Nach dem Leak zur PlayStation 4K „Neo“ sind noch immer viele Fragen offen, die nach einer Antwort verlangen. Wir wollen euch alles zur neuen Hardware verraten, was wir können, besonders im Hinblick darauf, was das für bisherige PS4-Besitzer bedeutet.

In diesem Artikel widmen wir uns den Regeln, die Sony den PlayStation-4-Entwicklern vorschreibt. Diese Richtlinien können sich zwar noch ändern, aber es zeichnet sich ein klares und eindeutiges Bild ab: Als Plattformhersteller sagt Sony explizit, dass PS4 und Neo „auf dem Markt koexistieren“ sollen. Neo ist einfach eine technologisch fortschrittlichere Version, aber es gibt einige wichtige Punkte, die wir in dieser ganzen Informationsflut hervorheben möchten.

Der DualShock 4 bleibt der primäre Controller: Sony hat keine Pläne, einen neuen Controller für die Neo-Hardware einzuführen. Der DualShock 4 bleibt unverändert und Sony schreibt sogar vor, dass alle vorhandenen Peripheriegeräte von PS4 und Neo unterstützt werden sollen.

1080p sind als minimale Bildschirmauflösung verpflichtend: Sony will Entwickler zur Nutzung höherer Auflösungen bewegen und auch Super-Sampling auf Full HD ist eine Option, aber 1080p ist die niedrigste Auflösung, die erlaubt ist.

Kein Online-Unterschied zwischen den Konsolen: Wenn ein PlayStation-Titel Online-Features unterstützt, müssen diese auf beiden Systemen funktionieren. Entwickler können keine Neo-exklusiven Server haben. Wir glauben, dass dies jedoch zu einigen Balancing-Problemen führen könnte, wenn etwa die Neo-Version eines Spiels mit 60 FPS läuft und die PS4-Version auf 30 FPS beschränkt ist.

Die Speichersysteme sind Cross-Platform: Das Betriebssystem ist auf PS4 und Neo das gleiche. Das heißt, dass alle Daten (Spielstände, Backups) standardmäßig zwischen beiden Systemen getauscht werden können. Allerdings scheint Sony es den Entwicklern zu überlassen, ob sie einen Tausch von Spielständen zwischen Neo und PS4 tatsächlich ermöglichen.

Aufwärtskompatibilität nur für alte Spiele: Sony will ab Oktober Neo-Support in allen Spielen haben. Alte Spiele können zwar per Patch Neo-Features erhalten, aber das Unternehmen erlaubt nicht, dass neuen Spielen erst später Neo-Features hinzugefügt werden.

Rich fast alles zusammen, was wir bislang über die Spezifikationen der neuen PlayStation-Neo-Hardware wissen.

So viel zu den wichtigsten Punkten, aber wenn ihr mehr Wert auf die Details legt, seht ihr nachfolgend die unserer Einschätzung nach vollständigen Regeln und Richtlinien, die Sony den Entwicklern vorschreibt. Änderungen sind möglich, aber für den Moment ermöglicht es uns einen faszinierenden Einblick in Sonys Strategie, mit der man die Existenz von zwei verschiedenen PlayStations im gleichen Ökosystem ermöglichen will.

PS4/Neo: System-Software-Funktionen

Das PS4-Frontend bietet eine identische Erfahrung, ob ihr nun Neo oder eine ursprüngliche PS4 verwendet. Der PlayStation Store wird exakt gleich sein, aber Sony denkt darüber nach, zusätzliche Medien-Optionen anzubieten, zum Beispiel 1080-Gameplay-Streaming oder -Aufnahmen. Der Zugang zu 4K-Medien-Apps mit HDCP 2.2 als Voraussetzung wird in Sonys Dokumenten nicht erwähnt. Was Spiele betrifft, äußert man sich jedoch sehr detailliert im Hinblick auf die Funktionsweise.

  • Die gleiche PSN ID kann verwendet werden, um auf den gleichen Content auf mehreren PS4- und Neo-Systemen zuzugreifen.
  • Ihr könnt allerdings nur ein Gerät als Primärkonsole festlegen.
  • Die gleiche PSN ID kann nicht simultan auf mehr als einer PS4, Neo oder einer Kombination aus beiden eingeloggt sein (vermutlich kann die Primärkonsole aber digitale Inhalte offline abspielen, wie es aktuell der Fall ist).
  • Spielstände sollten zwischen PS4- und Neo-Titeln übertragen werden können (via USB- oder Cloud-Speicher). Allerdings ist das System plattformunabhängig. Sony überlässt es den Entwicklern selbst, sicherzustellen, dass das Feature funktioniert.
  • Backup-Daten können zwischen Neo und PS4 getauscht werden. Ihr könnt Daten auf beiden Konsolen als Backup anlegen und sie auf beiden ohne Probleme wiederherstellen.
  • Themes und Avatare funktionieren auf beiden Systemen.
  • Entwicklern ist es nicht erlaubt, Neo- und PS4-Nutzer im PlayStation Network zu trennen. Online-Modi müssen die gleichen Features bieten.
  • Trophäen und die Voraussetzungen für ihre Freischaltung müssen absolut identisch sein.
  • Es ist zu erwarten, dass im PlayStation Store und auf der Verpackung Neo-spezifische Features erwähnt werden.
  • Es gibt keine Pläne, PS4- oder Neo-Inhalten mit dem „fast start“-Download-System PlayGo Priorität einzuräumen.
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Trophäen müssen in den PS4- und Neo-Modi laut Sonys Richtlinien absolut identisch sein. Es gibt keine Neo-exklusiven Trophäen oder Unterschiede bei den Voraussetzungen zur Freischaltung.

PlayStation 4/Neo: Spielekompatibilität

Sony legt großen Wert darauf, dass Entwickler beide Systeme simultan unterstützen und will sicherstellen, dass alle PS4-Titel ab dem 4. Quartal Neo-Support bieten. Außerdem will man die Plattformen mit wenig bis keinen Ausnahmen vereinen.

  • Neo- oder PS4-exklusive Spiele sind nicht gestattet (denkt daran, dass Neo auch Spiele ohne Verbesserungen abspielen kann - Entwicklern ist es lediglich untersagt, die Nutzerbasis von einer der beiden Konsolen auszuschließen).
  • Alle Spiele, die ihr kauft - ob nun auf Disc oder im PlayStation Store - sollten auf PS4 und Neo funktionieren, ohne dass zusätzliche Kosten nötig sind, um sie auf der anderen Konsole abzuspielen.
  • Alle neuen Titel mit Neo-Support nutzen einheitliche Systeme, die auf beiden Plattformen laufen. Der CPU-Binärcode ist identisch, die drei GPU-Binärcodes (Shared, PS4-spezifisch und Neo-spezifisch) finden sich alle im gleichen Programmpaket.
  • Alle DLCs und zusätzlichen Inhalte müssen Cross-Platform sein. Einheitliche Downloads werden dafür und für Spielpatches verwendet.
  • Neo-Support für alte Spiele wird via „Aufwärtskompatibilität“ durch Patches unterstützt - bei neuen Spielen ist das jedoch nicht erlaubt.
  • Entwickler können Neo-Besitzern keine exklusiven Gameplay-Features bieten. Wenn es einen Splitscreen-Modus in einem Spiel gibt, muss er auf beiden Systemen verfügbar sein. Modi können jedoch erweitert werden. Ein Zwei-Spieler-Splitscreen-Modus auf der PS4 könnte auf der Neo-Konsole etwa vier Spieler unterstützen.
  • Entwickler können weder den PS4- noch den Neo-Systemen exklusive Inhalte hinzufügen.
  • Wenn es einen Bug im Neo-spezifischen Code gibt, können Entwickler Neo-Besitzer stattdessen nicht einfach den PS4-Code verwenden lassen. Der Fehler muss behoben werden.
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Sony sagt, dass die Frontend-Erfahrung und der PlayStation Store auf PS4 und Neo identisch sein werden, obwohl Neo-spezifische Features auf den Produktseiten aufgeführt werden.

Peripherie-Support

Sony will hier keine dramatischen Änderungen vornehmen. Wir können davon ausgehen, dass die Neo-Hardware über die gleichen primären Inferfaces verfügt wie die PS4 - namentlich: USB 3.0, Bluetooth und das Kamera-Interface.

  • Der existierende DualShock 4 ist als primäres Eingabegerät für Neo bestätigt. Es wird keinen neuen Controller geben. Wie es auch jetzt der Fall ist, können PS4-Pads mit unterschiedlicher PlayStation-Hardware genutzt und kombiniert werden.
  • Jedes spezielle Peripheriegerät, das ihr habt und das mit der PS4 kompatibel ist, sollte auch mit Neo funktionieren.
  • Zwischen den Neo- und PS4-Versionen darf es keinen Unterschied beim Peripherie-Support geben.

Rendering-Richtlinien

Wir haben bereits beschrieben, wie Sony höhere Auflösungen für 4K-Bildschirme mit der Neo-Hardware anbieten und wie man Entwickler zu höheren und stabileren Framerates, mehr Details und weiteren visuellen Features anspornen will. Das ist ein Thema, auf das wir näher eingehen werden, wenn wir weitere Infos erhalten. Was die technischen Richtlinien hinsichtlich des Neo-Renderings betrifft, bietet Sony folgendes:

  • Spiele, die im Neo-Modus laufen, müssen eine native Rendering-Auflösung von 1920x1080 (1080p) oder höher verwenden.
  • Die Framerate eines Spiels muss der Performance auf der PS4-Hardware entsprechen oder diese übertreffen.

Es scheint, als gäbe es keine neuen Richtlinien, um Rendering- oder Performancestandards auf der existierenden PlayStation 4 festzulegen. Eine Sorge ist, dass der Fokus zu Neo wechseln könnte, was zu schlechteren Spielerlebnissen auf der älteren Hardware führen könnte. Wir hoffen, dass die schiere Größe der Nutzerbasis dafür sorgt, dass die 'Basisversion' der PS4 weiter die Fürsorge und Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient.

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Star Wars: Battlefront wird auf der PS4 in 900p gerendert - mit den neuen Richtlinien von Sony müsste das Spiel mindestens in nativen 1080p auf der Neo-Hardware laufen, wenn man es als neuen Titel einreichen würde.

Unser Fazit

In vielerlei Hinsicht ist Sony sehr konservativ im Hinblick auf das, was bei der Entwicklung für die neue PlayStation-Hardware erlaubt ist und was nicht. Das primäre Ziel besteht darin, der vorhandenen Nutzerbasis entgegenzukommen und nicht darin, sie zu entfremden. Außerdem möchte man das vorhandene Ökosystem stärken anstatt es zu zersplitten. Das erstreckt sich bis hin zu Richtlinien dazu, wie genau Neo-exklusive Features im PlayStation Store kommuniziert werden. Sony erlaubt den Entwicklern, sie zu erwähnen, aber sie sollen keineswegs dazu angespornt werden, die bisherigen PS4-Besitzer zum Kauf der Neo zu bewegen.

Was das technische Fundament anbelangt, scheint Sony alles abgedeckt zu haben. Der Plattformanbieter erschafft eine High-End-“Elite“-Version der Konsole, aber stellt gleichzeitig sicher, dass es feste Grenzen gibt, um dafür zu sorgen, dass sich die große, vorhandene PS4-Nutzerbasis nicht zurückgelassen fühlt. Aber dadurch stellt sich auch die Frage, ob sich die Berücksichtigung der vorhandenen PS4-Nutzerbasis nicht darauf auswirkt, in welchem Umfang die Entwickler die leistungsstärkere Neo-Hardware verwenden können?

Eine weitere Frage ist: In welcher Hinsicht ist 4K-Display-Technologie zum aktuellen Zeitpunkt oder mittelfristig überhaupt bedeutsam für Spieler? Wird sich die Neo-Entwicklung stattdessen vielmehr auf ein reichhaltigeres 1080p-Spielerlebnis konzentrieren? Diesem Thema und den Optionen, die den Entwicklern zur Verfügung stehen, werden wir uns in einem weiteren Artikel widmen.

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.