Drei Herausforderungen für Nintendos New 3DS

Wenn die Wahl zur Qual wird.

Ende letzter Woche kündigte Nintendo neue Varianten seines aktuellen Zugpferdes 3DS an. Hardware-Revisionen sind besonders bei den Handhelds des japanischen Traditionsherstellers eher die Regel denn die Ausnahme und fanden in der DS-Generation sogar im Zweijahrestakt statt. Dennoch sind die Vorzeichen für den New 3DS entschieden anders.

Der 3DS ist mit rund 13 Millionen verkauften Einheiten jährlich für Nintendo ein guter Verdiener, nicht aber eine Fortführung des naturgewaltigen Erfolges des DS. Fast 155 Millionen Exemplare verkauften sich insgesamt von dem älteren Gerät, allein im Spitzenjahr 2008/2009 feierte man über 31 Millionen abgesetzte Taschenspieler. Mit dem New 3DS will man ab Herbst in Japan und ab 2015 in Deutschland den leichten Abwärtstrend stoppen, der zuletzt einsetzte und auch von dem auf jüngere Spieler ausgerichteten 2DS nicht zu bremsen war. Die grundlegend überarbeitete Hardware ist attraktiv, und ich würde lügen, wenn ich behauptete, sie nicht möglichst schnell in die Finger bekommen zu wollen. Dennoch stellen sich dieser Revision drei zentrale Herausforderungen.

Kommunikation ist alles: Der Name

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Hoffentlich kommen die Tasten in Super-Nintendo-Farben auch nach Europa.

Nintendo hatte in den vergangenen Jahren ein wenig glückliches Händchen mit der Namenswahl für seine Geräte. Wii U ist in höchstem Maße parodiefähig und verwirrte Wii-Käufer in der Frage, ob es sich um Peripherie für das alte Gerät handelte oder um eine komplett neue Konsole. Der 2DS vermittelte den Eindruck, er sei ein Schritt zurück vom länger etablierten 3DS. Mit dem Zusatz "New" will Nintendo nun Wiedergutmachung leisten und ließ sich dabei von Apple und dem iPad inspirieren. Dort funktioniert es immerhin ganz ausgezeichnet.

Dennoch muss sich das Unternehmen die Frage gefallen lassen, ob man sich nicht besser auf die eigene Vergangenheit besonnen hätte. Das "Neu" im Namen vermittelt nicht annähernd die großen Änderungen, die man an der Hardware vornahm. Beim iPad mit seinem uniformen Interface, das nicht in erster Linie als Spielgerät herhalten muss, ahnt man schon, was einen mit der neuen Generation erwartet. Der neue 3DS hingegen ist ein im größeren Umfang erneuertes Biest, als es diese schwache namentliche Abgrenzung vermuten lässt. Warum entschied man sich nicht für "3DSi"? Das war zwar schon beim DS damals ein willkürlicher erscheinender Zusatz, ist aber unter den Usern etabliert und signalisiert den Unterschied klarer.

Die Kompatibilität - oder: Ist das noch ein 3DS?

"Steht hier am Ende eher eine Spaltung als eine Erweiterung der installierten Nutzerbasis zu befürchten?"

Übliche Verbesserungen, wie ein integrierter NFC-Sensor und bessere 3D-Blickwinkel, einmal außen vor: Der New 3DS verfügt über einen zweiten Analogstick, die doppelte Anzahl an Schultertasten und nicht zuletzt einen schnelleren Prozessor. In Sachen Prozessorleistung ist es zumindest denkbar, dass neue Spiele auf dem alten Gerät einfach nur etwas ruckliger laufen oder auf dem neuen auf andere Weise von dem Mehr an Pferdestärken profitieren. Und auch die zusätzlichen Eingabemöglichkeiten lassen sich auf dem alten Handheld durch geschickte Nutzung des Touchpads emulieren. Aber es wird von Entwicklerseite mit Mehraufwand verbunden sein, alle 3DS-Besitzer glücklich zu machen. Die Grenzfälle, die man besser auf der neuen Hardware spielt, scheinen schon jetzt so gut wie sicher. Steht hier am Ende eher eine Spaltung als eine Erweiterung der installierten Nutzerbasis zu befürchten?

Mit Xenoblade Chronicles ist bereits der erste exklusiv für den New 3DS erscheinende Titel unterwegs, was Besitzer einer der drei bisher veröffentlichten 3DS-Plattformen verunsichern könnte. Tatsächlich könnten die durch diesen Erben in deutlich größerem Umfang obsolet werden, als das in jeder Generation zuvor der Fall war. Wer dann darüber nachdenkt umzusteigen, darf sich unterdessen darauf einstellen, auch gleich eine neue SD-Karte zu kaufen, denn der New 3DS nutzt ein kleineres Format. Und dann haben wir noch nicht darüber gesprochen, dass Nintendo weiterhin eine befriedigende Lösung schuldig ist (und nein, die Hotline-Lösung funktioniert zwar, ist aber nicht zufriedenstellend), digitale Spielekäufe von einem System auf ein anderes zu übertragen.

Der PSP-Effekt: Wii? Du auch?

Schon der erste Trailer von Xenoblade Chronicles sorgt für ein Déjà-vu: Eine optisch abgespeckte, unruhig wirkende Version eines zugegebenermaßen fantastischen Heimkonsolenspiels - woher kennt man das nur? Richtig, das war das Modell, das die glücklos gebliebene PSP jahrelang fuhr, als sie passable Ausgaben etablierter PS2-Spiele willkommen hieß. Sicher, das hier ist nur ein Spiel und es ist noch lange nicht bekannt, ob und wie viele Wii-Titel letztendlich auf dem leistungstechnisch verstärkten neuen 3DS landen werden. Aber das Letzte, was ich von einem Handheld will, sind Versionen von Titeln, die ich auf anderen Konsolen in deutlich besserer Ausführung spielen kann oder schon gespielt habe.

Wenn der Nintendo DS eines bewiesen hat, dann dass es nicht darauf ankommt, mit seinen Handhelds ein bloßes Ersatzgerät für TV-gebundene Spielgeräte zu liefern. Sie funktionieren am besten als eigenes, kleines Spiele-Biotop, mit all den wahnsinnigen, schrägen, unkonventionellen Einfällen, die diese Losgelöstheit vom klassischen Konsolenmodell ermöglicht.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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