gamescom angespielt - Battlefield 1

Leider geil?

Was ist das überhaupt?

Das wisst ihr doch schon lange: Das Spiel, das im Battle der Debüt-Trailer auf YouTube den ewigen Konkurrenten Call of Duty schlimm düpierte. Ein First-Person-Shooter im ersten Weltkrieg und damit die frische Gegenbewegung zu Activisions strammem Voranschreiten in die schöne neue Welt der Kriegsführung. Für mich persönlich aber zumindest im Marketingmaterial jedoch eine etwas unglückliche Heroisierung eines der brutalsten Kapitel der Menschheitsgeschichte.

Gestern im Präsentationssaal auf der gamescom hatte ich beim abschließenden Trailer das erste Mal seit langem den Gedanken, dass ich keine Lust hätte, einem nicht mit Videospielen bewanderten Verwandten zu erklären, warum wir so etwas spielen. Und ich spiele seit einem Dreivierteljahr Rainbow Six: Siege in Dauerschleife. Der schmissige Zusammenschnitt unzusammenhängender Kampfhandlungen zu cooler Musik - das geht in Wolfenstein, drei, vier Schritte von der Realität entrückt. Im Kontext des ersten Weltkrieges finde ich das ziemlich unpassend. Doch das mag jeder anders sehen.

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Warum sollte es mich interessieren?

Weil man vom Spiel selbst bisher nicht sagen kann, dass es den Krieg mehr verherrlichte als jeder andere Shooter auch und ansonsten die üblichen Battlefield-Qualitäten in dem neuen Szenario voll durchschlagen. Gunplay und Bewegungsabläufe sind wunderbar fließend, das Schlachtengefühl bei 32 gegen 32 Spielern ziemlich ordentlich, die Optik konkurrenzlos gut. Auf der neuen Karte Sinai Desert ging es im Conquest-Modus erstmals auf dem Rücken eines Pferdes von einem Haltepunkt zum nächsten. Schnell unterwegs ist man schon, gut anfühlen tut's sich auch. Aber zielen ist mit dieser Fortbewegungsmethode reine Glückssache, sodass ich fürs Erste nicht traurig war, dass unser Nachschub an Schlachtrössern schnell der Neugierde der Spieler erlag.

Bei aller poppiger Kriegsverklärung, die in den Trailern mitschwingt, fällt es schon nach einer Runde nicht mehr schwer, zu sehen, was DICE sich von diesem Szenario versprach. Knallrote Doppel- und Dreifachdecker, rustikale Waffen und riesiges, primitiv-mechanisiertes Kriegsgerät üben schon eine gewisse Faszination aus.

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Besonders der gepanzerte Zug, der sich als nahezu unaufhaltsamer Behemoth am Westrand der Karte entlangschlängelt und den zu zerlegen den kräftigen Push eines eingespielten Teams verlangt. Unserem wild zusammengewürfelten Messehaufen ist es nicht gelungen, ihn zu stoppen. Dennoch trotzten wir dem gegnerischen Team ein Unentschieden ab. Das erste an diesem Tag, wenn man dem EA-Mitarbeiter hinter mir Glauben schenken darf.

Ein temporeiches, eindrucksvolles Gegeneinander mit viel gezielter Zerstörung, Kopfschüssen aus dem Nichts - sprich vom Hausdach aus 100 Metern Entfernung - und Bayonett-Kills aus dem vollen Lauf. Der Wechsel zwischen Nah- und Fernkampf hält auch dieses Battlefield stets im Fluss. Nicht zuletzt ist es visuell auch weit weg von der graubraunen Tristesse, die sich damals so gerne in historische Shooter einschlich, wenn deren Macher hauptsächlich Der Soldat James Ryan als Inspiration herangezogen hatten. Auch technisch natürlich eine Zier, wobei vor allem der Zoom in die Karte hinein, nachdem man aus der Vogelperspektive seinen Spawnpunkt wählte, sehr imponierte.

Was kann noch schiefgehen?

Das hier ist Battlefield. Die Kampagne hat demnach eine rechnerisch ziemlich ordentliche Chance, ein echter Langweiler zu werden. Es sei denn, euer Glas ist in der Regel halbvoll, dann wäre es mal wieder Zeit für einen Einzelspieler-Meilenstein, wie Bad Company 2 einer war. Abgesehen davon dürften nach der langen und allgemein ziemlich gut aufgenommenen "Closed Alpha" alle Zeichen gut stehen für ein Battlefield, das vom Fleck weg seine Community gut unterhält.

Wann kommt es und wofür?

Am 21. Oktober für PC, PS4 und Xbox One. Offene Beta startet am 31. August.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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