gamescom angespielt: NBA 2K15

Das Go-to-game einer Generation im Jahr eins nach dem Plattformwechsel.

Nachdem NBA 2K14 wohl der PS4-Launch-Titel war, der am meisten beeindruckte, hat Visual Concepts in diesem Jahr erstmals wieder etwas zu verlieren: den Wow-Effekt, den das Debüt der Reihe auf den neuen Plattformen erzeugte. Klar, man gewöhnt sich an alles, vor allem an schnieke Grafik und lebensechte Präsentation. Aber 2K und seine Entwickler werden den Wind nutzen wollen, den ihnen die gewaltige Steigerung auf den neuen Geräten in den Rücken pustete und der das Spiel auch über Sportspiel-Fankreise hinaus ins Gerede brachte.

Es bleibt abzuwarten, ob die breite, vor allem an Schauwerten interessierte Masse die Verbesserungen an NBA 2K15 zu schätzen werden weiß, denn die erfolgten Senior-Produzent Rob Jones auf der gamescom zufolge vor allem an den inneren Werten der Simulation. Das heißt nicht, dass nicht auch dieses Mal wieder Tausende neuer Animationen hinzukamen, um vor allem die Übergänge zwischen den Bewegungsabläufen noch organischer zu gestalten. Und natürlich gibt es auch die obligatorischen Verbesserungen an Spielergesichtern, Beleuchtung und Hauttexturen sowie einen neuen Soundtrack von Pharrell Williams, aber Jones war auf etwas ganz anderes sichtlich stolz.

Neuerdings soll die KI in Defensive und Angriff deutlich cleverer die Situation bewerten und sich entsprechend bewegen, Räume schließen oder in Lücken für ein Zuspiel vorzustoßen. Soll heißen: Besseres Spacing und vorausschauendere Aufteilung auf dem Platz sorgen dafür, dass man als Spieler nicht immer die Feuerwehr in höchster Not geben muss, weil jemand anderes gepatzt hat - und gleichermaßen: dass man sich auch mal riskantere Stealversuche oder dichtere Verteidigung eines Superstars leisten kann. Irgendeiner der Kollegen wird das One-on-one schon im Auge behalten und gegebenenfalls die Wege hinter euch schließen.

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Echte Bärte, jetzt mit noch feineren Härchen.

Überhaupt sahen die vorgespielten Szenen wieder einmal fabelhaft aus, vor allem wenn sich die Hünen im Zweikampf ohne jegliches Gliedmaßen-Clipping miteinander verknoteten. Der Ball gehorchte augenscheinlich noch immer nicht den Gesetzen realer Physik, verließ Passhände mal etwas schneller oder langsamer als anhand der Armbewegung vermutet, aber auch hier meinte ich, eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr auszumachen. Ich habe zudem keine Ahnung, wie Visual Concepts es besser machen sollte. Die Spielfiguren den Ball völlig frei und mit kompletter Physikengine dribbeln zu lassen, klingt vor allem mit Blick auf die künstliche Intelligenz, die ja jedes einzelne Auftropfen des Balles auf dem gewienerten Holzcourt kontrollieren muss, irgendwie utopisch.

Die Mikrotransaktionen, die mir in den vergangenen Jahren immer die MyPlayer-Karriere ein bisschen verleideten, sind anno 2015 ein Fall für abwarten und Tee trinken. Nimmt man das Angebot, Fähigkeitspunkte mit Echtgeld zu kaufen, nicht an, steht einem ein zäher Grind durch zwei, drei NBA-Saisons bevor, bis man tatsächlich den Schlüsselspieler steuert, als der man in den Zwischensequenzen immer angesprochen wird. Da fühlt man sich schon mal genötigt, ein paar Euro extra springen zu lassen, denn ein besserer Spieler erzielt bessere Leistungen im Spiel, wodurch man wiederum schneller Talentpunkte erspielt. Diese Zusatzinvestitionen waren bisher zu verschmerzen, weil die Spiele hierzulande immer deutlich unter dem Vollpreis lagen und die paar Euro mehr den Bock nicht fett machten. Glaubt man jedoch dem Amazon.de-Eintrag des Spiels, legt man für NBA 2K15 Vollpreis hin - mit dem Hinweis, dass Vorbesteller 5.000 Punkte der von mir nicht gerade geliebten virtuellen Währung VC gratis erhält. Keine Änderung also?

Als ich Jones nach der Präsentation darauf anspreche, sagt er, das System der Mikrotransaktionen würde "gestreamlinet". Ich kann anhand seines Tonfalles nur mutmaßen, dies bedeutet, dass man zumindest weniger bezahlt - vielleicht auch eher für Dinge kosmetischer Natur? Sicher bin ich aber nicht. Ich habe die Hoffnung trotzdem nicht aufgegeben, dass das Aufstocken des Leistungsindex in diesem Jahr auch dann schnell gelingt, wenn man darauf verzichtet, zusätzlich Geld in das Spiel zu stecken. Erfreulichere Nachrichten gibt es von der PC-Front. Die Version für Spielecomputer basiert in diesem Jahr ebenfalls auf dem Next-Gen-Code, womit sich für PC-User die Preisdiskussion erübrigt, denn sie erleben die virtuelle NBA - wieder laut Amazon.de - auch in diesem Jahr für nur knapp 30 Euro.

Sichtlich zufrieden war man offensichtlich mit der Implementierung der Euroleague-Teams im letzten Jahr, weshalb die Anzahl der Mannschaften auf 25 aufgestockt wurde. Nicht nur das, erstmals scoutete man auch ausgiebig die Teams und erstellte mithilfe zweier ehemaliger Coaches dieser Teams, die mittlerweile ihre Brötchen in den USA verdienen, eigene Playbooks für die Mannschaften des alten Kontinents. So will man sicherstellen, dass sie sich auch anfühlen wie europäische Teams, und nicht wie NBA-Trupps in Euroleague-Trikots.

Es gibt wenige Spiele, bei denen man schon lange vor der Veröffentlichung sagen kann, 'Hiermit macht man so gut wie nichts falsch'. Die NBA-2K-Reihe produziert seit vierzehn Jahren ohne Ausfall diese Sorte Spiel, daran ändert auch die zweifelhafte Mikrotransaktionen-Politik nichts, die meine Liebe zu dieser Reihe seit einer Weile auf die Probe stellt. Und selbst hier besteht ja noch Hoffnung, dass sie einem seltener am Portemonnaie herumfingert als zuvor. Ich bin also weiter guter Dinge - bei der zuverlässig Jahr um Jahr besten aller Sportsimulationen bleibt mir keine andere Wahl.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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