PES 2015 kommt ausgeruht aus der Kabine

"Next-Gen-Debüt" - klingt das erste Mal nicht nach einer Warnung.

So sieht das also aus, wenn sich ein Team ganz bewusst die Zeit nimmt und die erstbeste Gelegenheit zum Generationenwechsel mit einer bewundernswerten Gelassenheit aussetzt. Machen wir uns nichts vor: In Sachen Verkaufszahlen war es zwischen FIFA und Pro Evo noch nie ein echtes Rennen, da kann Konami auch gleich die den Mut zur Lücke beweisen und die wahrhaft umwälzenden spielerischen Neuerungen auf den neuen Geräten eine Weile reifen lassen. Das Resultat wirkt nach etwa zehn Stunden mit der fertigen Version wie ein angemessen modernes Sportspiel, das viele der nervigen PES-Altlasten abgestreifte wie einen lästig wachsamen Verteidiger.

Optisch beweist die Fox-Engine stichhaltig ihre Vielseitigkeit. PES 2015 sieht zwar etwas steriler aus als FIFA, viele Spielergesichter und -frisuren sind etwas plastikhaft und überhaupt wirkt es nicht ganz so lebendig wie bei der EA-Konkurrenz. Dafür flutschen die Animationen in jeder Bewegungsrichtung einfach wunderbar und lassen die Kicker die allermeiste Zeit physikalisch und anatomisch authentisch auf den Ball reagieren. Das hier ist in Kollisionen mit Ball und Spieler deutlich weniger Ping-Pong als zuvor und bedeutend schöner ausgeleuchtet noch dazu. Dort wo es zählt, also in der Totalen, sieht es nach einem Spiel aus, das auf PS4 und Xbox One gehört.

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Körperkontakt im neuen PES macht mehr Spaß als je zuvor.

Was mir in Sachen Spielerischem auffiel, ist eine höhere Direktheit im Spiel nach vorne. Ich hatte deutlich seltener als im Vorgänger Probleme, das Mittelfeld zu überbrücken. Klassische, kurze Doppelpässe abgeschlossen von einem Pass in den Raum zu einem der clever startenden Kollegen klappten gefühlt häufiger als zuvor, was das Spielgeschehen im Mittelfeld entlastete. Es wirkt wie ein temporeicherer Kick mit schneller und exakter reagierenden Spielern. So gerne ich das auch als reinen Pluspunkt auslegen würde (und so sehr die eingängigeren Kontrollen das auch sind), im letzten Jahr gefiel mir gerade der Kontrast zum 2013er Vorgänger noch so ausgezeichnet, weil die Spielanteile etwas gleichmäßiger über den Platz verteilt waren. Was das angeht, ändert sich der Fokus fast jeden Sportspieles beinahe im Jahresturnus und es fühlt sich jedes Mal besser an, weil es neu und anders ist, als man es zwölf Monate zuvor mit einer sklavischen Ergebenheit spielte.

Immerhin: In jedem Fall ist dieser Titel reicher an spektakulären Torraumszenen und zischenden Abschlüssen und auch die hart geführten körperlichen Zweikämpfe sind eine Augenweide. Es wirkt definitiv deutlich dramatischer und spannender als zuletzt und das ist ja eh immer das eine Argument für PES gewesen. Insofern schmeckt mir die erneute Kurskorrektur auch in diesem Jahr wieder ganz ausgezeichnet. Ich glaube, ich habe seit PES 2009 nicht mehr so viele schöne und schnelle Tore geschossen.

Das soll allerdings nicht heißen, dass PES nicht auch das besonnene Spiel beherrschen würde, was ein Couch-Duell mit einem mit Händen und Zähnen verteidigenden Freund belegte. Es kam immer noch zu vielen Torraumszenen, wegen der feinen Tacklings und dem allgemein gut nachvollziehbaren Zweikampfmodell musste man dafür aber deutlich härter arbeiten. Es bleibt abzuwarten, ob man nicht auch hier irgendwann den Schlüssel findet, das Mittelfeld links liegen zu lassen. Ausschließen kann ich es bislang noch nicht.

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Derartige Herzschlagmomente gibt es zuhauf.

Richtig negativ fiel mir bisher nur auf, dass ich dem Empfinden nach häufiger Latte oder den Pfosten treffe, als ich das Leder neben oder über den Kasten setze. Und das, obwohl ich als Schusstyp schon "erweitert" für mehr Kontrolle und Eigeninitiative beim Abschluss gewählt habe. Irgendwas läuft da falsch und in einigen Partien grenzte es schon fast an einen Running-Gag, dass ich - natürlich - wieder freistehend den Ball an das Querholz dotzte. Ein großes Fragezeichen schwebt auch noch über dem Online-Modus, der im letzten Jahr auch Monate nach dem Launch nicht tadellos funktionierte, was schon eine echte Zumutung war. Prüfen konnte ich das noch nicht, aber es besteht Grund zur Hoffnung, dass die fast 14 Monate seit dem letzten Spiel nicht ungenutzt blieben.

Am Ende hatte ich gute zehn Stunden mit einem frischen und gutaussehenden Fußballspiel, das ich trotzdem noch problemlos als Pro Evo erkannte - auch wenn es jetzt mehr nach FIFA aussieht als je zuvor. Es liegt einfach in diesem besonderen Gefühl, wenn der Fuß meines Spielers auf das Leder trifft und ich schon nach bei der Eingabe beinahe weiß, ob an der Tafel überm Kasten gleich ein anderer Torestand eingeblendet wird oder nicht. Das habe ich so in noch keinem anderen Fußballspiel erlebt, und ja, ich bin mir sehr wohl bewusst, dass das einfach an meiner ganz persönlichen Polung auf das Konami-Produkt liegen kann. Aber geht es nicht genau darum? Entweder man ist mit diesem Spiel auf einer Wellenlänge oder mit jenem. In welches Lager man gehört, das kann sich keiner aussuchen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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