Assassin's Creed: The Ezio Collection - Test

Ein ganzes Leben in einer Sammlung.

Ein Jahr ohne neues Assassin's Creed! Für manche kaum noch vorstellbar und obwohl es ja im Grunde kein neues Spiel ist, gibt es da nun immerhin noch die Ezio Collection, die in diesem Jahr die Lücke füllen soll, während Ubisoft fleißig am nächsten regulären Teil der Reihe arbeitet. Nach der zusätzlichen Entwicklungszeit könnte der wirklich mal wieder richtig spannend ausfallen. In der Zwischenzeit könnt ihr euch ein weiteres Mal mit Ezio Auditore da Firenze beschäftigen, dem bislang besten Hauptcharakter der Reihe.

Zugegeben, das ist nicht wirklich schwierig, denn er hatte drei Spiele und viele In-Game-Jahre lang Zeit, sich zu entwickeln, während man sich von den anderen Protagonisten wieder nach einem Teil verabschiedet hat. Gegenüber Altair aus dem ersten Assassin's Creed hatte Ezios Charakter so viel mehr zu bieten, wirkte nicht ganz so mysteriös und verschlossen wie sein Vorgänger, sondern lebensfreudig, draufgängerisch, heißblütig und manchmal etwas dickköpfig. Kurz: Ein weitaus interessanterer Protagonist, für den man sich wirklich interessiert hat.

Und dann gibt es da natürlich die Abschnitte in der Gegenwart mit Desmond Miles, Ezios Nachfahre, die immer irgendwie langweilig auf mich wirkten, mir wie eine lästige Pflicht vorkamen und in mir das Gefühl weckten, dass Ubisoft mich aus dem eigentlich spaßigen Renaissancezeitalter unbedingt herausreißen musste, um mir diesen modernen Quatsch anzudrehen. Diese Ansicht hat sich mit der Ezio Collection nicht geändert.

Die Texturen sind schärfer, das Bild wirkt klarer und es wird noch immer viel geklettert.

Über die drei enthaltenen Teile Assassin's Creed 2, Assassin's Creed: Brotherhood und Assassin's Creed: Revelations entwickelt sich zwar nicht nur Ezios Geschichte weiter, sondern ebenso die Geschichte in der Gegenwart, aber wie schon gesagt, war die historische Seite von Assassin's Creed für mich schon immer die interessantere. Und während Ezios Abenteuer in Revelations zu Ende geht und man außerdem noch mal Altairs Werdegang aufgreift, geht Desmonds Geschichte noch weiter.

Neueinsteiger könnten sich dabei jedoch ein bisschen außen vor fühlen, denn im Grunde habt ihr hier nur den Mittelteil von Desmonds Handlungsbogen. Wie er in Assassin's Creed 3 zu Ende geht oder wie er im ersten Teil begann, erfahrt ihr wirklich nur dann im Detail, wenn ihr die jeweiligen Titel spielt oder einen Blick auf Wikipedia werft. Das hätte man ein bisschen besser lösen können.

Das Schöne an der Ezio-Reihe ist auch, dass ihr die Weiterentwicklung der Protagonisten und der Spiele selbst sehr gut sehen könnt. Ezio wächst anhand der Herausforderungen, mit denen er es zu tun bekommt, und jedes der Spiele fühlt sich auf seine Art und Weise anders an. Natürlich sind sie alle im Kern noch immer ein Assassin's Creed, aber in Brotherhood kamen zum Beispiel die Assassinen als Unterstützung hinzu, in Revelations konntet ihr einige Tower-Defense-artige Missionen absolvieren, um Templerangrifffe abzuwehren.

Blocken und kontern ist noch immer eine sehr effektive Methode im Kampf.

Neben den Protagonisten sind aber die Städte ebenso die Hauptcharaktere der Spiele. Ob nun Venedig oder Florenz in Assassin's Creed 2, Rom in Brotherhood oder Konstantinopel in Revelations, alle bieten viel Raum zum Erkunden, Entdecken und viele Beschäftigungsmöglichkeiten, die euch stundenlang beschäftigen können. Das alles sieht in der Ezio Collection etwas hübscher aus, aber erwartet keine Qualität wie in den jüngsten Current-Gen-Teilen.

Vor allem profitieren die Spiele der Ezio Collection von der auf 1080p erhöhten Auflösung. Das Bild wirkt klarer, sauberer, die Texturen wurden verbessert und die Sichtweite ist höher, allerdings sieht man den Titeln weiterhin ganz klar ihre Abstammung an. Es ist ein Remaster, dessen Verbesserungen einem sofort ins Auge fallen, die euch aber auch nicht so sehr begeistern, dass euch die Kinnlade auf den Boden klappen wird. Selbst jetzt mangelt es manchen NPCs oder Objekten hier und da noch an Details und an den 30 Frames pro Sekunde hält man ebenfalls fest. Aber das ist zu verschmerzen, lieber feste 30 FPS als irgendetwas Wackeliges zwischen 30 und 60.

Während Assassin's Creed 2 noch ein reines Singleplayer-Erlebnis war, experimentierten Brotherhood und Revelations mit Multiplayer-Modi. Diese fehlen in der Ezio Collection, sie ist ausschließlich für Einzelspieler gedacht. Kein großer Verlust, wenn ihr mich fragt, zumal die Kampagnen klar im Fokus der Spiele stehen. Als Entschädigung sind immerhin die Singleplayer-DLCs mit von der Partie, ebenso die beiden Kurzfilme Assassin's Creed: Lineage und Assassin's Creed: Embers, die euch noch mehr über die Geschichte von Ezio und seinen Vater Giovanni verraten.

Vom jungen Draufgänger zum gealterten, erfahrenen Assassinen.

Wer braucht die Ezio Collection also? Nun, wenn ihr die einzelnen Teile bereits gespielt habt und nicht unbedingt das Verlangen verspürt, sie noch einmal zu erleben, dann eher nicht. Es macht noch immer Spaß, sich mit Ezio durch die verschiedenen Städte des Renaissancezeitalters zu kämpfen, aber die Collection bietet mit ihren zwar vorhandenen, aber nicht wirklich herausragenden technischen Verbesserungen keinen Wow-Effekt, der allein als Anreiz zum erneuten Spielen ausreichte. Ansonsten gilt: Habt ihr noch mal Lust auf die Ezio-Reihe, findet ihr sie hier zusammen in einem schicken Paket mit ein paar Extras auf einer Disc und auf modernen Geräten, müsst also dafür nicht extra eine alte Konsole anschaffen, ausleihen oder hervorkramen. Und wenn ihr noch gar nichts mit der Reihe am Hut habt oder erst später eingestiegen seid, könnt ihr mit der Ezio Collection zu einem der Höhepunkte der Reihe zurückkehren.

Entwickler/Publisher: Ubisoft - Erscheint für: Xbox One, PlayStation 4 - Preis: ca. 50 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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