenig Lustiges, einiges Tragisches und rundherum solides Schauspielwerk aller Beteiligten. Der Film verliert sich mal für ein paar Minuten, findet aber immer wieder zu seinen Themen zurück und spielt manchmal sogar mit der Richtung, die ich fürchtete, nur um dann doch wieder zu der Bodenständigkeit einer guten Tragikomödie zurückzufinden. Wie gesagt, nicht was ich erwartet hatte, aber das war in dem Falle ein echter Segen. Gerade Leute, die wie ich keine großen Van-Damme-Fans sind, sehen hier jemanden, der offenbar zu weit mehr in der Lage ist, wenn er denn nur will. Dass Van Damme selbst davon wohl erst mal eine Pause brauchte, macht der Titel des Films klar, der auf JCVD folgte: Universal Soldier: Regeneration.

Lincoln

Das Ergebnis rechtfertigt die Mittel.

Daniel Day Lewis macht ungefähr alle drei Jahre einen Film. Für einen derartigen Schauspieler grenzt das an Arbeitsverweigerung. Aber wenn er dann mal vor die Kamera tritt, bleibt immer etwas beim Zuschauer hängen. Er gab Gangs of New York die Würde, verwandelte das eher handlungsarme Drama There will be Blood im Alleingang und nur durch seine Präsenz und Personifizierung des Protagonisten in ein Ereignis und jetzt hinterlässt er auch auf Lincoln ganz klar seinen so selbst auferlegt raren Stempel des schauspielerischen Genius.

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Lincoln

Wie jedoch auch There will be Blood ist es gerade aus europäischer Sicht ein Film auf den man sich bei aller personeller Größe - auch Tommy Lee Jones war seit Ewigkeiten nicht mehr in solcher Form - ein wenig einlassen muss. Es ist kein echtes Bio-Pic über das Leben Abraham Lincolns, sondern der letzten Monate vor seiner Ermordung. In dieser Zeit versucht er die Sklaverei in den USA per Verfassungsänderung zu beenden. Lincoln dreht sich darum, zu zeigen, welch ein unglaublich schwieriger Prozess genau das war, dass viele Dinge, die Abraham Lincoln tun musste, um dieses Ziel zu erreichen, nicht direkt rechtskonform abliefen und dass er auch selbst Zweifel hatte. Nicht an der moralischen Richtigkeit seines Ziels, aber doch, ob es angesichts der Brüchigkeit der immer noch vom Bürgerkrieg verletzten Nation machbar ist.

Wenn euch die Aussicht auf einen gleichzeitig eiskalt analytischen, manchmal zweifelnden und doch mit Passion vorgetragenen Monolog Lincolns vor seinem Kabinett über die rechtlichen Implikationen seines „Vorschlags" reizt, dann hat der Film inhaltlich unglaublich viel zu bieten. Ein leicht verdauliches Drama mit reinem Unterhaltungswert ist es jedoch in keiner Weise. Dafür geht Steven Spielberg das Thema zu nüchtern an. Ich denke es war die richtige Entscheidung, denn die Realität mancher Begebenheiten braucht nicht viel Politur, es war dramatisch genug. Das einzig Traurige an Lincoln ist vielleicht, dass Day-Lewis in sein Porträt des 16. US-Präsidenten so verliebt scheint, dass er sich jetzt erst mal eine noch längere Auszeit als sonst gönnen möchte. Er glaubt nicht, seine Leistung so schnell überbieten zu können. Ich muss zugeben, dass das, nachdem ich den Film nun sah, gar nicht so arrogant klingt, wie es erst den Anschein weckt. Mit Lincoln hat er die Messlatte hoch angelegt.

Alle Titel sind auf Blu-ray, DVD und digital erhältlich.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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