DiRT 4 - Nicht fluchen. Fahren lernen!

Ein Hoch auf die Fun-Racer-Fraktion... zumindest ein bisschen.

Überraschung: Codemasters kündigt DiRT 4 an und das schon für den Juni dieses Jahres. Weniger überraschend: Nach dem Erfolg des exzellenten DiRT Rally, basiert der neue Hauptserienteil auf der Engine und den Spielmechaniken der knallharten Rallye-Simulation. Allerdings möchte man bei Codemasters nicht nur bei den Hardcore-Fans punkten, sondern auch Wenigfahrer, die nicht unbedingt auf konsequent umgesetzte Realitätsnähe wert legen, für virtuelle Off-Road-Rennen begeistern. Bei einem Event in London konnte ich schon mal ein paar Runden auf den staubigen Pisten drehen und musste wieder mal feststellen, verdammt noch mal ich brauche unbedingt einen vernünftigen Racing-Seat zu Hause.

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Technisch schlummert die bewährte DiRT Rally-Engine unter der Motorhaube von DiRT 4. Das bedeutet: Auf Wunsch gibt es die volle Simulation.

Gleich zu Beginn trennt sich die Spreu vom Rallye-Weizen, wenn ich die Entscheidung treffen soll, ob ich mit einer normalen Steuerung oder mit der Pro-Version an den Start gehen möchte. DiRT Rally-Fans werden da nicht lange überlegen und auf die volle Simulation setzen, die keinen noch so kleinen Lenkfehler verzeiht und euch selbst mit sämtlichen aktivierten Fahrhilfen eine extrem steile Lernkurve abverlangt, bevor ihr auch nur in der Nähe einer Top-Position in den Championships gelangen könnt. Deutlich gnädiger zeigt sich die normale Steuerungsvariante, die nicht gleich jeden unbedachten Tritt aufs Gaspedal mit einem Ausflug in die Botanik quittiert und sich in vier Schwierigkeitsgraden noch weiter an die persönliche Frustresistenz anpassen lässt. Diese reichen von der Einstellung "Gamer", bei der sich die KI-Konkurrenz als zahm erweist und ich nach jedem Crash wieder auf die Piste darf, bis zum knackigen "Fearless", bei dem bereits nach einem Unfall Feierabend ist und die computergesteuerten Gegner mir das Leben zur Hölle machen. Belohnt werden höhere Einstellungen mit mehr Spielgeld bei einer Platzierung. Und das brauche ich dringend, um mir neue Boliden kaufen zu können und die teuren Reparaturen zu bezahlen. Sonst wird das nichts mit meiner Karriere als Rallyefahrer.

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Grafisch sind zu DiRT Rally auf der PS4 keine Unterschiede feststellbar. Allerdings konnte ich noch keinen Blick auf die PS4-Pro-optimierte Version oder die Xbox-One- und PC-Fassungen werfen.

Die ersten Runden mit einem Subaru WRX STI NR4 in Australien verlaufen wie erwartet: Das sieht nicht nur alles aus wie DiRT Rally, das spielt sich auch so. Die Grafik auf der PS4, wohlgemerkt noch eine Pre-Alpha-Version, flimmert hier und da noch ein wenig und bietet weder erkennbar mehr Details noch Effekte als der indirekte Vorgänger. Läuft aber angenehm flüssig mit den angegebenen stabilen 60 FPS und bietet keinen Grund zu maulen. Versprochen wird noch eine Optimierung für die erweiterten Fähigkeiten der PS4 Pro, aber davon konnte ich mich noch nicht selber überzeugen. Aufgefallen ist mir aber das schicke Schadensmodell, das verbeulte Kotflügel, klappernde Motorhauben, Sprünge in der Windschutzscheibe und eine nicht mehr richtig schließende Fahrertür nach einem Crash darstellt. Zusätzlich sollen noch Motorschäden, platte Reifen oder eine kaputte Gangschaltung die Authentizität unterstreichen. In der Demo habe ich mir alle Mühe gegeben meinen Wagen zu zerdeppern, konnte aber trotzdem das Ziel erreichen. Muss man mal abwarten, bis es eine umfangreichere Version zum Anspielen gibt.

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Zu dem gut 50 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark gehört auch der Subaru WRX STI NR4, ein echtes Dirt-Monster.

Vier Spielmodi stehen zur Verfügung: Rally, Rally Cross, Historic Rally und das aracdelastige Landrush. Während in den drei Rallye-Sparten gewohnt anspruchsvolle Kost geboten wird - DiRT 4 ist übrigens auch das offizielle Spiel der FIA World Rallycross Meisterschaft und bietet Rennen in Montalegre, Lohéac Bretagne, Hell, Holjes & Lydden Hill - geht es in Landrush mit Buggies, Racing-Trucks und Crosskart-Fahrzeugen ab auf staubige Rundkurse. Auch das konnte ich weidlich ausprobieren und mit einem Larock Buggy einen Rundkurs in Nevada absolvieren. Wenn ich in einem Höllentempo so über Bodenwellen brettere, dass mein Gefährt jedes Mal ein gutes Stück gen Himmel abhebt und beim Touchieren von Konkurrenten die Funken fliegen, dann macht das richtig Laune. Dazu noch das satte Sounddesign, bei dem das Röhren der Motoren kaum näher am Original sein könnte und bei Schaltvorgängen ein dumpfer Knall aus dem Auspuff ertönt, das sorgt für richtiges Renngefühl. Trotz der actionlastigen Verfolgungsjagden wird aber auch in Landrush nicht auf Können verzichtet. Ohne das Fahren richtig zu erlernen, wird es auch da nichts mit dem Siegertreppchen. Angekündigt wurde auch noch ein Joyride-Modus, der Schrottrennen und Free-Play-Areale bieten soll. Ein neues Destruction Derby? Immer her damit. Aber leider war die Menüauswahl ausgegraut und so konnte ich mir die Abwechslung vom Rallye-Leben leider nicht anschauen.

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Im Landrush-Modus geht es schön arcadig zu, wenn ihr mit Buggies oder Racing-Trucks den Sand in den Rundkursen durchpflügt.

Eine große Neuerung verkündete Codemasters dann auch noch auf dem Event: Es wird einen Strecken-Editor geben, der es erlaubt, eine unbegrenzte Anzahl an Pisten zu kreieren. Den konnte ich ausprobieren und mir in einem Menü mittels einiger weniger Optionen eigene Strecken zusammen basteln. Das Prinzip ist simpel gehalten, ich wähle das Land in dem die Strecke stehen soll, die Tageszeit, Wetterbedingungen und über Schieberegler die Länge sowie Komplexität. Mit diesen Angaben wird dann aus den vorhandenen Versatzstücken eine neue Herausforderung erstellt, die von einer kurzen, gradlinigen, Piste bis zu einer, mit einem Dutzend aufeinander folgenden Haarnadelkurven gespickten, 10-Kilometer-Tortour für jeden Geschmack eine frisch generierte Strecke bietet. Eigentlich also weniger ein Editor, mehr ein Zufallsgenerator. Aber egal, die Vorteile des Features liegen auf der Hand: Es gibt einen unendlichen Pistennachschub und Einsteiger, denen die vorhandenen Strecken zu schwer sind, können sich eben eigene Übungsbahnen erstellen. Die Eigenkreationen lassen sich über das hauseigene RaceNet mit der Community teilen, das nach Auskunft der Entwickler in der nächsten Zeit deutlich ausgebaut werden soll.

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Schickes Schadensmodell: Von der gesprungenen Windschutzscheibe, dem eingedrückten Kotflügel bis zur klappernden Fahrertür werden die Unfallschäden sichtbar gemacht.

Die Simulationsmacht von DiRT Rally gepaart mit einsteigerfreundlichen Fun-Racer-Bestandteilen und (endlich) einer ordentlichen Fahrschule, in der Frischlinge die Kunst des Rallyefahrens von der Pike auf lernen können: Das klingt alles nach einem runden Konzept, das Simulations-Experten und Gelegenheitsraser gleichermaßen glücklich macht. Zwar konnte ich nur zwei Modi ausprobieren, keinesfalls ausreichend für ein fundiertes Urteil, aber die Runden im Rally- und Landrush-Modus hatten genau die richtige Balance zwischen Anspruch und Spaß, den ich von Codemasters erwarte. Und noch eine letzte Erkenntnis: Ich habe nichts gegen die durchaus taugliche Controller-Steuerung, aber das perfekte Equipment für DiRT 4 ist ein Racing-Seat mit Force-Feedback-Lenkrad. Hätte ich doch nur mehr Platz zu Hause...

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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