Drei Gründe, warum ihr Loadout spielen solltet

Free-to-play richtig gemacht.

Free-to-play als Konzept wird vielerorts missverstanden. Vor allem aufseiten einiger Hersteller, die zum Beispiel auf einmal finden, Fortschritt bremsende Bezahlelemente gehörten auch in Vollpreistitel. Und selbst Eins-zu-eins-Umsetzungen der einst durch geistlose Browserspiele etablierten Idee auf dem Rücken bekannter Marken - *hust* Dungeon Keeper *hust* - vergessen mehr und mehr, auch das "play" in den Spielablauf zu integrieren.

Umso wichtiger wird es, die Titel hervorzuheben, die es richtig machen. Spiele wie das jüngst für den PC erschienene Loadout, eine Mischung aus dem frenetisch schnellen Arenageballer eines Unreal Tournament (wird übrigens mal wieder Zeit!) und der „Itchy & Scratchy"-Show. Für alle, die es bisher verpasst haben, deshalb an dieser Stelle drei gute Gründe, warum man diesem kostenlos spielbaren Anarchisten

1.: Metzeln, als wäre es wieder 2004

Vergesst zähneknirschende und um Michael-Bay-Authentizität bemühte Kriegsszenarien. Loadout ist ein schneller Arena-Shooter für zwei Teams, in dem Flaggen beziehungsweise Hämmer erobert, Gebiete gehalten oder Blutonium gesammelt werden muss, bevor das dem Gegner gelingt. Bunny-Hopping mit Mondphysik, Ausweichrollen oder artistisches Aus-der-Luft-Schießen heranrauschender Raketen inklusive. Es ist unkomplizierter, kompromissloser und unmittelbarer Spaß, der sofort zündet. Und zwar buchstäblich. Schon zu Beginn einer Runde stehen beide Parteien in einem engen Kreis zusammen, nur um beinahe synchron zum "Anpfiff" mit dem Raketenwerfer auf den Boden vor sich zu schießen. Warum? Weil man es kann!

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Schreiend komisch und nur ein klitzekleines bisschen makaber.

Für den komödiantischen Effekt spielt man Loadout aus der Third-Person-Perspektive. Denn, seht ihr, die überzeichneten Karikaturen von Mr. T, Sly Stallone und einer... nicht näher zuordenbaren Pfundsdame verfügen über ein in höchstem Maße amüsantes Schadensmodell. Fast jeder noch so verheerende Treffer geht hier in bester Actionfilm-Manier noch als Fleischwunde durch. Das Spiel ist dabei nie wirklich gemein, sondern arbeitet mit einer Situationskomik, die aus derbem Zeichentrick bekannt ist. Wenn vom Kopf der unbeirrt umherballernden Spielfigur nur noch der Hirnstamm und die Augen übrig sind, man noch höchst agil auf dem bloßen Unterschenkelknochen durch die Arena wackelt und schließlich in einer Happy-Tree-Friends-artigen Animation tot umfällt, trägt der Titel seine hohen Produktionswerte auf dem Revers.

2.: Der Name ist Programm

"Fast jeder noch so verheerende Treffer geht hier in bester Actionfilm-Manier noch als Fleischwunde durch."

Abseits der mit nur vier Arenen noch recht überschaubaren, zweifellos aber noch wachsenden Anzahl an Schlachtfeldern werdet ihr viel Zeit mit dem Tuning der immer exotischeren Waffen zubringen. Fast jede Gattung von RPG bis Maschinengewehr hat Dutzende Aufsätze, Modifikationen und Munitionsarten, die sich nach und nach freischalten lassen und ansprechende Resultate erzeugen. Wollt ihr lieber alle zwei Sekunden eine Rakete feuern oder pro Nachladen drei dafür weniger effektive Sprengkörper zur Verfügung haben? Elektro- und Brandeffekte sind ebenso mit von der Partie wie Heilprojektile, mit denen man seine Mitspieler davor bewahrt, als wandelnde Blutfontäne zu enden - nicht, dass die Wartezeit von sage und schreibe drei Sekunden bis zum Respawn ein großer Malus wäre, aber so macht man sich eben Freunde.

Und wenn man fertig ist, gibt man seiner Kreation einen netten Namen. Ich bin einmal von einem Scharfschützengewehr namens "Tickle tickle" ("Kille kille") enthauptet worden, was selbst im Bildschirmtod noch durchaus einen Schmunzler provozierte.

3.: Free-to-play ist in diesem Fall kein zynischer Scherz

Ja, auch Loadout hat natürlich Mikrotransaktionen. Die Produktion und Bereitstellung eines Spieles kostet schließlich Geld, das wieder eingefahren werden will. Allerdings ist für das zentrale Spielelement, das Modifizieren der Waffen, lediglich die Währung "Blutonium" vonnöten, die man sich im Spiel verdient und nicht einmal kaufen kann. Die kompletten Tech-Trees der Argumenteverstärker lassen sich demnach freischalten, ohne einen Cent auszugeben. Gegen Geld ersteht ihr zwar vorübergehende Erfahrungspunkte-Doppler, bisher habe ich aber vollkommen darauf verzichtet und mich nicht einmal genötigt gefühlt, hier etwas Geld springen zu lassen.

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Die Produktionswerte sind erstaunlich hoch, die Animationen klasse.

Clever ist, dass dafür Geld für die Tonnen an optionalen kosmetischen Updates verlangt wird, denn ohne zu bezahlen, seid ihr auf einen von drei spielbaren Charakteren beschränkt. Wer durch Individualität und nicht durch seine Skills hervorstechen will, lässt ein paar Euro springen und tut den Entwicklern damit einen Gefallen. Es ist ja nicht so, dass sie euch mit den zahllosen, sehr unterhaltsamen Ballerrunden, die ihr hier verlebt, nicht auch einen getan hätten.

Worauf wartet ihr?

Da habt ihr's: Loadout ist eine hochsolide und zur Abwechslung mal schmerzfrei monetarisierte Free-to-play-Kiste, die dieser eigentlich so zukunftsträchtigen Spielesparte durch ihre bloße Existenz einen Bärendienst erweist. Anstatt ewig auf Unlocks oder das eigentliche Spiel zu warten, dreht ihr hier zwischendurch eine unterhaltsame, schnelle Runde nach der anderen und fühlt euch sogar an die unschuldigen LAN-Zeiten erinnert, in denen UT 2004 das Höchste der Gefühle war. Spielt es und werft ihm sogar ein paar Euro hin, alleine schon, um zu beweisen, dass faire Free-to-play-Modelle lukrativ sein können. Dann nehmen sich hoffentlich auch ein paar andere Anbieter ein Beispiel daran.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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